Nach dem Selbstmordanschlag auf ein hochrangiges deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen in Nordafghanistan hält die Bundesregierung an ihrer Strategie für das Land fest. Das Attentat "darf und wird uns nicht davon abbringen, unsere Strategie in Afghanistan umzusetzen", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP).
Regierung hält nach Anschlag an Afghanistan-Strategie fest
Berlin (dapd). Nach dem Selbstmordanschlag auf ein hochrangiges deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen in Nordafghanistan hält die Bundesregierung an ihrer Strategie für das Land fest. Das Attentat "darf und wird uns nicht davon abbringen, unsere Strategie in Afghanistan umzusetzen", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Auch der bei dem Anschlag verletzte Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF in der Region, General Markus Kneip, will die Kooperation mit den afghanischen Partnern fortsetzen. Bei der Explosion waren zwei deutsche Soldaten und mehrere Einheimische getötet worden.
Neben Kneip wurden vier weitere Bundeswehrsoldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Zu dem Anschlag auf ein Treffen deutscher Militärvertreter mit afghanischen Repräsentanten am Gouverneurssitz der Provinz Tachar bekannten sich die Taliban.
Verteidigungsminister Thomas de Maizière bezeichnete die Täter als kriminelle Mörder. "Sie dürfen und sie werden nicht das letzte Wort haben", sagte der CDU-Politiker in Berlin. "Wir werden den Weg der Partnerschaft nicht verlassen." Aus CIA-Kreisen verlautete, der Angriff habe Kneip gegolten. Dem widersprach jedoch de Maizière laut einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit".
Merkel telefoniert mit Karsai
Kanzlerin Merkel verurteilte den Selbstmordanschlag als "mörderische Menschenverachtung". Sie sei "schockiert und traurig" über das Attentat mit Toten und Verwundeten, sagte sie am Samstag in Berlin. Westerwelle sagte in der omanischen Hauptstadt Maskat, der Anschlag "erfüllt uns mit Schmerz und tiefer Trauer".
Merkel telefonierte nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagmittag mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und sprach diesem ihr Mitgefühl angesichts der afghanischen Toten und Verletzten aus. Auch Karsai sprach Merkel seine Anteilnahme aus und sicherte ihr eine umfassende Untersuchung der Umstände des Anschlags zu. Er bestätigte ihr die hohe Wertschätzung des afghanischen Volkes für das deutsche Engagement in seinem Land.
Kneip verteidigt Einsatz
General Kneip verteidigte nach dem Anschlag den Bundeswehreinsatz. Die Soldaten und er hätten den ganz klaren Auftrag, "gemeinsam mit unseren afghanischen Partnern Frieden und Sicherheit in dieses Land zu bringen", sagte Kneip am Sonntag dem Online-Portal "Bild.de". Das erwarteten die Menschen nach 30 Jahren Krieg. "Wir werden diese Erwartung erfüllen", sagte der General weiter. Er und seine Soldaten würden den Auftrag weiter ausführen.
Kneip äußerte sich bestürzt über den Tod der beiden Deutschen, die zu seinem engsten Mitarbeiterkreis gehört hätten. Er habe jeden Tag mit "diesen wunderbaren Menschen" gearbeitet. Bei den Gefallenen handelt es sich nach Bundeswehrangaben um einen 43 Jahre alten Major vom Führungsunterstützungsbataillon 282 in Kastellaun und einen 31 Jahre alten Hauptfeldwebel des Feldjägerbataillons 152 aus Hannover.
Roth reagiert "mit tiefer Sorge"
Für die FDP-Fraktion äußerten der Vorsitzende Rainer Brüderle die sicherheitspolitische Sprecherin Elke Hoff tiefe Bestürzung und Trauer. Vermutlich würden die Taliban in den nächsten Wochen versuchen, "durch solche feigen Anschläge die weltweite Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen und damit die Moral der an ISAF beteiligten Staaten zu unterminieren". Die FDP-Fraktion werde den Bundeswehreinsatz in Afghanistan weiter unterstützen.
Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, der FDP-Politiker Hellmut Königshaus, zeigte sich erschüttert. Er wünsche den Angehörigen der Gefallenen und Verwundeten "Kraft in diesen schweren Stunden".
Grünen-Chefin Claudia Roth reagierte "mit tiefer Sorge und Entsetzen" auf die Nachricht von dem Anschlag. Die jüngsten Ereignisse in Afghanistan zeigten, dass der Weg des Landes "zu Frieden, Sicherheit und Demokratie noch weit ist und es keine militärische Lösung des Konflikts geben kann". Es bestehe ein offener Widerspruch zwischen dem Ziel einer politischen Lösung und der "von der NATO in Afghanistan verfolgten Offensiv-Strategie". Linksfraktionschef Gregor Gysi sagte, der Krieg habe die Lage in Afghanistan "um keinen Deut verbessert". Es sei höchste Zeit für einen Abzug der Bundeswehr.
dapd
