Brasiliens Präsidentin richtet bei Staatsbesuch Wulffs konkrete Erwartungen an Deutschland Rousseff lädt Merkel ein

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat beim Staatsbesuch von Bundespräsident Christian Wulff konkrete Erwartungen an Deutschland formuliert. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger müsse vorangetrieben und der Studentenaustausch beider Länder erweitert werden. Rousseff lud am Donnerstag in Brasilia Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch in ihrem Land ein.

Foto: dapd

Rousseff lädt Merkel ein

Brasilia (dapd). Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat beim Staatsbesuch von Bundespräsident Christian Wulff konkrete Erwartungen an Deutschland formuliert. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger müsse vorangetrieben und der Studentenaustausch beider Länder erweitert werden. Rousseff lud am Donnerstag in Brasilia Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch in ihrem Land ein, um "die brüderlichen Bande, die zwischen unsern Ländern bestehen, noch weiter auszubauen".

Bildung habe eine enorme Bedeutung für Millionen Brasilianer, die auf den Arbeitsmarkt drängen, sagte Rousseff. Ihr Land wolle insbesondere für Ingenieure und Biologen 75.000 Stipendien bereitstellen. "Einen Teil der Studenten würden wir gerne an deutsche Universitäten entsenden", sagte Rousseff.

Außerdem gelte es, den Einsatz erneuerbarer Energieträger in beiden Ländern voranzutreiben. Rousseff erinnerte daran, dass Brasilien bereits seit mehr als 30 Jahren Ethanol als Biotreibstoff nutzt. "Dies hat keine negativen Auswirkungen auf die Lebensmittelerzeugung gehabt", wies die Präsidentin Bedenken zurück.

Auf wirtschaftlicher Ebene sei Deutschland weiterhin ein entscheidender Partner, sagte die Präsidentin. Bei mittelständischen und kleinen Firmen müssten die Kooperationen aber noch weiterentwickelt werden.

Bundespräsident Wulff zeigte sich nach dem Gespräch mit Rousseff beeindruckt. Er habe bei dem Treffen viel gelernt. Deutschland werde die gemeinsamen Projekte im Detail zum Erfolg führen, insbesondere beim Studentenaustausch. "Unsere Universitäten stehen brasilianischen Studenten offen", sagte er. Dies gelte auch umgekehrt.

Wulff sagte, deutsche Firmen wollten sich zudem an den Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 beteiligen. "Wir wollen beim Ausbau der Stadien dabei sein und wir wollen beim Ausbau der Infrastruktur dabei sein", sagte er. Das Vertrauen, das Rousseff in Deutschland setze, werde von Deutschland gerechtfertigt.

Brasilien sei der wichtigste und einzige strategische Partner der Bundesrepublik in Lateinamerika, sagte der Bundespräsident. Das aufstrebende Schwellenland habe "Stimme und Gewicht in der Welt" und sei bereit globale Verantwortung zu übernehmen.

Die Bundesrepublik will 2013 mit einem Deutschlandjahr in Brasilien für sich werben. Dies werde beide Nationen noch enger miteinander verbinden, sagte Wulff. Dass Rousseff ihn zum Staatsbesuch eingeladen habe, sei eine besondere Geste Brasiliens. Für die Präsidentin Brasiliens war Wulff nach US-Präsident Barack Obama der zweite Staatsbesuch.

Für Freitag sind Termine in Sao Paulo vorgesehen, dem größten deutschen Wirtschaftsstandort außerhalb der Bundesrepublik. Am Samstag will Wulff ein Stahlwerk von ThyssenKrupp in der Nähe von Rio de Janeiro besuchen. Der Essener Konzern hatte in die Hütte mehr als fünf Milliarden Euro investiert. Dann regte sich Widerstand von Umweltschützern. Der Bundespräsident will nun helfen, die Schwierigkeiten zu überwinden.

dapd