Das TV-Jahr 2024 war ein enttäuschendes aus Sicht des Handwerks – bei den großen Talkshows, aber auch im Bereich der Dokumentationen. Oft sendeten gerade die öffentlich-rechtlichen Sender konsequent am Mittelstand vorbei. Ein Rückblick.

Immerhin war auch Jörg Dittrich 2024 wieder zu Gast in einer großen Talkshow. Anfang November saß der Handwerkspräsident bei Maybrit Illner. Das war kurz vor dem Ampel-Aus, und Dittrich war zuvor beim Gipfel von Finanzminister Christian Lindner gewesen. Sein Fazit: Man solle die Zeit nicht weiter mit Gipfeln verplempern, die Lage sei zu ernst. Dittrichs Auftritt rückte das Handwerk in einer der großen Talkshows ins Zentrum – eine wohltuende Ausnahme angesichts des Umgangs mit dem Mittelstand bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Nur wenige Handwerker im TV-Studio
War Illner oft noch eine positive Ausnahme bei der Themenfindung, so zeigte vor allem das unter dem neuen Moderator Louis Klamroth umgestaltete Format "Hart aber fair" kaum mehr Interesse für wirtschaftliche Fragen – und damit auch nicht für das Handwerk. Nur selten saßen echte Handwerksvertreter aus der Praxis im Studio. Eine Fleischereifachverkäuferin durfte nach den Wahlen in Ostdeutschland schildern, welche Hintergründe zu den Ergebnissen geführt hatten. Die Menschen fühlten sich nicht verstanden, und auch die Migration trage etwas zu der allgemeinen Verunsicherung bei. Klamroth ging mit ihr fair um, besuchte sie bei einer der von ihr mitorganisierten Demonstrationen infolge der Bauern- und Handwerkerproteste.
Miosga: Kein Interesse an Gästen aus dem echten Leben
Dennoch – im Vergleich zu seinem Vorgänger Frank Plasberg fiel bei Klamroth auf, dass er trotz eines neuen Konzepts mit tendenziell mehr Gästen, die sich im Studio konfrontativer als bisher gegenüber sitzen, sehr stark auf Politiker setzte und eher Wissenschaftler oder Journalisten zu Wort kommen ließ als die Praktiker aus Mittelstand und Handwerk. Aufgrund seiner Gästeauswahl stand Klamroth immer wieder in der Kritik, etwa, als er über ein mögliches AfD-Verbot diskutierte, ohne einen aktuellen Vertreter der Partei zu dieser Runde einzuladen. Zudem ließ er im Gegensatz zu Plasberg die Politiker oft recht einfach davonkommen und setzte nicht immer die richtigen, direkten Nachfragen. Im Verlauf des Jahres veränderte sich das ein wenig zum Besseren, doch es bleibt spannend, wie sich "Hart aber fair" im Jahr 2025 entwickeln wird.
Unrettbar aus Sicht des Mittelstands scheint indes die 2024 neu aufgelegte Talkshow von Caren Miosga zu sein. Hier sieht das Konzept offenbar gar nicht vor, "normale" Menschen einzuladen, sondern hier talkt noch der Minister oder Generalsekretär weitgehend ungestört vor sich hin, während die Moderatorin – wie zuletzt bei Wirtschaftsminister Robert Habeck – entweder freundliche Fragen stellt oder ihre Gäste fast schon anhimmelt, wenn deren politische Ausrichtung ihr zusagt.
TV-Jahr 2024 aus Sicht des Handwerks: Das Highlight liefert RTL ab
Ein Höhepunkt des TV-Jahres war indes auf dem Privatsender RTL zu sehen. Dort traf Bundeskanzler Olaf Scholz im Oktober im Rahmen des Formats "RTL direkt" auf drei Mitdiskutanten, die ihn deutlich konfrontierten. Unter ihnen: Anlagenmechanikerin Sandra Hunke, die recht ungeschminkt die Probleme in Handwerk und Mittelstand beschrieb. Sie sagte klar, dass sie die Worte des Kanzlers nicht beruhigten und zweifelte daran, dass er überhaupt wisse, was "draußen los" sei. Zudem saßen der Bürgermeister einer kleinen sächsischen Gemeinde und der Vater des von einem Flüchtling in einem Zug bei Brokstedt ermordeten Teenagers in der Runde, und so wurde tatsächlich auch harte Kritik am Kanzler und dessen Politik laut. Die Moderatorin Pinar Atalay verzichtete zudem darauf, den Kanzler zu schützen, sondern sekundierte eher den anderen Teilnehmern. An diesem Abend wurde auch klar, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen längst seinen Nimbus des Qualitätsjournalismus im Vergleich mit den Privatsendern verloren hat. Ein wenig spöttisch könnte man anmerken, dass in einer einzigen Sendung bei RTL genauso viele kritische Fragen an einen Ampel-Politiker gestellt wurden wie bei "Hart aber fair" in einem ganzen Jahr.
Dokumentationen mit Handwerksbezug: Bürokratie als großes Thema
Und die Dokumentationen? Hier gab es Licht und Schatten. Herausragende Beiträge zum Thema Bürokratie, in denen etwa erklärt wurde, wie viel an Bürokratiekosten in einem Brötchen steckt oder welche irrsinnigen Dokumentationspflichten im Handwerk zu erfüllen sind, wechselten sich mit den üblichen Handwerkertests und Verbrauchermagazinen ab, in denen das Handwerk oftmals eher als ein Haufen von Gaunern dargestellt wird, dem es zu misstrauen gilt. Immerhin schien sich die Bürokratie zusehends auch in den Beiträgen als ein gewichtiges Hemmnis für wirtschaftliches Wachstum zu manifestieren. Abgesehen von einzelnen Sendungen wurde dieses Thema allerdings nicht in dem Umfang aufgegriffen, den es verdient hätte.
Ausblick 2025: Das negative Wirtschafts-Bild der öffentlich-rechtlichen Sender
Und was kommt 2025? Dass Wirtschaftsthemen angesichts der evidenten Krise derzeit beim Publikum eigentlich ziehen müssten, steht eigentlich außer Frage. ARD und ZDF fremdelten aber zumindest im zu Ende gehenden Jahr erkennbar mit allem, was mit Marktwirtschaft, Mittelstand und Handwerk zu tun hat. Dazu könnte die eigene Marktferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beitragen, der ja nicht am Markt erfolgreich sein muss, weil er über Gebühren finanziert wird. Wirtschaftlicher Erfolg ist eher verdächtig, Steuern und Abgaben generell in jeglicher Höhe sinnvoll und der Unternehmer tendenziell einer, der zuerst auf sich selbst und dann erst auf das Wohlergehen seiner Mitarbeiter schaut. Ob sich an diesem grundsätzlichen Zugang zum Thema Wirtschaft 2025 auch angesichts der sich ausweitenden Krise etwas ändern wird, daran darf wohl gezweifelt werden. 2024 jedenfalls hat Klamroth die Chance vergeben, dem alten Motto von "Hart aber fair" – "wo Politik auf Wirklichkeit trifft" – neues Leben einzuhauchen. Und es gibt wenig Anzeichen, dass dies 2025 besser wird.