Energiewende PV-Ausbau: Verliert die Einspeisevergütung an Bedeutung?

Die Einspeisevergütung für Solarstrom droht ab 2027 für kleine Anlagen zu entfallen. Einige Eigenheimbesitzer versuchen deshalb in diesem Jahr noch eine PV-Anlage auf ihr Dach zu bekommen. Kommt jetzt der Boom – und nächstes Jahr das große Einknicken? Ein Installateur berichtet von einer Panikmache, die die Praxis nicht widerspiegelt. Die Einspeisevergütung allein ist kein Argument für die Kunden.

Einspeisevergütung soll sinken: 2026 könnte noch eine solare Sonderkonjunktur auf die Betriebe zukommen.
Die Einspeisevergütung für Solarstrom soll 2027 sinken oder gar ganz entfallen. Installationsfirmen rechnen deshalb 2026 mit einer kleinen solaren Sonderkonjunktur. Der große Boom bleibt aber voraussichtlich aus. - © anatoliy_gleb – stock.adobe.com

Dachdeckermeister Wolfgang Böhm installiert seit über 20 Jahren Photovoltaikanlagen und seitdem er diesen Markt kennt, ist es "ein Rauf und Runter", berichtet er und meint damit sowohl die Nachfrage als auch den politischen Umgang mit dem Markt – Förderungen, Installationspflichten und die Einspeisevergütung bestimmen mit, ob es einen Solarboom gibt oder nicht.

Garantierte Einspeisevergütung soll entfallen

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen zudem die Medien und derzeit auch Onlineanbieter, die PV-Interessierten Vergleichsangebote versprechen und im Gegenzug deren Kontaktdaten bekommen. Diese bieten sie dann Installationsfirmen an. Damit ihr Geschäft mit dem Datenhandel läuft, setzen sie allerdings oftmals auf ein sehr wortstarkes Marketing. Wolfgang Böhm nennt es "Panikmache". Die Anbieter vermitteln, dass sich PV-Anlagen ab dem kommenden Jahr nicht mehr lohnen, dass die Preise steigen und dass man sich noch unbedingt in diesem Jahr eine PV-Anlage sichern müsse.

Doch das sei ein verzerrtes Bild. Zwar plant die Bundesregierung in der Tat, dass die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen sinken oder auch komplett entfallen soll. Handwerksmeister Böhm, der Kunden auch als Energieberater begleitet, betont allerdings, dass eventuell nur die garantierte Einspeisevergütung entfällt. Wie bei großen Anlagen sollen die Besitzer den Solarstrom selbst vermarkten, wenn sie ihn ins Netz einspeisen möchten. Dann verdienen sie weiterhin an dem Strom, den sie auf dem eigenen Hausdach produzieren.

Eigenen Strom zu nutzen, bringt Vorteile

"Die Einspeisevergütung ist außerdem schon lange nicht mehr das Hauptargument der Kunden für eine PV-Anlage", sagt Wolfgang Böhm. Im Bereich der Einfamilienhäuser und damit der kleinen Anlagen sei der Eigenverbrauch das Wichtigste – und dass man Kosten spare. Entsprechend haben Speicher an Bedeutung gewonnen. "Keiner geht mehr davon aus, dass der reguläre Strompreis sinkt, im Gegenteil", sagt der Installateur. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer würden die Vergütung, die sie bekommen, wenn sie Strom einspeisen, zwar gerne annehmen, aber schon seit Jahren nicht mehr als geplante Einnahme sehen.

Durch die zunehmende Elektrifizierung unser aller Alltags – man denke nur an Wärmepumpen, Elektroautos und Klimaanlagen – würden zudem die Verbräuche steigen. Eigenen Strom zu produzieren und zu nutzen, bringt Vorteile. Entsprechend plane auch keiner mehr auf dem eigenen Hausdach eine Volleinspeisung. "Ein Mitnahmeeffekt ist aber trotz dieser Entwicklung spürbar", erklärt Böhm. Die Nachfrage steige leicht an, aber von einem Boom möchte er nicht sprechen.

Einspeisevergütung: Solarwirtschaft lehnt Pläne der Bundesregierung ab

Dass es keinen Boom gibt, bestätigen auch die Zahlen des Bundesverbands der Solarwirtschaft (BSW Solar). Zwar ist das Solarausbauziel für das Jahr 2026 bereits jetzt erreicht. Und schon im 1. Halbjahr 2026 lag der PV-Zubau rund neun Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Getragen wird der Zubau aber zu 42 Prozent von PV-Freiflächenanlagen. Das PV-Eigenheimsegment lag zur selben Zeit rund sieben Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. "Zuvor hatte sich in den Jahren 2024 und 2025 der Zubau im kleinen PV-Aufdachsegment bereits um fast 40 Prozent reduziert", erklärt Carsten Körnig, der Hauptgeschäftsführer des BSW Solar. Aus seiner Sicht zeige diese Marktentwicklung, dass Solarstromanlagen auf Eigenheimen nicht "überfördert" seien – anders, als Bundeswirtschaftsministerin Reiche behauptet.

Der Verband lehnt die Pläne der Bundesregierung entschieden ab und geht davon aus, dass sie die PV-Nachfrage im Gebäudebereich stark sinken lassen werden. Gleichzeitig beobachtet die Solarwirtschaft derzeit Vorzieheffekte im Markt. "Einige Kunden versuchen noch rechtzeitig vor möglichen Kürzungen eine PV-Anlage zu installieren", sagt Körnig.

Solare Sonderkonjunktur schon seit dem Frühjahr

In Zahlen drückt sich das so aus: Während der PV-Zubau im Heimsegment zum Jahresanfang noch deutlich unter Vorjahresniveau lag, zeichnet sich seit dem Frühjahr eine andere Entwicklung ab, die der BSW Solar "solare Sonderkonjunktur" nennt. So lag der PV-Zubau im 2. Quartal im PV-Heimsegment nach Daten der Bundesnetzagentur rund zehn Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresquartal.