Eine der radikalsten muslimischen Gruppen Deutschlands muss einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen: Die Lübecker Assalam-Moschee hat die Prediger des als Gewalt befürwortend geltenden Vereins "Die wahre Religion" wieder ausgeladen. Das bestätigte ein Vorstandsmitglied der Gemeinde am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.
Radikale muslimische Prediger müssen draußen bleiben
Lübeck (dapd). Eine der radikalsten muslimischen Gruppen Deutschlands muss einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen: Die Lübecker Assalam-Moschee hat die Prediger des als Gewalt befürwortend geltenden Vereins "Die wahre Religion" wieder ausgeladen. Das bestätigte ein Vorstandsmitglied der Gemeinde am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. "Wir wollen eine saubere Moschee bleiben und werden diesen Leuten noch heute absagen", sagte Ali Gasmi, Vorstandsmitglied der Assalam-Moschee.
Mit der Absage des für das Wochenende geplanten Treffens und der Ausladung der Vorbeter Abu Dujana, Abu Abdullah und Abdellatif reagiert der Moscheeverein auf einen dapd-Bericht vom Dienstag. Der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein hatte die Gruppe "Die wahre Religion" darin als eine der radikalsten Gruppierungen innerhalb der ohnehin fundamentalistischen Bewegung des Salafismus bezeichnet.
In ihren Ansprachen hatten die Vorbeter den bewaffneten "Heiligen Krieg" verherrlicht und die Scharia als dem Grundgesetz überlegen bezeichnet. Gegen den ebenfalls für das Seminar angekündigten Prediger Abdellatif von der Gruppe DawaFfm ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft, weil er junge Männer für den Dschihad angeworben haben soll.
Zwtl: Moscheeverein will Gruppe kaum gekannt haben
Der Moscheeverein versicherte, erst durch die Medienberichte von der radikalen Ausrichtung der "wahren Religion" erfahren zu haben. "Wir sind froh, noch rechtzeitig mitbekommen zu haben, wer diese Leute wirklich sind", betonte Vorstandsmitglied Gasmi. Die Mitglieder der Gruppe hätten bei ihrer Anfrage behauptet, Jugendlichen den Islam näher bringen zu wollen. "Wir wurden überrumpelt", sagte Gasmi.
Der Leiter des schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzes Horst Eger begrüßte die Absage. "Es gibt ganz offensichtlich eine Bereitschaft unter Muslimen, sich sehr kritisch mit den Personennetzwerken des Salafimsus auseinanderzusetzen", sagte Eger. Zweifel äußerte er allerdings an der Versicherung des Moscheevorstands, die radikalen Ansichten der Prediger nicht gekannt zu haben. "Wir wissen, dass in dieser Moschee einzelne Personen zum Gebet erscheinen, die einen salafistischen Hintergrund haben", sagte Eger. Es sei daher verwunderlich, wenn der Vorstand behaupte, über die in der Szene bekannte Gruppe nichts gewusst zu haben.
Die Absage der Lübecker Moscheegemeinde ist für die Anhänger der "wahren Religion" nicht die erste Ausladung. Nach Medienberichten und öffentlichen Protesten hatten bereits Ende vergangenen Jahres Moschee-Gemeinden in Berlin, Bonn und Wien geplante Treffen der Gruppe unterbunden.
dapd
