Alkoholfreies Bier ist beliebter denn je. In einem Bericht der Boulevardpresse wurde ihm kürzlich allerdings unterstellt, das Diabetes-Risiko zu erhöhen. Der Deutsche Brauer-Bund wehrt sich gegen diese Aussage und die reißerische Darstellung. Alkoholfreies Bier mit Wasser zu vergleichen, sei unseriös.

Sommer, Sonne, Grillen und gerne ein Bier dazu – oftmals darf es auch alkoholfrei sein. Denn alkoholfreie Biere sind gefragter denn je. In den vergangenen Jahren haben sie stark an Beliebtheit gewonnen – nicht zuletzt bei Sportlern, die sie wegen ihrer isotonischen und mineralischen Eigenschaften schätzen. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds (DBB) hat sich deshalb auch die Produktionsmenge von alkoholfreiem Bier und alkoholfreien Biermischgetränken in den vergangenen zwanzig Jahren von 329 Millionen Litern in 2004 auf rund 700 Millionen Liter im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Im Handel macht diese Getränkekategorie bereits neun Prozent aller Biere aus.
Dennoch möchte der DBB nun den Ruf der alkoholfreien Biere verteidigen bzw. eine Schlagzeile geraderücken, die durch die Medien ging. Mitte Juni 2025 erschien in der Boulevardpresse die Meldung "Alkoholfreies Bier erhöht Diabetes-Risiko". Darin erwähnt ist eine neue Studie der Ruhr-Universität Bochum. Sie hat untersucht, wie sich der Konsum von alkoholfreiem Bier und Mischgetränken mit alkoholfreiem Bier auf den Blutzuckerspiegel auswirkt.
Alkoholfreies Bier: Der Vergleich zu Wasser hinkt
Nachdem die Schlagzeile durch die Boulevardpresse gegangen war, griffen auch andere Medien das Thema auf – und das mit einem falschen Tenor. Die Studienergebnisse, die Grundlage der Berichterstattung waren, wurden nach Angaben des DBB vereinfacht und sehr einseitig dargestellt. Der Verband reagierte mit einer Pressemitteilung. "Wir haben uns zu Wort gemeldet, weil wir es nicht zulassen können, dass ein hochwertiges Produkt wie alkoholfreies Bier durch eine unseriöse Studie und reißerische Berichterstattung in Misskredit gebracht wird", sagt dazu Nina Göllinger, Pressesprecherin des DBB.
Die Kritik richtet sich einerseits gegen die Darstellung in der Presse, als auch gegen die Studie, die einen wenig aussagekräftigen Vergleich beschreibt. Außerdem wurden darin ausschließlich junge, gesunde Männer untersucht. Die Gesamtzahl lag dabei nur bei 44 Teilnehmer. Verglichen hat man die Werte der Probanden nach dem Konsum von alkoholfreien Bieren und Mischgetränken mit den Werten, nachdem Vergleichspersonen lediglich Wasser zu sich genommen hatten. "Es bleibt das Geheimnis der Universität, weshalb für diese Studie nur rund 40 Personen ausgewählt wurden und weshalb es sich dabei nur um junge Männer gehandelt hat, weshalb ihre sonstigen Ernährungsgewohnheiten nicht einbezogen und auch sonst viele wichtige Einflussfaktoren ausgeklammert wurden", erklärt Nina Göllinger. Dass alkoholfreie Biere als Naturprodukte, gebraut aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe, eine andere Energiebilanz haben als pures Wasser, sei selbstverständlich. "Dazu bedarf es keiner Studie", sagt sie.
Alkoholfreies Bier: "Diabetes-Risiko ist eine Unterstellung"
In der Studie wurden alkoholfreie Biere in drei Kategorien untersucht: alkoholfreies Weizenbier, alkoholfreies Pilsener und alkoholfreie Mischgetränke. Dabei schauten die Forscher darauf, wie sich die Getränke auf den Stoffwechsel und die Blutzuckerwerte auswirken. Die Ergebnisse zeigen, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Konsum der Getränke aller drei Kategorien ansteigt und sich anders als beim Trinken von Wasser verhält. Das ist jedoch ein typisches Verhalten, das nach dem Konsum von zucker- beziehungsweise kohlenhydrathaltiger Getränke auftritt. Grundsätzlich kann sich das Risiko für Diabetes erhöhen, wenn der Blutzuckerspiegel schnell ansteigt.
Für den DBB steht allerdings fest: "Die Testergebnisse fallen für jedes der drei nicht näher benannten Biere anders aus und ergeben kein schlüssiges Gesamtbild, sodass allgemeine Aussagen für die Kategorie der alkoholfreien Biere auf dieser Basis sicher nicht getroffen werden können." Dieser Umstand halte die Boulevardzeitung leider nicht davon ab, ein angebliches "Diabetes-Risiko" zu unterstellen. "In der Studie selbst gibt es hierfür keinen Beleg, denn sie lässt völlig offen, ob die gemessenen Werte bei den Testpersonen klinisch relevant sind oder innerhalb des normalen Bereiches liegen", heißt es in der Stellungnahme des Verbands.