Quadratisch sind sie, praktisch auch – und gut fürs Geschäft? QR-Codes heißen sie und tauchen gegenwärtig in vielen mobilen Marketingkampagnen und Anzeigen auf. Sie lassen sich leicht generieren, vielfältig einsetzen und sind kostengünstig. Und besonders vorteilhaft scheint das gepixelte Viereck für das regionale Handwerk zu sein.
Silvia Hänig

Weil QR-Codes die Verbindung zwischen realen und virtuellen Dienstleistungen oft leichter herstellen können als etwa eine App, sind sie zumindest für die werbende Industrie kein ganz neues Spielzeug mehr. Schon seit geraumer Zeit setzen Verlage und Konsumgüterhersteller den zweidimensionalen Barcode auf ihren Produkten ein.
Alles, was ein Smartphone-Nutzer tun muss, ist, sein Gerät mit einem geöffneten QR-Code-Reader direkt an den Werbecode zu halten, schon öffnet sich die hinterlegte Webseite. Und das Schöne: Es können jegliche Arten von Informationen hinterlegt werden: ein Video, Kontaktdaten, eine Werbeaktion oder Hintergrundinformationen zu Produkten und Technik.
Wie gemacht für das Handwerk, findet Matthias Schultze, Inhaber und Geschäftsführer von Maler Heyse. Und startete gleich eine "Guerilla"-Aktion mit QR-Code-Einsatz. Seine Fahrzeuge wurden täglich mit kleinen Magnettafeln ausgestattet, die neben einem lustigen Spruch immer einen QR-Code besaßen, der dann auf eine Seite des Malers führte. "Klarer Nutzen für uns: eine hohe Aufmerksamkeit, der virale Charakter und der Beziehungsaufbau zum Malerbetrieb. Wir stehen für das 'Malerhandwerk 2.0' und signalisieren mit dieser Aktion, das Unmögliche möglich zu machen", erzählt Schultze. Er kann belegen, dass die Ungewöhnlichkeit der Maßnahme Neugierde bei den Kunden weckt.
Die Akzeptanz steigt
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sagt in der Studie "QR-Code-Einsatzmöglichkeiten im Mittelstand" aus, dass 22 Prozent aller Smartphone-Besitzer ihr Gerät immer mitnehmen, also zum Einkaufen oder um sich vor Ort eine schnelle Information eines Dienstleisters zu holen. Wie die Kontaktdaten des Handwerkers. Schnell abgescannt, ins virtuelle Adressbuch, fertig. Und die Zahl der Smartphone-Nutzer steht mit der Akzeptanz von QR-Codes im unmittelbaren Zusammenhang.
Aber während es für den Kunden nur um den vereinfachten Abruf einer Information geht, muss sich der Handwerker technisch und kreativ etwas mehr ins Zeug legen. Es geht darum, zu wissen, in welcher Situation der Kunde welche Information braucht, die ihm einen persönlichen Nutzen bringt. Das weiß Matthias Schultze und hat auf seine Magnettafeln die passenden Informationen gelegt: "Grüner Bereich" bedeutet Aufklärung über Lösungsmittel und hinter "Lieblingsfarbe Rot" verbirgt sich das Video zum Kundenprojekt mit der Farbe Rot.

Mit wechselnden Motiven wird er den Geschmacksrichtungen der Kunden gerecht. Dabei geht die Initiative immer von Kunden aus, sprich: keine breitgestreuten Mailings oder Wurfsendungen mehr. Ist der Kunde am Standort auf der Suche nach einem passenden Handwerker, scannt er dessen Kontaktdaten ein. Neben den Inhalten sollten auch die technischen Kniffe sitzen, wenn der Handwerker einen erfolgreichen Einsatz plant. "Im Einklang mit dem werblichen Umfeld muss vor allem die Adaption auf das mobile Gerät stimmen", sagt Patrizia Demmeler, Geschäftsführerin des Online-Dienstleisters QR Manager in München.
Das heißt, der werbliche Inhalt muss auf eine mobile Seite passen. "Es genügt nicht, einfach über den Code auf die eigene Webseite zu verlinken und dann zu hoffen, dass sich der Kunde schon zurechtfindet", so Demmeler. Ihrer Ansicht nach wird das nicht funktionieren. Vielmehr sollte eine gezielte persönlich wertvolle Information hinter dem Code stecken, die auch über das kleine Display des Smartphones gut lesbar ist.
Vorteile des Digital-Quadrats
Das sind dabei die Vorteile für Handwerksbetriebe:
- leichte technische Umsetzung
- einfache Generierung
- die Überprüfung der Wirkung
- preiswertes Tool
- Aufmerksamkeitsstärke
Wer hat's erfunden?
Der QR-Code steht im Englischen für Quick Response: schnelle Antwort. Der zweidimensionale Code ist schon fast zwanzig Jahre alt: Im Jahr 1994 wurde er von der japanischen Firma Denso Wave entwickelt. Der Mutterkonzern Denso suchte damals nach einem effektiven System zur Markierung von Baugruppen und Komponenten für die Logistik in der Autoproduktion von Toyota. Die konkrete Umsetzung des 2D-Codes machte die Tochterfirma Denso Wave. Die Verwendung des QR-Codes kostet den Nutzer nichts. Die Spezifikationen wurden von Denso Wave offengelegt. Webseiten im Internet bieten den Service kostenlos an. Heute verfügen viele Mobiltelefone und Smartphones über eine eingebaute Kamera und eine Software, die das "Lesen" von QR-Codes ermöglicht. Der als "Mobile Tagging" bezeichnete Prozess ist in Japan äußerst populär. Seit 2007 verbreitet sich der Trend auch in Europa.