Risiko Inflation

Manche Experten warnen bereits vor dem Schreckgespenst Stagflation

Von Lothar Semper

Risiko Inflation

Eine Wortschöpfung, die zuletzt in den 70er Jahren bei uns die Runde machte, wird derzeit wieder als Schreckgespenst an die Wand gemalt. Die Rede ist von der Stagflation, also dem gleichzeitigen Auftreten von Stagnation – sprich wirtschaftlichem Stillstand – und Inflation. Was die Inflation betrifft, so sollten wir uns durchaus Sorgen machen. In Deutschland stieg die Preissteigerungsrate auch im Juni weiter an. Sie beträgt aktuell 3,3 Prozent. In der Eurozone lag die Teuerungsrate sogar bei vier Prozent. In den Euroländern ist im Mai auch erstmals seit drei Jahren die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen.

Bedenkliche Indikatoren

In Deutschland kann davon zwar noch nicht die Rede sein. Hier setzten sich im Juni sowohl der Rückgang der Arbeitslosigkeit wie auch die Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen fort. Hinsichtlich des Wirtschaftswachstums allerdings mehren sich auch bei uns die skeptischen Stimmen. Die aktuelle Entwicklung gibt also zu Sorgen Anlass. Und manches wird in unserer Volkswirtschaft durch den nach wie vor florierenden Export überdeckt. Die Reaktion der Europäischen Zentralbank, den Leitzins zu erhöhen, ist verständlich, wenn es darum geht, die Inflation zu bekämpfen. Aber sie birgt auch die Gefahr, Kapital für Investitionen zu verteuern und damit das Wachstum zu bremsen.

Schlechte Stimmung

Mittlerweile ist wohl die Stimmung schon deutlich schlechter als die Lage. 85 Prozent der Deutschen sind angesichts der Entwicklung der Preise erheblich verunsichert. Und auch im Mittelststand greift die Existenzangst um sich. Nicht wenige Betriebsinhaber befürchten angesichts der hohen Kostenbelastung bereits das Aus für ihren Betrieb. Ihnen wird es wenig Trost sein, wenn sie aus Politikermund hören, die deutsche Wirtschaft sei robust genug, das auszuhalten. Wer solches von sich gibt, kennt schlichtweg seine Wirtschaft nicht. Was für exportierende Betriebe noch tolerabel sein mag, ist es für Betriebe, die vom Binnenmarkt abhängen, schon lange nicht mehr. Dieses Signal scheint leider auch bei Bundesfinanzminister Steinbrück noch nicht angekommen zu sein, der kürzlich den Bundeshaushalt 2009 und den Finanzplan bis 2012 vorlegte. Sein Stolz auf einen schuldenfreien Haushalt 2011 könnte sehr schnell dahin sein, wenn die Wirtschaft bis dahin einbricht und die Steuereinnahmen zurückgehen. Hier wäre intelligentes, nicht nur buchhalterisches Haushalten gefragt.