Erste Klage gegen Brennelementesteuer eingereicht - EnBW hält sich weiter alle Möglichkeiten offen RWE und E.ON machen ernst im Atomstreit

Die beiden größten deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON machen ernst im Streit um den Atomausstieg: Gemeinsam haben sie die erste Klage gegen die umstrittene Brennelementesteuer eingereicht. Das sagte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.

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RWE und E.ON machen ernst im Atomstreit

Essen (dapd). Die beiden größten deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON machen ernst im Streit um den Atomausstieg: Gemeinsam haben sie die erste Klage gegen die umstrittene Brennelementesteuer eingereicht. Das sagte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. Mit der Klage wollen die Konzerne verhindern, dass sie die zusammen mit der Laufzeitverlängerung für Reaktoren beschlossene Brennelementesteuer trotz des Atomausstiegs zahlen müssen.

Der dritte von der Brennelementesteuer betroffene deutsche Kernkraftwerksbetreiber EnBW hält sich dagegen noch alle Wege offen. Ein Unternehmenssprecher sagte, das Unternehmen werde erst nach dem 15. Juli eine Entscheidung fällen, ob es ebenfalls vor Gericht ziehe, da erst ab diesem Zeitpunkt eine Steuerpflicht bestehe.

Die RWE-Sprecherin sagte, die Klage sei bereits am Dienstag eingereicht worden und betreffe das gemeinsam mit E.ON betriebene Kernkraftwerk Gundremmingen, wo kürzlich Brennelemente ausgetauscht worden waren. Ein E.ON-Sprecher erklärte: "Das Vorgehen ist mit uns abgestimmt."

Damit drücken die Energiekonzerne im Atomstreit aufs Tempo. Denn sie verzichten darauf, die ihnen gesetzlich zustehenden Fristen auszunutzen. Gleichzeitig mit dem Widerspruch beim Hauptzollamt Augsburg machten sie von der Möglichkeit einer sogenannten Sprungklage beim Finanzgericht München als der nächsten Instanz Gebrauch. Ziel sei es, die Zahlung der Steuern zurückhalten zu können, hieß es in Essen.

RWE erwartet Belastungen von 400 Millionen

Die Brennelementesteuer war von der Bundesregierung im Zuge der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke eingeführt worden. Ihre Beibehaltung auch nach der Energiewende wird von den Energiekonzernen heftig bekämpft.

RWE allein rechnet nach früheren Angaben in diesem Jahr durch die Brennelementesteuer mit Belastungen in Höhe von bis zu 400 Millionen Euro. Deutschlands größter Energieversorger E.ON hatte bereits vor einigen Wochen seine Entschlossenheit bekundet, gegen die Brennelementesteuer zu klagen.

Der schwedische AKW-Betreiber Vattenfall erwartet nach eigenen Angaben wegen des Ausstiegs-Beschlusses allein im zweiten Quartal eine Belastung des Betriebsergebnisses von rund 1,1 Milliarden Euro. Der Konzern sei gezwungen, Abschreibungen am Buchwert der beiden Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel vorzunehmen und die Rückstellungen für den Rückbau und die Entsorgung der Brennelemente zu erhöhen.

Die beiden Atomkraftwerke dürfen laut Beschluss nicht wieder angefahren werden. Vattenfall ist mit 66,7 Prozent am Kraftwerk Brunsbüttel und mit 50 Prozent am Kraftwerk Krümmel beteiligt und Betreiber beider Anlagen.

Großmann treibt angeblich RWE-Umbau voran

Parallel zur Klage treibt RWE-Chef Jürgen Großmann nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe) den Umbau des Essener Energieriesen voran. Das Blatt berichtete, RWE werde sich bereits in den nächsten Tagen von der Mehrheit seiner Netzsparte Amprion trennen. Bis Ende Juni sollen 75 Prozent der Amprion-Anteile den Besitzer wechseln, verlautete aus Finanzkreisen.

Eine RWE-Sprecherin wollte zu diesen "Spekulationen" nicht Stellung nehmen. Sie wies allerdings darauf hin, dass der Konzern schon im vergangenen Jahr angekündigt habe, wegen der hohen anstehenden Investitionen im Netzbereich nach Finanzinvestoren zu suchen.

dapd