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Altersvorsorge Rürup-Rente: Wie Handwerker durch Steuervorteile profitieren

Unternehmer im Handwerk können den Staat an ihrer Altersvorsorge mitzahlen lassen. Worauf man achten muss, wenn man von den Steuervorteilen der Rürup-Rente profitieren möchte.

Wer als Selbstständiger oder Unternehmer ohne Kapitalgesellschaft bei der privaten Altersvorsorge von Steuervorteilen profitieren will, hat nur eine Möglichkeit: die Rürup-Rente. Wer im Rahmen dieses Programms anspart, kann einen großen Teil seiner Investition von der Steuer absetzen. Je höher der persönliche Steuersatz, desto interessanter wird das Konzept.

Im Alter ist der Steuersatz meist geringer

Was der Sparer mit einer Rürup-Rente jeden Monat fürs Alter zurücklegt, wird vom Brutto-Einkommen abgezogen und ist im ersten Schritt steuerfrei. Damit sparen sich viele Mehrverdiener ab 35.000 Euro im Jahr rund 35 Prozent beim Grenzsteuersatz. Hier wird auch – im Gegensatz zu anderen Anlage­formen – keine Abgeltungsteuer fällig. "Bei der Auszahlung im Alter sind die Auszahlungen zwar zu versteuern, aber dann ist der Steuersatz meist geringer", erläutert Finanzfachmann Dieter Homburg.

Der Autor des Buchs "Altersvorsorge für Dummies" empfiehlt Hand­werkern, unbedingt über dieses Vorsorgekonzept nachzudenken. Denn bei richtiger An­wendung übernimmt der Fiskus indirekt zwischen 30 und 40 Prozent dessen, was zukünftige Rentner ansparen. Allein im Jahr 2018 können bis zu 47.616 Euro angelegt werden, die zum Großteil den eigenen Einnahmen entgegengesetzt werden dürfen.

Lebenserwartung

Die Vorteile der steuervergünstigten Altersvorsorge: Die Beiträge sind sehr flexibel zu gestalten. "Sie könnten zum Beispiel jeden Monat 50 Euro zurücklegen und am Ende des Jahres entscheiden, ob Sie einen Anteil vom Geschäftsgewinn dazugeben. Oder auch nicht", sagt Homburg. Falls der Betrieb einmal nicht so gut läuft, können Selbstständige den Vertrag ganz beitragsfrei stellen.

Anders als bei der Riester-Rente für Angestellte kann man einen Rürup-Vertrag auch ohne garantierte Rente abschließen. Das hat den Vorteil, dass deutlich freier investiert werden kann und die Renditechancen höher ausfallen. "Garantien sind längst nicht immer erstrebenswert, denn diese fallen meistens niedrig aus und sind in 20 oder 30 Jahren inflationsbedingt nicht mehr viel wert", gibt der Finanzexperte als Zusatztipp. Rürup-Renten sind vor Insolvenzverwalter und Sozialamt geschützt. "Dieses Geld ist einbetoniert und kann Ihnen bis zur Auszahlung nicht mehr genommen werden."

Verträge sind nicht beleihbar oder vererbbar

Achtung: Verträge sollten nicht vorzeitig gekündigt werden und man kann sie nicht beleihen oder an entfernte Verwandte vererben. "Wer das tut, muss alle in Anspruch genommenen Steuervorteile zurückzahlen", erläutert der Master­consultant in Finance. Wirtschafts­wissenschaftler Bert Rürup beabsichtigte bei seinem Konzept, Menschen vor Altersarmut zu schützen. Nicht aber entfernte Angehörige oder Freunde.

Die Regeln sind eng an die gesetzliche Rentenversicherung angelehnt, bei der ebenfalls nur der Partner und die eigenen Kinder bis maximal zum 25. Lebensjahr bezugsberechtigt sind. Deshalb kann das Geld nur als lebenslange Rente ausgezahlt und nicht etwa für Investitionen ins Geschäft verwendet werden. Die Auszahlung als Einmalbetrag ist ebenfalls nicht möglich, sondern wird als lebenslange Rente zugeteilt. Den meisten Selbstständigen dürfte dies entgegenkommen, weil sie im Alter mit keinen hohen monatlichen Einnahmen zu rechnen haben und somit ein Großteil der Rürup-Rente steuerfrei bleibt.

Abschließen kann man Rürup-­Verträge bei den meisten Versicherungsunternehmen. Doch nicht bei jedem ist der Sparer gleich gut aufgehoben. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität. Beim Service erzielen die Unternehmen sehr unterschiedliche Ergebnisse zwischen "gut" und "ausreichend". Freundliche und motivierte Berater sind bei den Gesprächsterminen die Regel, aber 46 Prozent der E-Mail-Anfragen bleiben im Rahmen der Untersuchung komplett unbeantwortet. Sechs von 15 Versicherern kassieren in diesem Bereich ein "mangelhaft".

Rente hängt maßgeblich von der Höhe der Gebühren ab

Bei den Leistungen überzeugten die meisten Produkte. Aber selbst bei identischer Förderung fallen die Rentenauszahlungen nicht gleich aus. Die spätere Rente hängt maßgeblich davon ab, wie hoch die Gebühren sind und wie gut sich die Anlage im Laufe der Zeit entwickelt. "Ein Vergleich der konkreten Vertragskosten, der bisherigen Ergebnisse des Angebotes und der kalkulierten Rente ist empfehlenswert. Gerade bei längeren Laufzeiten empfehlen sich Fondslösungen ohne jede teure Garantie", sagt Homburg.

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