Die stille Beteiligung als Finanzierungsalternative

Pssst! Bitte den Betrieb nicht stören
Von seinem Vater, dem Gründer des Unternehmens, kannte Claus Schmid den Kampf um Aufträge in der Baubranche und die häufig damit einhergehende Preisspirale nach unten. „Darauf hatte ich keine Lust“, sagt der gelernte Schreinermeister, „deswegen habe ich von Anfang an alles daran gesetzt, ein eigenes Produkt zu entwickeln, bei dem ich selbst die Geschäftsgrundlage festlege und damit auch die Preise beeinflussen kann.“ Und so hat Schmid mit seinen Geschwistern Bärbel Bronn und Jörg Schmid den holzverarbeitenden Betrieb komplett umgebaut. Das Unternehmen Holzbau Schmid GmbH & Co. KG gilt heute als technischer Marktführer in Europa für Brandschutztüren und Holz-Glas-Kombinationen, die es auch selbst produziert.
Den Preis selbst bestimmen
Die Kinder des Unternehmensgründers haben 1998 die Geschäftsführung übernommen. Bereits 1991 begann die Familie in Adelberg zwischen Schorndorf und Göppingen, Brandschutztüren und Brandschutzverglasungen zu entwickeln. 1994 entstanden die ersten Brandschutztüren und Brandschutzverglasungen, die das Unternehmen zusammen mit dem Brandschutzspezialisten Promat auf den Markt brachte.
Mitten in der Krise investiert
Dabei gibt Claus Schmid heute unumwunden zu, dass er und seine Geschwister den mit einer Produktentwicklung verbundenen Aufwand unterschätzt hatten: „Aber wir hatten und haben den unbedingten Drang, etwas Beständiges zu schaffen.“
Auch von außen gab es Widerstände. „Die Banken waren zu dieser Zeit gegenüber dem Baugewerbe sehr kritisch eingestellt.“ Und so gestalteten sich Übernahme inklusive Neuinvestitionen zäh. Zumal der Betrieb auch die Altersvorsorge der Eltern war. „Doch die mittelständische Beteiligungsgesellschaft hat uns sehr geholfen“, so das Unternehmertrio. Zusätzliches Plus: Mit der Beteiligung in Höhe von einer Million Euro konnte Holzbau Schmid die Eigenkapitalausstattung wesentlich verbessern und im Jahr 2002 gleichzeitig 4,5 Millionen Euro investieren. Mit dem Geld wurde die Produktionsfläche von 4.000 auf 9.000 Quadratmeter mehr als verdoppelt.
Zwar hatten die Geschwister auch innerbetrieblich immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. Schließlich konnten sie jedoch ihre Ideen umsetzen - zusammen mit einem hochmotivierten Team von heute 85 Mitarbeitern. 2004 begannen sie mit der Produktion schmaler Metalltüren. „Dafür haben wir den Red Dot Award erhalten, was bei Architekten sehr gut ankommt“, sagt Schmid stolz.
Und mitten im Krisenjahr 2009 investierten die Adelberger Unternehmer erneut, was zeigt, wie krisenfest die eigene Produktentwicklung das Unternehmen gemacht hat. Diesmal sind es zwei Millionen Euro für eine Erweiterung der Produktpalette: Schmid will mit seiner Neuentwicklung in Produktion gehen. Es handelt sich dabei um verschiebbare brandsichere Wandelemente für große Veranstaltungshallen. Das Geld ist für eine neue Produktionshalle vorgesehen. Dass sie die technischen Hürden sowie den bürokratischen Aufwand für die Patentanmeldungen immer wieder auf sich nehmen konnten, hat viel mit der Betriebsstruktur zu tun. Ohne den Zusammenhalt unter Geschwistern und Eltern wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.dhz