Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Probleme hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Für Arbeitgeber ist das ein Problem, das sich nicht ignorieren lässt. Was sie wissen müssen und wo sie Hilfe finden.

Es sind nicht die Fallzahlen allein, die die Entwicklung psychischer Krankheiten in Deutschland so problematisch machen. Hinzu kommt die Krankheitsdauer, die bei Burnout, Depressionen und auch bei Suchterkrankungen deutlich höher ist als bei anderen Krankheiten. Während 2013 die durchschnittliche Dauer aller Krankheitsfälle im Handwerk bei 14 Tagen lag, waren es bei psychisch bedingten Krankheitsfällen 32 Tage, zeigen die Zahlen der IKK Classic.
Gefährdungsbeurteilung, aber ohne Druck
Das Arbeitsschutzgesetz verlangt von jedem Arbeitgeber, dass er in seine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen mit aufnimmt. Immer mehr Institute, Agenturen oder Berater weisen aber auf diese gesetzliche Pflicht hin, um Betrieben unter Druck Leistungen zu verkaufen. Davor warnt die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).
Dabei gibt es kostenlose Hilfestellungen im Netz, beispielsweise das Programm der Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG Etem). Hier gibt es Hintergrundinformationen sowie einen Erklärfilm, wie man als Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen anfertigt.
Stress im Märchen
Auf unterhaltsame Weise informiert auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zum Thema. Graf Dracula und Dornröschen zeigen in zwei kurzen Filmen, dass schon kleine Veränderungen Stress und damit psychischen Druck reduzieren können.
Anzeichen für psychische Belastungen
Folgende Anzeichen können auf psychische Belastungen der Mitarbeiter hindeuten:
- verändertes Sozialverhalten: Verunsicherung, sozialer Rückzug, übermäßige Gereiztheit, Ungeduld
- offensichtlicher Leidensdruck: bedrückte Stimmung über längere Zeit, ständiges Klagen und allgemeine Negativ-Sicht der Dinge bis hin zum Sarkasmus
- ständiges Klagen über körperliche Beschwerden (Schmerzattacken, Schlafprobleme, Dauerinfekte etc.), für die der Arzt keine Ursache findet
- Äußerungen von starken Angstgefühlen oder von Lebensüberdruss
- auffällige Leistungseinbußen: verlangsamtes Arbeiten, sinkende Effektivität (z.B. überflüssige Überstunden) oder nachlassendes Engagement, auffällige Kontrolle der eigenen Arbeit, mehr Fehler
- hohe Ausfallzeiten: häufige Fehlzeiten, wiederholtes Zuspätkommen
bst