Stiftung Warentest zu Pflegezusatzversicherung Private Krankenversicherer kritisieren Testmethode

Seit Anfang 2013 zahlt der Staat fünf Euro Zulage im Monat an alle, die eine private Pflegetagegeldversicherung abschließen. Den "Pflege-Bahr". Doch die Tarife lohnen sich laut Stiftung Warentest nicht, weil sie nicht ausreichten, um die finanzielle Lücke im Pflegefall zu schließen. Zu diesem Ergebnis kommt Warentest nach einer Untersuchung von 23 Pflegetagegeldversicherungen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung zeigt sich überrascht und spricht von "undifferenzierter Kritik".

Wer im Alter eine mögliche Pflege finanzieren will, sollte beizeiten vorsorgen. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia.com

Wer es sich leisten könne, für den Pflegefall vorzusorgen, solle eine Pflegetagegeldversicherung ohne staatliche Zulage abschließen, empfiehlt Stiftung Warentest. Reinhold Schulte, Präsident der PKV, hält dagegen: "Die Einwände der Zeitschrift 'Finanztest' gegen die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung laufen ins Leere." Die Förderbedingungen definierten lediglich Mindestleistungen. Jedem Kunden stehe es frei, die Versicherung zur hundertprozentigen Absicherung aufzustocken.

Kritisiert die Testmethode der Stiftung Warentest: Reinhold Schulte, Vorsitzender des Verbandes Privater Krankenversicherungen. - © Foto: PKV
Test der Pflegezusatzversicherungen

Der PKV kritisiert auch die Testmethode. "Finanztest" habe seine Ergebnisse von vornherein nur für "Modellkunden" im Alter von 45, 55 und 65 Jahren berechnet und damit jene Jahrgänge ausgeblendet, die bei einem Versicherungsbeginn in früherem Alter für minimale Beiträge wesentlich höhere Leistungen erhalten.

Tarife mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen

Stiftung Warentest hat insgesamt 23 Angebote getestet. Die Ergebnisse seien sehr unterschiedlich und reichten von "sehr gut" bis "ausreichend". Ein 45-jähriger Neukunde etwa zahlt demnach einen Monatsbeitrag von 55 Euro für einen "sehr guten" bis "guten" Tarif, um das finanzielle Risiko in allen Pflegestufen abzudecken. Für die gleiche Leistung muss ein 55-jähriger Neukunde 85 Euro monatlich aufbringen.

Einen Vorteil haben nach Meinung der Warentester die geförderten Tarife: Menschen mit Vorerkrankungen müssen einen solchen Vertrag bekommen. Eine ausreichende finanzielle Absicherung böten diese Tarife dennoch nicht und ihre sonstigen Vertragsbedingungen seien in der Regel schlechter. Sie kämen nur dann infrage, wenn jemand wegen seines hohen Alters oder einer Erkrankung keine ungeförderte Versicherung mehr bekomme oder wenn jemand jung ist und ein erhöhtes Krankheitsrisiko hat. Der ausführliche Test ist unter test.de/pflegezusatzversicherung abrufbar.

Der auführliche Test ist unter test.de/pflegezusatzversicherung abrufbar.

Beispielrechung für einen Pflege-Bahr-Tarif der Signal Iduna (* unter Berücksichtigung der staatlichen Förderung):

EintrittsalterMonatsbeitragEffektivbeitrag*Monatsleistung
1815 Euro10 Euro1.479 Euro
2515 Euro10 Euro1.145 Euro
3515,01 Euro10,01 Euro756 Euro
4518,29 Euro13,29 Euro600 Euro
5529,00 Euro24,00 Euro600 Euro