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Rentenbeiträge Rechenbeispiel: So wirkt sich Kurzarbeit auf die Rente aus

Mit dem Kurzarbeitergeld werden seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze in den Betrieben gesichert. Zugleich werden die Nettoeinkommen der Beschäftigten trotz Kurzarbeit auf rund 80 Prozent aufgestockt. Auch hat der Bund die Dauer der Kurzarbeitergeld-Regelung kürzlich bis Ende kommenden Jahres verlängert. Weniger Arbeit bedeutet für die Beschäftigten auch weniger Beitrag für die Rente. Wie stark sinkt die Rente wegen Corona? Die Deutsche Handwerk-Zeitung hat gerechnet.

In der Coronakrise hat der Staat mit dem Kurzarbeitergeld Hunderttausende Betriebe und rund 7,3 Millionen Arbeitsplätze, diese Zahl meldete etwa das ZDF, gesichert – und damit auch die Einkommen des Einzelnen, der oder die vielfach nur noch zu 50 Prozent arbeiten können. Im Schnitt bekommt etwa ein Geselle im Meisterbetrieb, der nur noch einen halben statt den ganzen Arbeitstag beschäftigt und bezahlt werden kann, rund 80 Prozent seines bisherigen Nettolohns ausgezahlt. Das Corona-bedingt gesunkene Bruttogehalt wird mit Kurzarbeitergeld aufgefüllt (siehe Rechenbeispiel).

Nicht nur der Nettolohn, auch die Rentenbeiträge werden bei Kurzarbeit aufgefüllt


Wenn das Nettogehalt der Menschen heute dank Kurzarbeitergeld weitgehend erhalten wird, freut, sagen wir beruhigt es die Beschäftigten in den Betrieben. 80 Prozent verbliebenes und auf dem Bankkonto ankommendes Nettogehalt im Vergleich zu nur noch 50 Prozent eigentlichem Arbeitslohn zeigen einerseits die sozialwirtschaftliche Wirkung des Kurzarbeitergeldes: Etwas weniger Geld, aber einen vorläufig gesicherten Arbeitsplatz. Andererseits fragen sich zurzeit viele Arbeitnehmer, wie sich die Kurzarbeit denn auf die Rente auswirkt. Hier kann besorgten Beschäftigten Entwarnung gegeben werden!

Parallel zum Kurzarbeitergeld werden nicht nur Lohneinbußen gemindert, also rund 80 Prozent des Nettogehalts gesichert und ausgezahlt. Zugleich wird der Bruttolohn ähnlich dem Kurzarbeitergeld auf den festen Wert von 80 Prozent der Einbuße beim Bruttolohn erhöht – dies bereits ab dem ersten Tag der Kurzarbeit.

Rechenbeispiel zur Rente bei Kurzarbeit 50 Prozent:

Bruttolohn bisher: 3.000 Euro
Bruttolohn Kurzarbeit 50 Prozent: 1.500
Unterschiedsbetrag: 1.500
davon 80 Prozent: 1.200
Beitragspflichtiges Entgelt: 2.700 Euro

Im Beispiel bekommen betroffene Beschäftigte bei 50 Prozent Kurzarbeit rententechnisch 90 Prozent Bruttobeitrag (= Rentenbeitrag) angerechnet. Der Unterschiedsbetrag wird von Staat „aufgefüllt“.

Und um wie viel sinkt meine Rente jetzt?

Nur 2.700 statt bisher 3.000 Euro Bruttolohn, bedeuten, wieder bezogen auf das Beispiel, dass der jährliche Rentenzuwachs um zehn Prozent geringer ausfällt.

3.000 Euro Monatslohn brutto bedeuten auf das ganze Jahr gerechnet 29,40 Euro Rentenzuwachs. Sinkt der Lohn in dem gesamten betrachteten Jahr auf 2.700 Euro und je Monat, steigt der Rentenzuwachs nur noch auf 26,40 Euro. Rentenverlust wegen eines Jahres Kurzarbeit (50 Prozent): 3 Euro. Diese Zahlen hat die Deutsche Rentenversicherung veröffentlicht .

In gerundeten Zahlen: Nehmen wir an, ein Facharbeiter (im Schnitt 3.000 Euro Monatsbrutto) ist hat bisher 30 Jahre lang jeweils 30 Euro Rente erwirtschaftet, bezahlt mit seinen und den Beiträgen des Meisterbetriebs als Arbeitsgeber. 30 x 30 = 900 Euro bisher erreichter Rentenanspruch (offiziell: Anwartschaft).

Arbeitet dieser Beispielgeselle unseres Musterbetriebs nun ein Jahr lang kurz (50 Prozent), dann würde seine Rente auf 897 Euro sinken – weil er wegen Corona in diesem Jahr 2020 eine Renteneinbuße von 3 Euro hat.

Zuschüsse zum Rentenbetrag steigen nicht mit erhöhtem Kurzarbeitergeld bei andauernder Kurzarbeit

Dauert die Kurzarbeit wie in sehr vielen Fällen länger als drei oder sechs Monate, steigt das Kurzarbeitergeld von anfangs 60 Prozent „Auffüllung“ der Nettolohn-Einbuße (Ledige, kinderlos) bis auf 87 Prozent bei Verheirateten mit Kind und ab dem siebenten Monat der Kurzarbeit.

Allgemeines und Aktuelles vor allem zur Verlängerung zur Kurzarbeit


Mit dem Kurzarbeitergeld wird Beschäftigten der Verlust des Nettolohns um mindestens 60 Prozent ersetzt. Eltern mit Kindern bekommen 67 Prozent der Lohneinbuße ersetzt. Ab dem vierten Monat und ab dem siebenten Monat steigt der Prozentsatz, um den die Lohneinbuße ausgeglichen wird.

Beispiel für einen Ledigen ohne Kinder (Steuerklasse I) bei 50 Prozent Kurzarbeit (je Monat; gerundete Zahlen):

Bruttolohn bisher: 3.000 Euro entspricht netto: 1.970 Euro (vor Kurzarbeit)

Bruttolohn 50 %: 1.500 Euro entspricht netto: 1.130 Euro

Nettolohn-Einbuße: 840 Euro
davon 60 Prozent Kurzarbeitergeld-Erstattung: 500 Euro

Nettoauszahlung: 1.630 Euro (in Kurzarbeit)

Verlust je Monat: 340 Euro

Wäre der oder die Betroffene verheiratet und mit mindestens einem Kind (Steuerklasse III), ergäbe sich für die ersten drei Monate der Kurzarbeit: Netto alt 2.240 Euro minus Netto neu (mit Kurzarbeitergeld) = 1.900 Euro.

Ist die Kurzarbeitsanteil mindestens 50 Prozent, dann gilt diese Staffel für Steigerungen des Erstattungs-Prozentsatzes, wenn die Kurzarbeit andauert:

  • in den ersten Monaten (1-3) gelten 67 Prozent (Kinderlose Versicherte 60 Prozent)
  • ab dem vierten Monat (4-6) steigt der Satz auf 77 Prozent, Kinderlose 70 Prozent,
  • ab dem siebenten Monat erhöht sich der Satz auf 87 Prozent, Kinderlose 80 Prozent.

Die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld wird für Betriebe, die mit der Kurzarbeit bis zum 31. Dezember 2020 begonnen haben, auf bis zu 24 Monate verlängert, längstens bis zum 31. Dezember 2021. Die Bezugsdauer kann aber auch unterbrochen werden.


Rahmendaten 2020

  • Bemessungsgrenze Kranken- und Pflegeversicherung: 56250 €
  • Bemessungsgrenze Rentenversicherung (alte Bundesländer): 82800 €
  • Bemessungsgrenze Rentenversicherung (neue Bundesländer): 77400 €

Quelle: DRV-Rechenbeispiel Rente/Kurzarbeit  

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