Die Nicht-Vergabe des Quadriga-Preises an Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin soll die deutsch-russischen Konsultationen nicht belasten. Aber vor Beginn der bilateralen Gespräche in Hannover kritisierte der russische Botschafter Wladimir Grinin die Vorgänge, die zur Absage der Preisverleihung geführt haben, als "höchst unsympathisch und unanständig".
Quadriga-Preis soll deutsch-russische Konsultationen nicht belasten
Berlin (dapd). Die Nicht-Vergabe des Quadriga-Preises an Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin soll die deutsch-russischen Konsultationen nicht belasten. Aber vor Beginn der bilateralen Gespräche in Hannover kritisierte der russische Botschafter Wladimir Grinin die Vorgänge, die zur Absage der Preisverleihung geführt haben, als "höchst unsympathisch und unanständig". Der FDP-Außenexperte Rainer Stinner hält den ganzen Quadriga-Preis für verzichtbar.
Botschafter Grinin erwartet allerdings keine Auswirkungen auf die deutsch-russischen Konsultationen, die am Abend in Hannover beginnen. "Ich glaube nicht, dass das irgendwie unsere Beziehungen belasten wird", sagte Grinin in der ARD.
Putin sollte für seine Verdienste für die deutsch-russischen Beziehungen geehrt werden. Nach heftiger Kritik an seiner Auswahl hatte das gemeinnützige Netzwerk Quadriga entschieden, in diesem Jahr überhaupt keine Preise zu vergeben.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Stinner sagte im Südwestrundfunk, eine private Initiative, die einen Preis verleihe und ihn dann wieder zurückziehe, könne die Konsultationen nicht wesentlich eintrüben. Den Quadriga-Preis selbst hält er für verzichtbar. Er habe manchmal das Gefühl, dass es dabei eher darum gehe, dass die Preisverleiher mal Prominenz erlangen, sagte Stinner. "Von daher wäre es für mich jedenfalls kein sehr großer Verlust, wenn dieser, einer von vielen Preisen, nicht mehr verliehen würde."
Die Russland- und Osteuropaexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Marieluise Beck, zeigte sich erleichtert, dass Putin den Preis nun doch nicht erhält. Die Entscheidung des Quadriga-Vereins, die Ehrung für Putin abzusagen, sei überfällig, sagte Beck der "Berliner Zeitung". "Es ist nur zu bedauern, dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass der Verein Putin für preiswürdig hielt", fügte sie hinzu.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, das Kuratorium des Quadriga-Preises sei mit der Absage der Preisverleihung an Putin einem Proteststurm deutscher Wissenschaftler zuvorgekommen. 260 Historiker und Wissenschaftler anderer Disziplinen hätten ein Schreiben unterzeichnet, in dem die Rücknahme der geplanten Ehrung gefordert werde. Unter der Ägide Putins seien in Russland Bürgerrechte beschnitten und ein autoritäres Regime errichtet worden, zitierte das Blatt aus dem Brief, den zahlreiche Osteuropa-Experten, aber auch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) unterzeichnet hätten.
dapd