Respekt vor der Geschichte und Mut zur Moderne

Ob historisch oder neu, das Büro des Chefs muss sich in das Gebäudeensemble einfügen

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    Rustikales Ambiente: Dunkel gebeizte Eiche bestimmt das Büro von Thomas Malcherek im Erfurter Gildehaus. Foto: Türk
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    Moderne Ausstattung: Schlicht, aber funktional und lichtdurchflutet, zeigt sich das Büro von Rainer Reichhold in Stuttgart. Foto: Kistenfeger

Respekt vor der Geschichte und Mut zur Moderne

Die Einrichtung eines repräsentativen Büros kann nicht abgekoppelt vom Gebäude, in dem es sich befindet, geschehen. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat mit Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, und Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, zwei Führungspersönlichkeiten der Handwerksorganisation befragt, was ihnen bei der Ausstattung ihres Büros wichtig war.

Die Häuser beider Kammern könnten unterschiedlicher nicht sein. In Stuttgart handelt es sich um einen im Jahr 2005 fertiggestellten Neubau, der das alte Kammergebäude von 1962 ersetzt. Die Erfurter Kammer residiert im historischen Gildehaus, dessen Restaurierung im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde.

DHZ: Worauf haben Sie bei der Einrichtung Ihres Büros besonderen Wert gelegt?

Thomas Malcherek: Ich habe hier vor eineinhalb Jahren als Hauptgeschäftsführer dieses Büro von meinem Vorgänger übernommen. Man muss wissen, dass der Sitz der Handwerkskammer Erfurt das Gildehaus in Erfurt ist. Der ältere Gebäudeteil, das Haus „Zum breiten Herd“, stammt aus der Renaissance und wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. Unser „Neubau“, das Haus „Zum Stötzel“, entstand als Anbau 1882. Beide prägen mit ihrer imposanten Fassadengestaltung das mittelalterliche Stadtbild Erfurts. Beide Gebäude werden seit 1925 von der Handwerkskammer genutzt, aus Lager- und Wohnräumen sind Büros entstanden. Alle Handwerker, die seither in der Handwerkskammer Verantwortung trugen, haben mit viel Bedacht auch die Innenräume erhalten.

Ende des 19. Jahrhundert entstanden große Teile der Innenausstattung mit Kassettendecken und Wandverkleidungen durch den Erfurter Tischlermeister Gellrich, die heute noch die Räume prägen. Arbeiten des Holzbildhauermeisters Adolf Görcke kamen in den 50er Jahren dazu. Aus dieser Zeit stammt auch das Interieur meines Büros mit Vitrinenschrank und Schreibtisch aus dunkel gebeizter Eiche. Ein weiteres prägendes Element ist der Kachelofen am Eingang des Büros.

Die Räume haben nicht nur eine lange Historie, sondern erzählen auch viele Geschichten. Deshalb können mögliche Veränderungen nur mit großer Sorgfalt und Respekt vor der Geschichte des Hauses vorgenommen werden. Dies haben meine Vorgänger so gehalten und so halte ich es auch.

Rainer Reichhold: Wichtig in unserem neuen Gebäude waren zwei Aspekte: Ein funktioneller Arbeitsplatz mit einem Schreibtisch, der trotz seiner schlichten Ausführung allen Ansprüchen genügt. Ein Anschluss an die IT-Technik und genügend Stauraum gehören selbstverständlich dazu. Dann eine Besprechungssituation für größere Gruppen, bei der am Tisch genügend Platz für Unterlagen und Technik ist. Außerdem haben wir für persönlichere Gespräche eine Sitzecke. Hier ist kein störender Tisch als Barriere zwischen den Gesprächspartnern. Das helle Birkenholz an den Wänden und beim Mobiliar wirkt sehr freundlich. Hier hat unser Schreinerhandwerk eine Meisterleistung vollbracht.

DHZ: Was trägt neben dem Mobiliar noch zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre bei?

Thomas Malcherek: Die gesamte Handwerkskammer hat eine ganz besondere Aura. Unsere Gäste und Mitglieder betreten ein Haus mit langer Geschichte. Wir haben in den letzten Jahren dort, wo es technisch und ästhetisch möglich war, moderne Komponenten integriert, beispielsweise am Empfang. Der Zentralbereich von Präsident, Hauptgeschäftsführer und Sekretariat wurde aufgrund seiner bauhistorischen Bedeutung nicht wesentlich verändert. Damit haben wir die warme Atmosphäre erhalten, in der sich auch die Besucher schnell wohlfühlen können. Die Anordnung der Büros, die seit ihrer ursprünglichen Nutzung kaum verändert wurden, erlaubt ein Arbeiten auf kurzen Wegen.

Rainer Reichhold: Optimales Licht zum Arbeiten und indirekte Beleuchtung für Besprechungen sind wichtig. Auch für heiße Sommertage sind wir mit einer intelligenten Bauwerkskühlung gut gerüstet. So haben wir angenehme Temperaturen und zugfreie Büros im ganzen Haus. Besucher sind immer wieder beeindruckt von den großen Fenstern, die einen hellen Raum garantieren, und unseren Glastüren. Sie sorgen für Transparenz.

DHZ: Welche Rolle spielt die Kunst bei Ihrer Büroeinrichtung?

Thomas Malcherek: Da mein Büro mit Erker und zwei Eingangstüren sehr verwinkelt und zudem nicht besonders groß ist, bleibt kaum Platz für Kunst. Entschädigung bietet mir die großartige Handwerkskunst, die reichgeschnitzten Schränke, Schrankwände und Eingangstüren, die Kassettendecken oder das Deckengemälde der schwebenden Göttin Flora im Büro meines Stellvertreters oder auch die aus Sandstein gehauene Wendeltreppe. Wir haben in unserer Handwerkskammer so viele Kostbarkeiten, da braucht es keine Extrakunst.

Rainer Reichhold: Da in einem modernen Büro Aktenordner eine untergeordnete Rolle spielen, haben wir Pflanzenarrangements und moderne Gemälde im Raum. Sie bringen Atmosphäre, sind Blickfang und haben etwas Motivierendes. dhz