Rohstoffe: Knapp und teuer

Weizen, Kupfer, Stahlschrott: Die Rohstoffpreise wachsen derzeit in den Himmel, zum Leidwesen der Industrie. Die Preissteigerungen drücken auch auf die Margen von Handwerksbetrieben. Sie müssen vorausschauend einkaufen.

Burkhard Riering

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Rohstoffe: Knapp und teuer

Rekorde sind nicht immer etwas Erfreuliches. Wenn die Rohstoffpreise von Rekord zu Rekord rasen, können sich nur die wenigsten darüber freuen. Vielmehr leiden Industrie, Mittelstand und Handwerksfirmen darunter enorm. Die Beratungsgesellschaft Simon Kucher & Partners sieht die stetigen Steigerungen schon als größtes Risiko für die mittelständische Wirtschaft in diesem Jahr an.

Siegfried Huhle kennt das Problem zur Genüge. Der Chef von Huhle Stahlbau in Wiesbaden und seine Einkäufer schauen täglich auf die Einkaufspreise, um den Steigerungen und Schwankungen Herr zu werden. Huhles Lager sind derzeit gut gefüllt. „Wir rechnen damit, dass die Preise in diesem Jahr noch einmal nach oben gehen. Aber ewig können die Stahlkonzerne die hohen Preise nicht halten“, sagt Huhle, der sein Rohstoffwissen auch im Vorstand der Handwerkskammer Wiesbaden einbringt.

Was an den Weltbörsen derzeit passiert, schlägt hierzulande auf viele Handwerker durch: Bäcker, Müller und Privatbrauer müssen für Weizen so viel zahlen wie noch nie. Gebäudereiniger legen für Reinigungsmittel wesentlich mehr hin wegen der gestiegenen Phosphatpreise. Metall verarbeitende Betriebe müssen für Kupfer oder Aluminium immer tiefer in die Tasche greifen. Und der Goldschmied muss ob des historisch hohen Goldpreises ganz neu rechnen.

Weizenpreise: Ein hartes Brot

Die Bäckerbranche steht in Rohstoffsachen schon lange unter Druck. Mal ist es das Obst, das sie für Füllungen brauchen, mal sind es Zutaten wie Butter, die im Preis steigen. Gegenwärtig schockt sie der Weizenpreis, der kein Halten kennt: Ein Scheffel (ca. 27 kg) kostet derzeit etwa 8,40 US-Dollar so viel wie seit 2008 nicht mehr.

Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, kann sich daher vorstellen, dass Bäcker im laufenden Jahr versuchen werden, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben. Doch der harte Wettbewerb mit Discountern und dem Lebensmitteleinzelhandel mache das nicht gerade einfacher. Mehr Insolvenzen von Bäckereien befürchtet Werner deswegen aber nicht.

Die weltweite Nachfrage nach Weizen ist inzwischen höher als die Produktion. Laut der Welternährungsorganisation FAO ist das Angebot auf 650 t gesunken, die Nachfrage liegt aber bei 670 t. Das hat drei Gründe: Erstens mehrere Naturkatastrophen, die zu Ernteausfällen führten, zweitens ein verstärkter Anbau von Rohstoffen für Bioenergie, drittens die Spekulanten, die mit Agrarrohstoffen ihre Spielchen treiben. Daher ist es laut Analysten auch wahrscheinlich, dass Weizen weiterhin teuer bleibt.

Metalle: Ein rares Gut

Handwerksbetriebe aus der Metallbranche brauchen in diesen Tagen gar nicht erst auf frohe Kunde zu warten: „Wegen akuter Angebotsengpässe“, so heißt es, blieben viele Metalle teuer. Das hat zuletzt vor allem Kupfer auf ein Rekordniveau getrieben. Hier rechnen Analysten allein für 2011 mit einem Angebotsdefizit von 700.000 bis 800.000 t. Das Industriemetall ist wegen seiner breiten Verwendung im Bau und zur Produktion elektrischer Geräte höchst begehrt. Aber auch Zinn, Nickel oder Aluminium werden stark nachgefragt und dadurch immer teurer. Der Preis von Stahlschrott etwa hat sich binnen der vergangenen zwölf Monate nahezu verdoppelt.

Dass Spekulanten Metalle als lukratives Anlageziel entdeckt haben, macht die Sache noch schwieriger. „Weltweite Spekulation hat ein größeres Gewicht bekommen“, beklagt Stahlverarbeiter Huhle. Und die Unternehmen bleiben auf den Kosten sitzen. „Das drückt auf die Marge.“

Rohöl: Ein teurer Stoff

Dass die Benzinpreise seit Monaten steigen und steigen, macht Betrieben schwer zu schaffen, die viel auf der Straße unterwegs sind. Für die Handwerker stellen die Preiserhöhungen eine immense Mehrbelastung dar, weil sie in den meisten Fällen die gestiegenen Ausgaben nicht umlegen können. Laut einer Umfrage der Handwerkskammer Potsdam sieht sich mehr als die Hälfte der Firmen nicht in der Lage, die Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Wettbewerb lasse kaum Spielraum.

Das Rohöl (Brent) kostet gegenwärtig mehr als 100 US-Dollar je Barrel (159 l), und die Tendenz ist steigend. Die Gründe sind nur zu bekannt: Die zunehmende Nachfrage weltweit ist schuld daran. Vor allem der unbändige Rohstoffhunger der Asiaten macht das Öl zum „schwarzen Gold“. Und die Mineralölkonzerne wissen die Situation zu ihren Gunsten auszunutzen.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) befürchtet wegen hoher Benzinpreise sogar eine Pleitewelle etwa unter kleinen Montagebetrieben am Bau, bei denen tägliche Anfahrten besonders ins Gewicht fallen. „Zehntausende Betriebe verkraften den Kostenschub nicht und geraten in Existenznot“, schätzte BVMW-Präsident Mario Ohoven Ende Januar. Betriebe mit mehreren (älteren) Fahrzeugen würden obendrein vom Staat kräftig zur Kasse gebeten. Der Steueranteil in Deutschland sei schon extrem hoch, jetzt kämen noch Umrüstungen des Fuhrparks wegen neuer Umweltgesetze hinzu.