Stiftung Warentest Private Krankenversicherung: Zwei von drei Tarifen fallen durch

Die private Krankenversicherung bietet nicht von vornherein einen besseren Schutz als die gesetzliche. Das meldet die Stiftung Warentest. Demnach haben zwei von drei Tarifen einen zu hohen Selbstbehalt oder entsprechend große Lücken. Viele Tarife bieten sogar weniger Leistungen als die gesetzliche Krankenkasse (GKV).

Oft gewünscht bei der Privaten: Wahlarztbehandlung. - © fizkes - stock. adobe.com

Die Stiftung Warentest hat 1.245 Tarifkombinationen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fiel nicht sehr schmeichelhaft aus. "Sehr viele PKV-Tarife haben Lücken. Viele leisten sogar weniger als gesetzliche Krankenkassen", sagt Julia Bönisch, Vorständin der Stiftung Warentest. Defizite gebe es zum Beispiel bei der Palliativpflege, bei ambulanter Psychotherapie oder bei digitalen Anwendungen wie Ernährungs-Apps.

Nur ein Drittel mit Rundum-Schutz

Nur ein knappes Drittel der Tarife biete einen Rundum-Schutz. Diese wiederum liegen preislich zum Teil deutlich auseinander. Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angestelltentarif betrage mehr als 400 Euro im Monat – und das beim selben Qualitätsurteil "sehr gut".

"Mehr Beitrag bedeutet nicht, dass immer auch mehr Risiken abgedeckt sind", sagt Testleiter Julian Chudoba. Deshalb rät der Ökonom, genau abzuwägen. Wer sich für die private Krankenversicherung entscheide, solle auch überlegen, ob es ein Top-Tarif sein müsse. Die leistungsstärksten Tarife seien oft recht teuer. Der Preisaufschlag spiegele jedoch selten den Umfang der zusätzlich abgesicherten Gesundheitsrisiken wider.

Laut Stiftung Warentest sollte ein Privattarif mindestens 17 Grundleistungen beinhalten. Dazu gehören unter anderem mindestens ein Zweibettzimmer im Krankenhaus mit Wahlarztbehandlung, Zahnbehandlungen zu 100 Prozent, Zahnersatz zu mindestens 75 Prozent sowie Palliativpflege und häusliche Krankenpflege. Nur 384 Tarife bieten diesen Rundum-Sorglos-Schutz und werden letztlich empfohlen.

Kann zur existenzbedrohenden Falle werden

Überhaupt raten die Warentester dazu, den Wechsel in die PKV genau abzuwägen. Attraktiv erscheine die PKV vor allem in jungen Jahren, weil die Tarife vergleichsweise günstig seien. Im Alter stiegen die einkommensunabhängigen Beiträge jedoch stark an. "Die private Krankenversicherung kann zur existenzbedrohenden Kostenfalle werden", sagt Julia Bönisch. Die Stiftung Warentest empfiehlt sie nur für Beamte uneingeschränkt, da der Staat einen Großteil der Kosten im Alter übernimmt. Angestellte und Selbstständige sollten gut überlegen, ob sie sich die enormen Beiträge auch im Alter langfristig leisten könnten.

Holger Rohde, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Versicherungen und Recht, hat zwar den Eindruck, dass sich die Mehrzahl der Versicherten in der PKV, die Beiträge aufbringen könne. Oft hätten jedoch gerade Selbstständige im Alter Probleme, die Beiträge zu finanzieren, weil sie zwar in jüngeren Jahren von den niedrigeren Tarifen profitiert, aber fürs Alter nicht entsprechend vorgesorgt hätten. Rohde rät, am Anfang der Mitgliedschaft wenigstens die Differenz zum GKV-Tarif zurück- oder anzulegen. Laut Rohde sei es deshalb nur sinnvoll, in die PKV zu wechseln, wenn die Leistungen besser sind als in der GKV. Sonst zahle man am Ende mehr, bekomme jedoch weniger.

Empfohlen hat die Stiftung Warentest letztlich die Tarife, die ihre Mindestkriterien erfüllen sowie relativ günstig sind. Das seien außerdem alles Tarife, die über dem Niveau der GKV liegen.

Versicherte mehrheitlich zufrieden

Insgesamt sind die Deutschen, ob privat oder gesetzlich versichert, anscheinend jedoch zufrieden mit ihrer Gesundheitsversorgung. In einer von der Stiftung beauftragten Umfrage unter 5.000 Versicherten äußerten sich 58 Prozent mit "sehr gut" oder "gut" auf die Frage "Wie bewerten Sie Ihre persönliche Gesundheitsversorgung?" 28 Prozent der Befragten bewerteten ihre Versorgung mit "eher schlecht" oder "schlecht". Bei der Umfrage kam ebenfalls heraus, dass privat Versicherte von einer schnelleren Terminvergabe profitieren. 58 Prozent der Privatpatienten hatten ihren jüngsten Facharzttermin innerhalb eines Monats bekommen, bei den Kassenpatienten waren es nur 30 Prozent.

Welche PKV-Tarife die Stiftung Warentest empfiehlt, welche guten Tarife günstig sind und was Interessierte beim Antrag falsch machen könnten, steht in der März-Ausgabe von Stiftung Warentest Finanzen und unter www.test.de/pkv.