Mehr als 1.000 Angehörige wollen Besatzung in Kiel empfangen Rückkehr des Segelschulschiffs "Gorch Fock" aus schwerer See

Eine der schwierigsten Reisen des deutschen Segelschulschiffs "Gorch Fock" nähert sich dem Ende. Am Freitag (10.00 Uhr) wird die Dreimastbark der Marine an der Tirpitzmole des Kieler Marinestützpunktes erwartet. Beim Festmachen wird es an Land ein dichtes Gedränge geben.

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Rückkehr des Segelschulschiffs "Gorch Fock" aus schwerer See

Kiel (dapd). Eine der schwierigsten Reisen des deutschen Segelschulschiffs "Gorch Fock" nähert sich dem Ende. Am Freitag (10.00 Uhr) wird die Dreimastbark der Marine an der Tirpitzmole des Kieler Marinestützpunktes erwartet. Beim Festmachen wird es an Land ein dichtes Gedränge geben. "Wir erwarten deutlich mehr als 1.000 Angehörige. Das ist eine andere Dimension, als wir es gewohnt sind", sagt Marinesprecher Achim Winkler.

In der Vergangenheit versammelten sich bei der Rückkehr des Schiffs meist 300 bis 400 Menschen. Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin, Berichten von angeblich übertriebenem Druck beim Aufentern, Vorwürfen sexueller Nötigung und der Suspendierung des Kommandanten haben sich diesmal allein mehr als 80 Journalisten angemeldet. Über acht Monate dauerte die Südamerika-Reise des Segelschiffs.

Am Mittwoch lichtete die "Gorch Fock" im dänischen Frederikshavn den Anker und setzte Kurs in Richtung Heimathafen. Mit an Bord ist auf dem letzten Abschnitt des Törns der Marineinspekteur Axel Schimpf. Er will mit den Besatzungsmitgliedern sprechen.

Nach dem tödlichen Sturz der 25 Jahre alten Offiziersanwärterin Sarah Lena S. aus der Takelage war das Segelschulschiff in die Kritik geraten. Die Soldatin war am 7. November vergangenen Jahres im brasilianischen Hafen von Salvador da Bahia aus 27 Meter Höhe auf Deck gestürzt und ihren schweren Verletzungen erlegen. Es war der sechste Todesfall an Bord des Schiffs. Erst im September 2008 war eine 18-jährige Kadettin in der Nordsee über Bord gegangen und ertrunken.

Anfang des Jahres wurden Vorwürfe laut, an Bord würden Kadetten drangsaliert und schikaniert. Umstrittene Rituale an Bord des Schiffs machten Schlagzeilen. Die Mutter der verunglückten Soldatin erstattete Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.

Eine ehemalige Rekrutin der "Gorch Fock" beklagte Anfang des Jahres in einem dapd-Interview unhaltbare Zustände an Bord. Drill, Einschüchterung und Schlafmangel hätten offenbar System gehabt. "Da wurde gebrüllt, da wurde gedrillt. Das war systematisches Schleifen wie in einem schlechten Film." Sie sprach von "übertriebener Härte und Männlichkeitsgehabe". Die Zustände seien besonders für Frauen schwierig. Die Bark werde in Marinekreisen als "größter schwimmender Puff Deutschlands" bezeichnet.

Ende Januar suspendierte der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kommandanten Norbert Schatz und schickte eine Untersuchungskommission auf das Schiff. Ein an den Verteidigungsausschuss des Bundestags übergebener nicht öffentlicher Bericht entlastet Schatz nach dapd-Informationen. Die abschließende Bewertung des Verteidigungsministeriums steht aber noch aus.

Vorerst wird die "Gorch Fock" nach ihrer Rückkehr aus der Fahrbereitschaft der Marine genommen, bis über ihre Zukunft endgültig entschieden ist. Unklar ist damit auch, ob das Schiff, wie ursprünglich geplant, Ende Juni die traditionelle Windjammerparade zur Kieler Woche anführen wird.

"Die Landeshauptstadt ohne die Gorch Fock - das ist für die Menschen in Schleswig-Holstein nicht nur zur Kieler Woche etwas Unvorstellbares", sagt Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig. Die Stadt als Heimathafen der Marine sei untrennbar mit dem "Wahrzeichen Kiels" verbunden. "Darum hat sich die Stadt Kiel zu jeder Zeit für den Erhalt der 'Gorch Fock' und für die rückhaltlose Aufklärung aller Vorwürfe eingesetzt." Die Fortsetzung des Ausbildungsbetriebes dürfe nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten diskutiert werden.

Auch der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels spricht sich in der Onlineausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung" für einen Weiterbetrieb aus. Die "Gorch Fock" sei auch ein nationales Symbol geworden. Dies sähen die übrigen Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestages genauso.

Nach der Fahrt durch den Großen Belt soll das Segelschulschiff bereits am Donnerstag die Kieler Förde erreichen und voraussichtlich nördlich von Kiel - vor Strande - vor Anker gehen. Am Freitagmorgen wird das Schiff dann die letzten Seemeilen bis zum Heimathafen zurücklegen.

dapd