Handwerkswirtschaft: Reale Umsätze stagnieren
Private Geschäfte ohne Schwung
Im Handwerk haben sich die wirtschaftlichen Aktivitäten von April bis Juni vorwiegend aus saisonalen Gründen gegenüber dem 1. Quartal 2008 beschleunigt. Zusätzliche konjunkturelle Unterstützung bekam im Wesentlichen nur das Geschäft mit gewerblichen Kunden. Das Stimmungsbarometer in den Betrieben erreichte mit 76 Punkten noch einen vergleichsweise hohen Wert, der nur geringfügig unter dem Vorjahresstand lag.
Die Beschäftigung zeigte seit April ansteigende Tendenz. Allerdings fiel die Zunahme relativ moderat aus, da sich zu Jahresbeginn die saisonbedingten Personalentlassungen wegen des sehr milden Winters und der Saisonkurzarbeitergeldregelung in engen Grenzen hielten. Zudem haben konjunkturelle Gründe zur Aufstockung des Personalbestandes spürbar an Bedeutung verloren und konzentrierten sich auf wenige Branchen. In einigen Handwerkszweigen dürften außerdem die jüngsten Tariflohnabschlüsse die Einstellungsbereitschaft gebremst haben. Zur Jahresmitte waren rund 4,8 Millionen Personen im Handwerk aktiv, etwa so viel wie im Juni 2007.
Die Betriebsauslastung hat sich im Zuge der Frühjahrsbelebung wieder deutlich erhöht; sie kletterte von 69 Prozent im 1. Quartal auf 74 Prozent im Berichtszeitraum. Die entsprechende Vorjahresmarke wurde nur knapp verfehlt. Dies lässt darauf schließen, dass die Handwerkskonjunktur zurzeit auf der Stelle tritt.
Der Auftragseingang gewann in den letzten Monaten wieder an Schwung. Maßgeblich hierfür waren saisonale Einflüsse, die in allen Branchen – wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß – zum Tragen kamen. Außerdem haben die gewerblichen Kunden aufgrund der immer noch guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung recht lebhaft geordert. Dagegen spürten die hauptsächlich am Endverbraucher orientierten Handwerkszweige die inflationsbedingte Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte. Insgesamt sank die Reichweite der Auftragsbestände binnen Jahresfrist von 1,4 auf zuletzt 1,3 Monate. Entsprechend hat sich auch die Beurteilung der aktuellen Auftragssituation gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert.
Die Umsatztätigkeit hat sich seit April ebenfalls beschleunigt. Vor allem der alljährliche Saisonaufschwung hat die Verkaufstätigkeit beschleunigt. Konjunkturelle Impulse waren darüber hinaus in Branchen mit vorwiegend gewerblichem Kundenstamm zu beobachten. In den konsumnahen Gewerken wirkte sich die gedrückte Verbraucherstimmung negativ auf die Absatzentwicklung aus. Im 1. Halbjahr 2008 legten die nominalen Umsätze des Gesamthandwerks noch zu, preisbereinigt stagnierte aber die Entwicklung.
Das Investitionsgeschehen hat nach der deutlichen Aufwärtsbewegung im Jahr 2007 in den letzten Monaten an Dynamik eingebüßt. Zum einen sind die Absatzperspektiven nicht mehr günstig, zum anderen haben sich die Finanzierungskonditionen tendenziell verschlechtert. Insgesamt lagen die Investitionsausgaben aber immer noch leicht über dem Vorjahresniveau.