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Frühjahrsgutachten Prognose: Wirtschaft wird sich mittelfristig kräftig erholen

Nach einem deutlichen Rückgang der Wirtschafsleistung infolge der Corona-Krise rechnen Wirtschaftsforscher für 2021 mit einem Wachstum von fast sechs Prozent. Eine Prognose, die abhängig von mehreren Faktoren ist und mit "erheblichen Abwärtsrisiken" behaftet ist.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Angesichts der umfangreichen staatlichen Hilfspakete erwarten die führenden Wirtschaftsforscher schon 2021 eine deutliche Erholung der Wirtschaft. "Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser bei der Vorstellung des Frühjahrsgutachtens der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Für 2020 rechnen die Wirtschaftsforscher infolge Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie mit einem starken Einbruch im zweiten Quartal von knapp zehn Prozent. Für das Gesamtjahr gehen sie von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent aus. Dabei sind einzelne Bereiche wie das produzierende Gewerbe mit einem Minus von rund neun Prozent stärker und andere wie der Bau mit einem prognostizierten Wachstum von 1,7 Prozent deutlich weniger betroffen.

Prognose mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet

Sollte das Stilllegen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland vier Wochen länger als bis Mitte April dauern, müsse mit weiteren Wachstumseinbußen von 1,5 Prozentpunkten für das Gesamtjahr gerechnet werden, fügte Wollmershäuser hinzu. Die Forscher gestanden ein, dass ihre Prognose mit "erheblichen Abwärtsrisiken" verbunden ist. Etwa, wenn das Wiederhochfahren der Wirtschaft nicht so gut gelingt wie angenommen. Infolge zunehmender Unternehmensinsolvenzen könnte es dann auch zu Verwerfungen im Finanzsystem kommen, die durch staatliche Schutzschilde nicht verhindert werden könnten, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

In der jetzt vorgelegten Prognose gehen die Forscher davon aus, dass mit dem weitgehenden Einfrieren des öffentlichen Lebens die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesenkt und die Maßnahmen deshalb schrittweise wieder aufgehoben werden können, wie Oliver Holtemöller vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung sagte. Sie legen ihrer Prognose außerdem zugrunde, dass im weiteren Verlauf infizierte Menschen effektiv identifiziert und isoliert werden können. Und nicht zuletzt rechnen die Forscher damit, dass die umfangreichen Hilfspakete der Bundesregierung wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen wirken und eine Insolvenzwelle so vermieden werden kann.

Schnellere Erholung in konsumnahen Bereichen erwartet

Insgesamt gehen die Institute von einem "V"-förmigen Verlauf des Konjunktureinbruchs aus, wie Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonte. Das Hochfahren der Wirtschaft wird der Vorstellung der Forscher zufolge zuerst in den konsumnahen Bereichen gelingen. Deutlich langsamer werde es überall dort gehen, wo soziale Kontakte entstehen. Hier rechnen die Forscher weiter mit der Vorsicht der privaten Haushalte. Eine verzögerte Erholung erwarten die Ökonomen auch in der Industrie, die stärker vom Funktionieren internationaler Lieferketten abhängt. Ob die Rezession in anderen Ländern viel tiefer sein werde, sei noch nicht ausgemacht, sagte Wollmershäuser. Viele Regierungen seien ähnlich vorgegangen und hätten ähnliche Maßnahmen ergriffen. Für Länder, die sehr stark vom Tourismus abhingen, dürfte es aber schwer werden, so seine Einschätzung.

Finanzpolitik hilft negative Folgen bei Unternehmen und Beschäftigten abzufedern

Wie der Konjunkturforscher weiter sagte, ermöglicht die günstige Finanzlage des deutschen Staates, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen. Dies führe in diesem Jahr zu einem Rekorddefizit von 159 Milliarden Euro.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt rechnen die Forscher mit einer deutlichen Abnahme der Beschäftigung. "In der Spitze wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen", betonte Wollmershäuser. Im Durchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen zunehmen.

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