Kommentar Rohstoffknappheit geht alle an

Europa braucht eine vorausschauende Politik in der Rohstofffrage. Das fängt mit einem schonenden Umgang an. Kommentar von Hajo Friedrich

Rohstoffknappheit geht alle an

Alles hat ein Ende, auch die Rohstoffe. Wir spüren das bei den fossilen Brennstoffen bereits an den Tankstellen in Form höherer Benzinpreise. Auch die Knappheit der für unser Wirtschaftsleben wichtigen Rohstoffe ist eine Realität, der wir uns heute und in den kommenden Jahren stellen müssen. Das erfordert nicht nur neue Ideen und Verfahren. Gefragt ist auch der Rückgriff auf alte, rohstoffsparende Verfahren. Das ist die große Chance des Handwerks. Im Gegensatz zur Industrie, die vor allem auf Neues setzt, verfügen die Handwerksunternehmen noch über Wissen und Technik, aus Altem Neues zu machen.

Enger Zusammenhang zwischen Weltmarkt und Handwerk

Ja, es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Weltmarkt und Handwerk. Mögen Konjunkturprobleme auch kurzfristig, wie in der vergangenen Woche, die Rohstoffpreise drücken. Der Trend ist klar: Die sogenannten Schwellenländer – wie China, Indien, Brasilien – eifern uns auch weiterhin unter Hochdruck nach und wachsen kräftig in Produktion und Verbrauch. Das globale Gerangel um die knappen Rohstoffe dürfte nicht nur zu höheren Preisen, sondern möglicherweise auch zu scharfen Konflikten führen. Der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz hat recht, wenn er Handlungen zur Bewältigung der Rohstoffprobleme als mindestens genauso dringlich einstuft wie beherztes Vorgehen gegen die vielbeschworene Klimakatastrophe.

Umso wichtiger ist es, die Anstrengungen zu erhöhen, mit den knappen Ressourcen besser umzugehen. Da können und müssen alle – Verbraucher, Handwerk und Industrie – viel mehr tun und kreativer werden. Denn Fakt bleibt: Europa ist traditionell arm an Rohstoffen und auf Einfuhren angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass Europa eine vorausschauende Rohstoffpolitik betreibt. Gefragt ist eine kluge Politik der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit.

Aber Rohstoffpolitik fängt schon zuhause an – etwa im schonenden Umgang mit Produkten. Das Potenzial, die bereits in Waren und Gütern eingesetzten Wertstoffe nach ihrem Gebrauch wiederzuverwerten, ist noch längst nicht ausgeschöpft. Eine Kehrtwende ist erst dann möglich, wenn in allen Köpfen die Erkenntnis angekommen ist, dass wir auf kluge Recyclingverfahren angewiesen sind, um Wertstoffe wieder nutzen zu können. Nur das macht uns unabhängiger vom Markt.