Ob Zucker, Kakao oder Weizen – die Rohstoffpreise sind ständig stärkeren Schwankungen unterworfen. Kleine Betriebe leiden da besonders, da sie selten große Mengen auf Vorrat kaufen können. Schuld an den Schwankungen sind unter anderen die Börsenspekulationen auf Lebensmittel.
Jana Tashina Wörrle

Klettern die Preise für Zucker, Kakao, Kaffee und Weizen, so steigt auch die Belastung bei kleinen Konditoreien und Bäckereien stark an. Doch nur wenn diese langfristig planen können und die Preise stabil bleiben, können die Betriebe die höheren Kosten auch an die Verbraucher weitergeben.
Betriebe bleiben auf höheren Kosten sitzen
"Die extremen Schwankungen der Preise machen es für die Betriebe besonders schwierig ihre Ausgaben zu kalkulieren", sagt Jörg Becher, Betriebsberater beim Deutschen Konditorenbund. Kaum eine Konditorei habe ein großes Lager und könne dann, wenn die Preise gerade niedrig sind, große Mengen auf Vorrat kaufen. "Und das wirkt sich natürlich auch auf die gesamte Gewinn- und Verlustrechnung der Unternehmen aus", sagt Becher.
Die starken Preisschwankungen haben die Betriebe in den vergangenen Jahren stark bei Kaffee und Kakao gespürt, seit 2011 wird aber zunehmend auch der Zucker zum Problem. Das Statistische Bundesamt meldete im November, dass Zucker die höchste Jahresveränderungsrate bei den Verbrauchsgütern aufwies (+ 26,5 Prozent). Süßwaren kosteten deshalb im selben Monat 2,4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.
Doch die Preissteigerungen kommen nicht nur durch reale Knappheit oder höhere Transportkosten zustande. Auch die Spekulationen auf Lebensmittel an den Börsen treiben die Preise nach oben. Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) sprechen sich deshalb klar gegen diese Börsengeschäfte aus, bei denen es noch nicht einmal um reale Waren geht, sondern nur um Spekulationen auf fiktive Preise. Der Verband fordert mehr Transparenz an den internationalen Warenterminmärkten. Kontinuierliche Informationen über Lagerbestände und Angaben darüber, welche Akteure sich am Terminmarkt eindecken, müssten allgemein zugänglich sein.
Spekulanten bestimmen den Markt
Aber auch im Handwerk werden die zunehmenden Spekulationen auf Lebensmittel kritisch gesehen. "Heute wird mit solchen Unsummen spekuliert, dass diese nichts mehr mit der realen Wirtschaft zu tun haben", beklagt Konditormeister Klaus Nenninger aus Kassel. Früher waren die Preisschwankungen für ihn noch kalkulierbar. "Gab es beispielsweise bei den Mandeln in einem Jahr eine schlechte Ernte, dann war der Einkauf teuer", erklärt der stellvertretende Obermeister der Konditoren-Innung Nordhessen. Doch heute sei nicht mehr ersichtlich, warum und in welche enormen Höhen die Preise steigen werden. "Der Markt ist heute nicht mehr von den Abnehmern bestimmt, sondern nur noch von Spekulanten", sagt Nenninger.
So kann der Unternehmer beim Einkauf nur in einem begrenzten Rahmen planen. Vor Weihnachten und Ostern kauft er größere Mengen seiner Zutaten ein, in anderen Zeiten muss er die großen Schwankungen so hinnehmen wie sie sind. "Ich kann ja nicht ständig unsere Speisekarten und das Warenangebot komplett ändern, nur weil heute die Nüsse teurer sind und morgen die Schokolade", sagt der Konditormeister.
Studie zeigt Folgen der Spekulationen
Natürlich beobachtet er die Preise, aber die Kunden erwarten eben auch eine große Auswahl. "Oft gleichen sich die Kosten für die Produkte ja gegenseitig aus", erklärt er. So zahle er in der Theorie manchmal beim Gebäck drauf und hole die Kosten – wenn möglich – beim Kaffee wieder rein oder er müsse darauf hoffen, dass die Preise beim nächsten Einkauf wieder gefallen sind. Die Spekulationen auf Nahrungsmittel und Rohstoffe nennt er "alles andere als einen wünschenswerten Zustand", wirklich Einfluss nehmen kann er jedoch nicht.
Noch einen Schritt weiter bei der Kritik geht die Organisation Foodwatch. Sie hat im vergangenen Herbst eine Untersuchung zu diesem Thema veröffentlicht und schreibt, dass allein im Jahr 2010 die Nahrungsmittelpreise weltweit um 40 Prozent gestiegen seien. Gleichzeitig hätten bis Ende März 2011 Kapitalanleger 600 Milliarden Dollar in Papiere für Wetten mit Rohstoffen, darunter Mais und Weizen, investiert. In der Studie, die den Namen "Die Hungermacher" trägt, macht Foodwatch auch auf die Folgen dieser Spekulationen aufmerksam. So würden durch die steigenden Preise immer mehr Menschen an Hunger leiden – weltweit rund eine Milliarde. Unter foodwatch.de ruft die Organisation zu einer Mitmach-Aktion als Protest gegen die Spekulationen auf.
Eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011 hat ergeben, dass 84 Prozent der Bundesbürger Spekulationen auf Lebensmittel für "nicht akzeptabel" halten. 66 Prozent erwarten sogar, dass die Banken aus diesen Geschäften aussteigen – schließlich geht es hier um mehr als nur um die Profite der einzelnen Spekulanten. Foodwatch hält diese Art von Börsengeschäften für ausschlaggebend für Hungersnöte und das Leid vieler Menschen in armen Regionen dieser Erde.