"Rente mit 63": Teilrente als Alternativvorschläge Rentenplan verschärft Personalprobleme

Durch die "Rente mit 63" werden allein für 2014 bis zu 100.000 zusätzliche Frührentner erwartet. Die Teilrente steht als Alternativvorschlag im Raum.

Karin Birk

Andrea Nahles hält an ihrem Rentenpaket fest. - © picture alliance / dpa / Daniel Naupold

Die abschlagsfreie "Rente mit 63" kostet das Handwerk nicht nur viel Geld. Sie erschwert auch die Personalpolitik. "Die 'Rente mit 63' wird in vielen Betrieben die Personalprobleme verschärfen", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. Dabei würde das Handwerk angesichts des bestehenden Fachkräftemangels und des demografischen Wandels seine Mitarbeiter lieber länger beschäftigen. Eine solche "Rolle rückwärts" könne sich das Handwerk nicht leisten, so Wollseifer.

Laut einer Strukturumfrage im Handwerk von 2013 sind rund acht Prozent der Mitarbeiter im Handwerk – etwa 400.000 Personen – älter als 60 Jahre. Wie viele von ihnen die abschlagsfreie "Rente mit 63" - tatsächlich in Anspruch nehmen, ist nach Ansicht des Handwerksverbandes aber schwer abzuschätzen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles lässt sich von ihren Plänen, die sie bis zum Sommer umsetzen will, derweil nicht abbringen. Nach 45 Jahren dürfe man nicht mit Abschlägen bestraft werden, betonte sie.

100.000 neue Frührenter erwartet

Die Bundesregierung rechnet wegen der neuen "Rente mit 63" in diesem Jahr mit rund 50.000 zusätzlichen Frührentnern. Von den rund 200.000 Arbeitnehmern, die nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr von der "Rente mit 63" voraussichtlich Gebrauch machten, wären drei Viertel auch mit Abschlägen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Dies geht aus einer Stellungnahme des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Der Finanzwissenschaftler Reinhard Schnabel von der Universität Essen-Duisburg geht nach seinen Berechnungen von deutlich mehr aus. "Ich halte die Zahl von 100.000 für realistischer", sagte Schnabel der Deutschen Handwerks Zeitung. Darüber hinaus werde die Zahl mit dem Näherrücken der geburtenstarken Jahrgänge noch weiter steigen, warnte er.

Verschärft werden könnte das Problem auch dadurch, dass nach dem Gesetzentwurf auch Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I in die Berechnung einbezogen werden. Dies könnte der eine oder andere dazu nutzen, schon mit 61 seine Arbeit aufzugeben und vom Arbeitslosengeld zu leben.

Für die Wirtschaft ist das eine fatale Fehlentwicklung: "Das würde uns sehr viel kosten", sagte Wollseifer und lehnt dies vehement ab. Viel eher müsste die bestehende Regelung zur Teilrente reformiert werden.

Bei der Teilrente könnten mit höheren Hinzuverdienstgrenzen die Betriebe ältere Mitarbeiter länger beschäftigen. Auch sollte man Mitarbeiter darauf hinweisen, dass sie durch eine längere Beschäftigung bis zum 65. Lebensjahr ihre spätere Rente verbessern könnten.

Im Durchschnitt macht dies nach Ansicht Schnabels allerdings auch nicht mehr als 50 Euro im Monat aus.