Nachhaltige Holzwirtschaft Sägewerk zeigt, dass Käfereiche kein Abfall ist

Der Klimawandel setzt die heimischen Wälder unter Stress. Schädlinge vermehren sich stärker, wenn es wärmer und phasenweise sehr trocken ist. Das Holz befallener Bäume ist aber nicht automatisch mangelhaft. Ein Sägewerk zeigt, wie es aus Käfereiche wertvolle Holzprodukte macht und wie Holzbaugewerke davon profitieren.

Eichenwald
Durch die wärmeren Temperaturen aufgrund des Klimawandels sind immer mehr Eichen vom Eichenprachtkäfer und vom Eichenkernkäfer befallen. - © Konstiantyn - stock.adobe.com

"Eichenholz mit Käferspuren ist kein Abfall", mit diesen deutlichen Worten beginnt ein Post auf Instagram von Lacker Nature. Das Sägewerk hat sich auf Käfereiche spezialisiert. Seit rund zwei Jahren setzt das Unternehmen diesen technisch einwandfreien und natürlich gewachsenen Rohstoff in den Mittelpunkt seines Geschäftskonzepts. Dazu gehört eine Menge Aufklärungsarbeit. Denn einst von Käfern befallenes Holz wird von vielen Menschen als mangelhaft angesehen. Viele denken sogar, dass sie sich mit dem Holz Schädlinge ins Haus holen. Das ist jedoch ein Vorurteil.

"Käferholz hat zu Unrecht einen schlechten Ruf", sagt Marina Sienz, die bei Lacker Nature im mittelfränkischen Polsingen für Kommunikation und Vertrieb zuständig ist. Nach dem Fällen der Eichen, in denen zuvor der Eichenprachtkäfer und der Eichenkernkäfer lebten, wird das Holz gesägt und getrocknet. "Dadurch fehlt den Käfern die notwendige Holzfeuchte für ihre Hefekulturen – ihre Lebensgrundlage entfällt, und sie verlassen das Holz", erklärt Sienz. Bäume, die weiterverarbeitet werden, sind also käferfrei – auch wenn man ihre Spuren noch erkennen kann. Sichtbar sind dann dunkle Punkte oder Linien, da die Käfer sich durch das Holz gefressen haben. Sehen die einen darin einen Mangel, entgegnen aufgeklärte Holzprofis, dass die Käfereiche eine individuelle Note bekommen hat. Denn ein Makel besteht – wenn überhaupt – nur optisch.

Käfereiche: Marktlücke mit Zukunft

Da der Trend beim Holz in den vergangenen Jahren ohnehin wieder stärker in Richtung Natürlichkeit geht – Astlöcher und Maserungen sind gewollt und dürfen auf Möbeln und im Parkett wieder sichtbar sein –, ist die Käfereiche auch hierbei eigentlich nicht im Nachteil. Marina Sienz erklärt dennoch, dass Lacker Nature bislang das einzige Unternehmen sei, das Käfereiche aktiv ankauft und daraus Holzprodukte herstellt.

Dass hier eine Marktlücke besteht und das Sägewerk sich mittlerweile auf diese Holzart und den Umgang damit spezialisiert hat, zeigt das wachsende Sortiment. Angefangen hatte das Unternehmen einst mit Pflanzstäben für die Forstwirtschaft, die junge Bäume stützen, wenn diese frisch gepflanzt anwachsen sollen. "Damit kommt das heimische Holz wieder in den Wald zurück und kann eine nachhaltige Aufforstung unterstützen", erklärt Marina Sienz. Eichenholz ist bekannt für seine Robustheit. Es für Pflanzstäbe zu nutzen, ist eher selten, da es normalerweise zu teuer dafür ist. Käfereiche sei allerdings günstiger und werde damit auch preislich zu einer sinnvollen Alternative gegenüber Import- und Kunststoffware. Aktuell setzt sich das Sägewerk auch für mehr Nachhaltigkeit auf den Schienennetzen ein. Denn die umweltfreundliche Käfereiche ist auch als Bahnschwelle zugelassen. Deren Existenz wird jedoch zunehmend durch den Einsatz von Kunststoffschwellen bedroht.

Das Angebot von Eichenrundholz mit Käferball ist derzeit höher als die Nachfrage. Marina Sienz berichtet, dass der Markt der klassischen Anwendungsbranchen, wie Möbel- und Furnierindustrie, die optischen Makel bisher nicht akzeptiert. "Das senkt den Einkaufspreis", sagt sie und erklärt zugleich, dass das Käferholz damit aber auch selbst für großflächige Anwendungen ebenso wie im Außenbereich preislich attraktiv bleibe.

Käfereiche: Aus nachhaltiger Fortwirtschaft und vielseitig einsetzbar

Da die Firma Lacker Nature mittlerweile bemerkt, dass die Akzeptanz zunimmt und da sie aus der Praxis positives Feedback bekommt, gibt es im Sägewerk nun fast jegliches Bauholz aus Käfereiche – Terrassendielen, Wandverkleidungen und bald auch ganze Außenfassaden. Holzbaugewerke können das Holz aus einer nachhaltigen Fortwirtschaft also vielseitig einsetzen.

Gefällt werden müssen die befallenen Bäume nämlich ohnehin, denn im lebenden Holz breiten sich die Käfer aus. Wenn die befallenen Bäume nicht entfernt werden, sterben sie irgendwann ab und die Käfer gehen auf den nächsten Baum über. Wird der Befall früh erkannt, kann man das Holz bedenkenlos nutzen – statt es als Brennholz zu verwerten. Käfereiche gilt als umweltfreundliche Alternative zu vermeintlich makelloserem Holz, aber das ist ja auch Geschmackssache. Da aufgrund des Klimawandels in den Wäldern immer mehr sogenanntes Kalamitätsholz anfällt, ist das Finden neuer Lösungen im Umgang damit ein Zukunftsthema. Das mittelfränkische Sägewerk beschreibt das mit dem Slogan "It’s wood – not waste." "Was bleibt sind sichtbare Spuren von heimischer Herkunft, Klimawandel und ein Aufruf für Wertschätzung unserer natürlichen Ressourcen", beschreibt es Marina Sienz.

Käfereiche
Die Firma Lacker Nature stellt unter anderem Pflanzstäbe aus Käfereiche her. Das Käferholz hat charakteristische dunkle Stellen, die aber kein Makel sind. - © Brad Foster