In der Total Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna (Saalekreis) steht die Produktion wegen einer dreiwöchigen Durchsicht still. Bis zum Ende des Monats würden wichtige Anlagenteile überprüft und gereinigt, sagte der Geschäftsführer der Erdölverarbeitungsanlage, Reinhard Kroll, am Mittwoch in Leuna.
Produktion in Total-Raffinerie steht für Durchsicht still
Leuna (dapd-lsa). In der Total Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna (Saalekreis) steht die Produktion wegen einer dreiwöchigen Durchsicht still. Bis zum Ende des Monats würden wichtige Anlagenteile überprüft und gereinigt, sagte der Geschäftsführer der Erdölverarbeitungsanlage, Reinhard Kroll, am Mittwoch in Leuna. Während des Stillstandes werden auch rund 740 Kubikmeter Katalysatoren ausgetauscht, mit denen in den Reaktoren bestimmte chemische Prozesse beeinflusst werden können.
Die Produktion war am 6. Juni heruntergefahren worden. Seither werden die im Umkreis von 150 Kilometer liegenden Tankstellen des Mineralölkonzerns und der anderen von Leuna belieferten Tankstellen anderer Marken mit Benzin und Diesel aus den großen Vorratstanks der Raffinerie beliefert. Es werde keinen Engpass geben, versicherte Kroll.
Die Raffinerie versorgt etwa 1.300 Tankstellen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Während der Produktionsphase verlassen täglich 350 bis 400 Tanklastfahrzeuge mit Benzin und Diesel das Werk, hinzu kommen 16 Züge mit jeweils 22 Kesselwagen, die zu den Kunden rollen.
Für die turnusmäßige Durchsicht, bei der unter anderem 70 gesetzlich vorgeschriebene Druckprüfungen von Behältern und Ausrüstungen vorgenommen werden, sind 700 Monteure von etwa 90 Firmen im Einsatz. Im Vorfeld seien 11.000 Ersatzteile - von der Dichtung bis zum Aggregat - geordert worden, sagte Kroll. Die Kosten wurden auf rund 30 Millionen Euro beziffert. Die nächste Großinspektion der Raffinerie, die jährlich zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten kann, ist für das Jahr 2014 geplant.
Im vergangenen Jahr setzte das zum französischen Total-Konzern gehörende Unternehmen 5,7 Milliarden Euro um und erwirtschaftete damit zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Sachsen-Anhalt. Im Krisenjahr 2009 war der Umsatz laut Kroll auf 4,3 Milliarden Euro eingebrochen.
Der Anteil der Benzinproduktion an der Gesamtproduktion liegt bei einem Viertel. Angesichts des deutschlandweit sinkenden Benzinverbrauchs werde dieser Anteil zugunsten von Diesel weiter zurückgehen, blickte Kroll voraus und fügte hinzu, der Dieselanteil liege derzeit bei 37,7 Prozent. Deshalb würden während des gegenwärtigen Produktionsstopps Destillationskolonnen umgebaut, um den Anteil von Diesel und Jet erhöhen zu können, sagte der Manager. "Der Markt in Deutschland und Europa ist ein Dieselmarkt geworden."
Den Anteil des bei Autofahrern umstrittenen E10-Benzins an der Gesamtbenzinproduktionsmenge bezifferte das Unternehmen auf 20 bis 25 Prozent. Nach dem Willen der Bundesregierung sollte der Anteil ursprünglich bei 90 Prozent liegen. Wegen des geringen Interesses habe die Raffinerie ihre Produktion wieder umstellen müssen, sagte Kroll.
Von 2006 bis 2010 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro investiert und damit die Anlagen modernisiert. Neben Benzin und Diesel sowie Flugbenzin stellt die Raffinerie Methanol - ein wichtiger Rohstoff für die Chemie - her.
dapd
