Ökonomen befürchten höhere Zinsen für Deutschland Rösler gegen Anleihekauf durch Rettungsschirm und Euro-Bonds

Zwei Tage vor dem EU-Sondergipfel zu Griechenland haben sich in Deutschland die Gegner von stärkeren Hilfen und Euro-Bonds in Stellung gebracht. Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) sprach sich gegen einen Kauf griechischer Staatsanleihen durch den Rettungsschirm EFSF aus. Auch die Ausgabe von Euro-Bonds lehnte er ab. Ähnlich äußerten sich verschiedene Ökonomen.

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Rösler gegen Anleihekauf durch Rettungsschirm und Euro-Bonds

Berlin (dapd). Zwei Tage vor dem EU-Sondergipfel zu Griechenland haben sich in Deutschland die Gegner von stärkeren Hilfen und Euro-Bonds in Stellung gebracht. Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) sprach sich gegen einen Kauf griechischer Staatsanleihen durch den Rettungsschirm EFSF aus. Auch die Ausgabe von Euro-Bonds lehnte er ab. Ähnlich äußerten sich verschiedene Ökonomen. Dagegen rechnet der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, vor, Deutschland habe in der Euro-Schuldenkrise einen zweistelligen Milliardenbetrag eingespart.

Rösler sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der EFSF-Schirm dürfe "nicht zum Gläubiger griechischer Staatsanleihen werden, indem er solche Anleihen auf dem Sekundärmarkt selbst kauft". An einer Krisenlösung beteiligt werden sollten vor allem private Gläubiger. Auch wenn auf dem Euro-Sondergipfel "eine Feuerwehraktion notwendig sein sollte: Zentrale Positionen müssen gewahrt bleiben, so, wie sie der Deutsche Bundestag festgelegt hat", sagte Rösler. "Euro-Bonds und damit eine Gesamthaftung Deutschlands für nationale Defizite anderer Staaten darf es nicht geben."

Ökonomen warnten vor steigenden Zinskosten für Deutschland durch eine Vergemeinschaftung der Schulden. "Es ergäben sich hohe Zusatzkosten für den Staatshaushalt, die daraus herrühren, dass Deutschland höhere Marktzinsen für die Euro-Bonds zahlen müsste", sagte der Konjunkturforscher Kai Carstensen vom Ifo-Institut der "FAZ". Die Differenz zwischen der Rendite der deutschen Bundesanleihe und der eines Eurobonds schätzte Carstensen auf 1,2 Prozentpunkte. Je nach Schulden würde Deutschland durch Eurobonds mit zusätzlichen Zinskosten von 18 bis 25 Milliarden Euro belastet.

Der Finanzwissenschaftler Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet dagegen mit einem geringeren Renditeunterschied. Er schätzt einen Aufschlag für Eurobonds von 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Der deutsche Fiskus würde mit etwa zehn Milliarden Euro belastet.

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, bezeichnete eine Umschuldung Griechenlands mit Verbleib im Euroraum als "GAU". "Bleibt Griechenland danach Mitglied in der Währungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung bei der EZB vertrauen, ist das Ende der Währungsunion eingeläutet", sagte Issing der "FAZ". "In Griechenland würden so gut wie alle Reformbemühungen eingestellt."

Der Bremer Ökonom Hellmeyer legte dagegen ganz andere Berechnungen vor. "Durch die um rund 1,5 Prozent geringeren Refinanzierungskosten für deutsche Staatsanleihen in den letzten 18 Monaten hat Deutschland rund 18 Milliarden Euro eingespart", sagte Hellmeyer dem "Weser-Kurier".

Rechne man auch noch das höhere Wachstum und die niedrigen Zinsen dazu, komme man auf eine Summe von weit über 20 Milliarden Euro. "Deutschland ist also der größte Nutznießer der europäischen Schuldenkrise", sagte Hellmeyer. Kein anderes Land habe von der Krise mehr profitiert.

Die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen sanken am Dienstagmorgen. Zehnjährige italienische Bonds warfen 0,173 Prozentpunkte weniger ab als am Vortag und brachten noch 5,796 Prozent. Spanische Anleihezinsen notierten 0,129 Prozentpunkte niedriger und brachten noch 6,187 Prozent. Beide Zinswerte hatten am Vortag so hoch gestanden wie nie zuvor in den vergangenen fünf Jahren.

dapd