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Architekturwettbewerb "geplant + ausgeführt" 2019 Publikumspreis geht an Kapelle der Barmherzigkeit

Erstmals ging der Publikumspreis im Architekturwettbewerb "geplant + ausgeführt" nach Österreich. In diesem Jahr votierten die meisten der rund 600 Teilnehmer bei der Online-Abstimmung für die Kapelle der Barmherzigkeit in Ried am Wolfgangsee.

Damit hat nach 2018 erneut ein sakrales Bauwerk die größte Anerkennung unter den Lesern der Deutschen Handwerks Zeitung gefunden. Und auch der Hauptpreis der Fachjury aus Architekten, Innenarchitekten und Vertretern des Handwerks ging an eine Kirche. Für den Bau des Kirchenzentrums Seliger Pater Rupert Mayer in Poing erhielten das Architekturbüro Meck und die Baugesellschaft Gebr. Rank aus München den ersten Preis. Überreicht wurden die Siegerpokale am 14. März auf der Internationalen Handwerksmesse in München.

Im Vergleich zum neuen Kirchenzentrum nordöstlich der bayrischen Landeshauptstadt wirkt die Kapelle der Barmherzigkeit am Wolfgangsee nahezu winzig. Nur sieben Personen finden Platz auf der Bank im Innern des Holzbaus, der vom Architekturbüro SPS aus Thalgau zusammen mit der Zimmerei Appesbacher aus Abersee realisiert wurde.

Aber die Atmosphäre, mit der die Kapelle die Besucher in ihren Bann zieht, sei einzigartig. Ein Raum zur Kontemplation und fürs Gebet. "Am stärksten wirkt die Ausstrahlung dieses Rückzugsortes, wenn man allein in der Kapelle ist. Das müssen Sie erleben, das lässt sich gar nicht beschreiben", schwärmt Bauherrin Annemarie Windhager von der Kapelle, die stets für jedermann offen stehe.

Mantel als Symbol für Barmherzigkeit

Verleihung Publikumspreis

Ursprünglich war auf dem Grundstück der Bau einer Sauna für die Ferienhäuser der Familie Windhager geplant. Aber nach einem Schicksalsschlag entschied sich Annemarie Windhager, auf dem bereits vorhandenen Fundament eine Kapelle zu bauen. Einzige Vorgabe an die Architekten: Sie sollten das Thema Barmherzigkeit umsetzen. Entstanden ist ein spiralförmiger, sieben Meter hoher Kegel, der einen Mantel symbolisiert und damit an die Geschichte von Sankt Martin erinnert.

Die freie Form des Baukörpers erforderte eine durchgängige Planung in 3D, deren Daten direkt zum Abbund des Brettsperrholzes übertragen wurden. Von der Holzbaufirma Appesbacher wurde die Konstruktion vor Ort erstellt. Auch die äußere Verkleidung mit Lärchenholzschindeln wurde von dem 1981 gegründeten Handwerksbetrieb aus dem Salzkammergut übernommen. Innen wurde die Kapelle mit einem Lehmputz versehen, der für eine außergewöhnlich gute Akustik sorgt.

Einsatzfreude der Handwerker spürbar

Der verantwortliche Architekt Dirk Obracay und der in erster Linie mit dem Objekt betraute Planer David Fischer waren während der Bauphase vor allem von der Begeisterung aller beteiligten Handwerker überwältigt. "Es war förmlich spürbar, mit welcher Einsatzfreude da zu Werke gegangen wurde", erklärt Obracay. Zum Beispiel sei der Natursteinboden vom Chef der beauftragten Firma persönlich verlegt worden. Auch die gute Zusammenarbeit mit Handwerkern der Klöster Stift Schlierbach für die Glasarbeiten und Sankt Gilgen für Ausstattungsdetails wie dem "Ewigen Licht" sei ausgesprochen angenehm gewesen.

Ruhepol am Pilgerweg von St. Gilgen nach St. Wolfgang

Seit Anfang 2018 lädt die Kapelle der Barmherzigkeit am Pilgerweg von St. Gilgen über den Falkenstein nach St. Wolfgang zu einem Abstecher ein. Viele der Wallfahrer nutzen diese Gelegenheit zu einer besinnlichen Atempause gern, wie die Eintragungen in das Gästebuch der Kapelle belegen würden, freut sich Annemarie Windhager, die davon überzeugt ist, dass die Menschen heute mehr denn je nach solchen Orten suchen. In der Kapelle der Barmherzigkeit finden sie einen Ruhepol.

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