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Prognose zum Bruttoinlandsprodukt Sachverständigenrat: Wirtschaftliche Lage bleibt fragil

Die konjunkturelle Lage in Deutschland bleibt nach Einschätzung des Sachverständigenrates angesichts der aktuellen Corona-Lage instabil. Der Teil-Lockdown bremst auch im Handwerk den Erholungsprozess deutlich.

"Durch die stark steigenden Infektionszahlen bleibt die wirtschaftliche Lage fragil", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates Lars Feld bei der Übergabe des Jahresgutachtens an die Bundesregierung. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei, wie die Pandemie eingedämmt werden könne und wie sich die Wirtschaft im Ausland entwickle. Angesichts der starken wirtschaftlichen Erholung in den Sommermonaten erwartet der Sachverständigenrat für das laufende Jahr jetzt einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 5,1 Prozent. Im Juni rechnete er noch mit einem Minus von 6,5 Prozent. Für 2021 erwarten die "Fünf Weisen" ein Plus von 3,7 Prozent – allerdings unter der Voraussetzung, dass es zu keinen massiven Einschränkungen der Wirtschaftsaktivität wie im Frühjahr kommt.

Schwannecke: Wir müssen das Infektionsgeschehen verlangsamen

Nach den Worten von ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke spiegelt das Gutachten des Sachverständigenrates auch die Lage im Handwerk wider. "Nachdem die Handwerksbetriebe im dritten Quartal bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einen großen Schritt nach vorn machen konnten, sehen sie sich aktuell wieder in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld", sagte er.

Die wirtschaftlichen Beschränkungen bis zum Monatsende wirkten sich direkt oder indirekt auf den Geschäftsbetrieb vieler Handwerksbetriebe aus. Vielen Betrieben fehlten inzwischen die finanziellen Rücklagen, um starke Geschäftseinbrüche erneut verkraften zu können. "Deshalb muss es gelingen, das Infektionsgeschehen zu verlangsamen und eine Fortsetzung der Beschränkungen zu vermeiden", betonte er. Die zusätzlich von der Regierung wegen des Teil-Lockdowns auf den Weg gebrachten Hilfen begrüßte er. Die Betriebe bräuchten allerdings noch weiter Entlastungen, etwa bei der Bürokratie.

Prognosen des Sachverständigenrates für 2020 besser als die der Regierung

Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mitteilte, liegen die Zahlen des Sachverständigenrates in der Größenordnung der Prognose des Ministeriums, das für 2020 mit einem Rückgang von 5,5 Prozent und für das kommende Jahr mit einem Plus von 4,4 Prozent rechnet. Die wirtschaftliche Entwicklung hänge maßgeblich vom Verlauf der Pandemie ab. "Wir müssen runter bei den Infektionszahlen – im Interesse unser aller Gesundheit, aber auch im Interesse unserer Wirtschaft und vielen Beschäftigten in unserem Land", betonte er. Insgesamt sieht der Wirtschaftsminister die Krisenpolitik der Bundesregierung durch das Gutachten bestätigt. "Der Rat würdige das schnelle und entschlossene Handeln der Bundesregierung in der Corona-Epidemie", fügt er hinzu.

Fünf Weise für Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags

Der Sachverständigenrat hob in seinem Gutachten allerdings auch hervor, dass das Konjunkturpaket zwar zur Erholung beitrage, aber nicht immer zielgenau sei. Im weiteren Verlauf der Krise sollten vielmehr auch die Möglichkeiten zum steuerlichen Verlustrücktrag ausgeweitet sowie die Überbrückungshilfen stärker nach Betroffenheit durch die Pandemie differenziert werden.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt unterstrich Feld die Bedeutung der Kurzarbeit. Ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosenquote könne so vermieden werden. Dabei sollte die Zeit der Kurzarbeit intensiv für Weiterbildung genutzt werden, fordert er. Auch stünden Europa und Deutschland über die Bewältigung der akuten Krisenauswirkung hinaus vor großen Herausforderungen wie Klimawandel, technischer Fortschritt, demografischer Wandel sowie protektionistischen Tendenzen, die es zu bewältigen gelte.

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