Gerade in Ballungsräumen hat der Radverkehr in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Gefährliche Situationen mit Autofahrern und Fußgängern bleiben da nicht aus. Aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer bringen sich und andere durch rücksichtsloses und verkehrswidriges Verhalten immer wieder in Gefahr.
Karin Birk

In den Städten Berlin und Freiburg soll deshalb jetzt mit einer angelegten Pilotkampagne für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr geworben werden. "Wir wollen weitere Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit erreichen", sagte Jan Mücke, Parlamentarischer Staatsekretär im Bundesverkehrsministerium. Dies sei umso wichtiger, da zuletzt die Zahl der im Straßenverkehr schwer verletzten und tödlich verunglückten Radfahrer wieder zugenommen habe.
Als mögliche Gründe für die Zunahme nannte Mücke schwierigere Wetterverhältnisse sowie ein konjunkturbedingtes höheres Verkehrsaufkommen. Eine weitere Ursache sieht Ute Hammer, Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), in der Zunahme alkoholisierter Fahrradfahrer.
Keine stärkeren Sanktionen
Dabei will die Kampagne ganz bewusst nicht mit dem "gehobenen Zeigefinger" oder mit mehr "Kontrollen und Strafen" arbeiten, betonte Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin. Es gehe vielmehr darum, die "Rücksicht" und "Vorsicht" aller Verkehrsteilnehmer in den Vordergrund zu stellen. "Das muss in die Köpfe der Leute", sagte auch der Freiburger Bürgermeister Martin Haag. Neben entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen wie Fahrradwege und Fahrradstreifen sei dies ein ganz wichtiger Bausstein für mehr Verkehrssicherheit. Und nicht nur das: "Rücksichtnahme kostet nichts und ist sofort umsetzbar", betonte Hammer.
Das bedeute dann aber auch, beispielsweise als Autofahrer beim Abbiegen nach Radfahrern Ausschau zu halten und eben nicht auf dem Fahrradstreifen zu parken. Genauso wenig sollten Radfahrer mit unsicheren oder schlecht beleuchteten Rädern unterwegs sein oder Fußgänger ohne Vorsicht in Radwege laufen.
Mit den Mitteln einer breit angelegten Markenkampagne angefangen vom Werbefilm, Radiospots oder Plakaten bis hin zu Facebook und Youtube soll in beiden Städten jetzt für mehr Verkehrssicherheit geworben werden. Nach zwei Jahren soll die Kampagne ausgewertet und möglicherweise auf andere Städte ausgeweitet werden. Finanziell unterstützt wird die Kampagne vom Bundesverkehrsministerium, dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat und der Unfallforschung der Versicherer sowie lokalen Partnern.