Nach dem Scheitern des Milliarden-Hilfspakets für die Autoindustrie nehmen die Sorgen um die Zukunft der General-Motors-Tochter Opel zu. Autoexperte Dudenhöffer hält einen Anschlusskonkurs für möglich.
Rettungsplan für US-Autobranche gescheitert
Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, sagte dem Radiosender MDR Info, die Chancen für die US-Autobauer seien "hauchdünn". Man müsse damit rechnen, "dass General Motors noch vor Weihnachten in Konkurs geht".
Die Verhandlungen des US-Senats über den 14-Milliarden-Dollar-Rettungsplan für die Autoindustrie des Landes waren am Donnerstagabend (Ortszeit) gescheitert. Demokraten und Republikaner konnten sich im Senat Medienberichten zufolge nicht auf einschneidende Lohnkürzungen für die Beschäftigten in der Branche einigen.
GM Europe teilte mit, es würden weiter alle Schritte zu einer "aggressiven" Senkung der Kosten unternommen. Da die Situation weiter "kritisch" sei, suche das Management zudem nach Optionen, um das Geschäft zu restrukturieren und zu stabilisieren. Dabei führt GM Europe nach eigenen Angaben Gespräche mit Arbeitnehmervertretern sowie der Europäischen Union.
In Deutschland verhandle GM Europe weiter mit der Regierung über eine staatliche Garantie. Wie von der Bundesregierung vor einigen Wochen in Aussicht gestellt, seien in der nächsten Zukunft Fortschritte bei den Gesprächen zu erwarten, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens weiter.
Der Vorsitzende des europäische GM-Arbeitnehmerforums, Klaus Franz, erklärte, trotz der Ablehnung des Rettungspakets für die US-Automobilindustrie gebe es Perspektiven für Opel. Vor dem Hintergrund der ungewissen Zukunft von GM seien die Beschäftigten in Europa wie in der Vergangenheit dazu bereit, ihren Beitrag für die Zukunftssicherung des Unternehmens zu leisten, erklärte Franz. Mit der in Aussicht gestellten Bürgschaft sei die finanzielle Zukunft des Unternehmens auch weiterhin gesichert.
Der Sprecher der Bundesregierung, Thomas Steg, sagte, die Regierung könne in Sachen Opel "sehr schnell handeln", sobald es Klarheit über den tatsächlichen Bedarf gebe. Zu der Forderung, dass der Mutterkonzern nicht von den Bürgschaft profitieren dürfe, sagte Steg, in Gesprächen habe sich ergeben, "dass es an dieser Bedingung nicht scheitern würde".
Derweil berichtete das Magazin "Auto Motor und Sport" unter Berufung auf interne Unterlagen der IG Metall, dass in der Gewerkschaft darüber diskutiert werde, dass die Mitarbeiter Einbußen beim Einkommen hinnehmen, um das von GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster genannte Einsparziel von 750 Millionen Dollar und eine Reduzierung der Personalkosten um zehn Prozent zu erreichen. Umgekehrt würden sich die Mitarbeiter über eine Beteiligungsgesellschaft an der Opel GmbH beteiligen. Voraussetzung sei allerdings die Trennung der Finanzströme zwischen Europa und den USA.
Der Chef der Fraktion Die Linke im Bundestag, Oskar Lafontaine, forderte die Bundesregierung auf, umgehend einen Notfallplan für Opel vorzulegen. Es stünden viele Tausend Arbeitsplätze in den Opel-Werken und bei den Zulieferern auf dem Spiel.
Michael Wojtek/ddp