Tilo Schüssler ist der Erste im Bundesfreiwilligendienst Rehasport statt Truppendrill

Vor einer Woche kam der Anruf, der dem Abiturienten Tilo Schüssler zu einer gewissen Berühmtheit verhalf. Er sei der erste Ehrenamtliche im Bundesfreiwilligendienst, erfuhr der 18-Jährige. "Ich war total aufgeregt." Schüssler wird ab Montag (4. Juli) ein Jahr im Berliner Sport-Gesundheitspark arbeiten, wird dort mit jungen und älteren Menschen Rehabilitationsübungen absolvieren.

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Rehasport statt Truppendrill

Berlin (dapd). Vor einer Woche kam der Anruf, der dem Abiturienten Tilo Schüssler zu einer gewissen Berühmtheit verhalf. Er sei der erste Ehrenamtliche im Bundesfreiwilligendienst, erfuhr der 18-Jährige. "Ich war total aufgeregt." Schüssler wird ab Montag (4. Juli) ein Jahr im Berliner Sport-Gesundheitspark arbeiten, wird dort mit jungen und älteren Menschen Rehabilitationsübungen absolvieren. Dafür verlässt er erstmals seine Heimat in Aurich an der Nordsee.

Der von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) begründete Bundesfreiwilligendienst löst den Zivildienst ab, der mit der Aussetzung der Wehrpflicht abgeschafft wurde. "Ehre statt Pflicht" heißt das neue Motto - und so sollen Menschen jeden Alters ab sofort freiwillig ihrem Land dienen.

Schüssler trägt ein Sweatshirt und kurze Hosen, nippt an seiner Cola. Der Abiturient wollte nach der Schule erst einmal eine "Lernpause" einlegen, erzählt er. Danach will er Sportwissenschaften mit den Schwerpunkten Prävention und Rehabilitation studieren. Seit vielen Jahren spielt Schüssler Fußball, leitete Jugendgruppen an und wurde schließlich Breitensport-Trainer. Nebenbei geht er Windsurfen und springt auf dem Großtrampolin.

"Eigentlich wäre ich auch gern zur Bundeswehr gegangen", sagt Schüssler. Das Militär hatte ihm einen Werbebrief für den Freiwilligen Wehrdienst geschickt. Bereits sein Vater Klaus hatte sich zwei Jahre lang der Armee verpflichtet, erst im Wehrdienst, dann als Infanterist.

Der Ostfriese meldete sich daraufhin beim Kreiswehrersatzamt in Oldenburg. Dort habe man ihm aber gesagt, wenn er sich für zwölf Monate verpflichte, müsse er auch mit einem Einsatz in Afghanistan rechnen. Ein Kampfeinsatz war dem Hobbysportler dann doch zu heikel. Die ganze Wehrreform sei "ein ziemliches Chaos" gewesen, findet er.

Also suchte Schüssler im Internet nach Alternativen. Beim neuen "Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben", unter der Rubrik "Sport", fand er seine neue Aufgabe. So ein Bundesfreiwilligendienst, das sei doch genau das Richtige, findet auch Vater Klaus Schüssler. "Der Name ist gut gewählt, er zeigt, dass man etwas für sein Land tut", sagt der 54-Jährige.

Anders als der junge Mann interessieren sich bislang nur Wenige für das Ehrenamt. Bis Ende Juni meldeten die großen Sozialverbände jeweils nur einige Hundert Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst. Beim Paritätischen Gesamtverband waren es 650 - einst gab es dort 18.000 Plätze für den Zivildienst und 6.000 für die Jugendfreiwilligendienste.

Tilo Schüssler vermutet, dass der Bundesfreiwilligendienst bei den jungen Menschen noch nicht bekannt genug ist. "Vielleicht hätte man mehr Werbung machen müssen." Dabei fördert der Bund den neuen Dienst mit 250 Millionen Euro jährlich. Allein 2,5 Millionen Euro fließen in große Werbekampagnen, kritisierten die Grünen. Für das Freiwillige Ökologische Jahr und das Freiwillige Soziale Jahr sind lediglich 100 Millionen Euro jährlich vorgesehen.

Die meisten von Schüsslers Freunden, die ehrenamtlich arbeiten, hätten sich auch für diese Jugendprogramme beworben: "Ich kenne niemanden, der auch den Bundesfreiwilligendienst macht." Vielleicht bemüht sich das Familienministerium auch deswegen so sehr um den jungen Mann. Der Parlamentarische Staatssekretär Hermann Kues wurde entsandt zum Händeschütteln, Vertrag Signieren und zum Lächeln vor den Pressefotografen.

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