Event-Format feiert Premiere Rückblick auf die "HEROcon": Ein neuer Treffpunkt für Macher

Wenig Politik und viel Praxis – die neu geschaffene Veranstaltung "HEROcon" bot im Dortmunder Signal Iduna Park eine gelungene Mischung aus Workshops und Networking.

Influencerin und Buchautorin Sandra Hunke (li.), erklärte Moderator Patrick Neumann (re.), wie sie junge Frauen fürs Handwerk begeistert. - © HEROcon

Dort, wo sonst am Wochenende über 80.000 Fußballfans bei Bundesligaspielen von Borussia Dortmund auf den Rängen mitfiebern, versammelten sich Ende Mai Handwerker aus ganz Deutschland. Statt spektakulärer Tore und Ballstafetten standen bei der Premiere der "HEROcon" Netzwerken und praxisnahe Workshops im Vordergrund. Typische Fragen, über die an zwei Veranstaltungstagen im Signal Iduna Park diskutiert wurden, lauteten: Wie automatisiere ich meine Materialbestellung mit KI? Welche Tiktok-Formate ziehen Azubis an? Und wie verwandle ich Website-Besucher in zahlende Kunden?

Handwerker treffen Handwerker

Auffällig war, über was bei den Vorträgen bekannter Influencer aus dem Handwerk wenig bis gar nicht gesprochen wurde: Politik. Themen wie Bürokratieabbau, Mindestlohn oder Steuerreformen spielten in den Gesprächen der rund 750 Teilnehmer weniger eine Rolle als bei vergleichbaren Branchenevents. Vertreter aus Politik und Handwerksorganisationen waren vor Ort kaum anzutreffen.

Laut dem Veranstalter "HERO", einem aufstrebenden Anbieter von Softwarelösungen für das Handwerk, ein Konzept mit Kalkül. Das neue Eventformat möchte hauptsächlich Unternehmer anziehen, die auf der Suche nach Lösungen sind, um ihre Betriebe erfolgreicher zu machen. Es geht um Effizienzgewinne, neue Geschäftsmodelle und Antworten auf den Fachkräftemangel. Ein Ansatz, der bei den Teilnehmern der Veranstaltung gut ankam, wie die zufriedenen Gesichter und Meinungen zeigten. "Wir sind hier, um Lösungen zu teilen, nicht um über Politik zu meckern", sagte stellvertretend einer der Teilnehmer.

Auch der Startup-Pitch am Samstagnachmittag blieb praxisnah: Drei Finalisten präsentierten auf der HERO Stage ihre digitalen Lösungen für das Handwerk – ausgewählt aus einem Dutzend Bewerbungen, die im Vorfeld per Video eingereicht wurden. Die siegreiche Benetics AG überzeugte die Jury mit einem KI-Tool, das Materialbestellungen per Sprachbefehl dokumentiert.

Influencer geben Tipps, wie Betriebe Nachwuchs über Social Media erreichen

Neben Digitalisierung und KI stand die Präsenz von Handwerksbetrieben in sozialen Netzwerken im Fokus. Nach Einschätzung der teilnehmenden Influencer gibt es hier noch sehr viel Potenzial in den Firmen. Sandra Hunke alias „Das Baumädchen“ stellte ihr Sachbuch "Ich zeig’ Euch, wo der Hammer hängt" vor, das keine Branchenanalysen, sondern Checklisten für weibliche Auszubildende liefert. Die Anlagenmechanikerin, die auf Tiktok über Werkzeug und Rollenklischees spricht, steht exemplarisch für das Prinzip des Events: Praktiker statt Theoretiker.

Auf der Allianz Stage diskutierten Handwerker-Influencer mit hohen Follower-Reichweiten über Content-Strategien. Sandra Hunke, Jule Rombey, Ben Berger, Fiete Holzbock und Kristijan Cacic unterhielten sich mit Moderator Patrick Neumann darüber, wie Social Media das Image des Handwerks verändern und den Beruf für junge Menschen in Zukunft wieder attraktiv machen kann.

Die 63 Programmpunkte der Veranstaltung folgen einer klaren Logik: Jede Session muss betriebliche Schmerzpunkte adressieren. Dass die Veranstalter ihr neues Branchenformat keineswegs planlos organisiert haben, unterstrich die eigens entwickelte Veranstaltungs-­App. Über das Tool konnten die Teilnehmer nicht nur Programmpunkte aufrufen, sondern Workshops buchen und gezielt Gespräche direkt vor Ort mit Kollegen und Influencern ausmachen: Auf diesem Weg entstanden Synergieeffekte und die Handwerker durften echte Mehrwerte mit nach Hause nehmen.

2026 dürften einige von ihnen wieder mit dabei sein. Eine Fortsetzung der "HEROcon" ist vom Veranstalter für den 12. und 13. Juni nächsten Jahres bereits bestätigt.