Vorsorge für den Ernstfall Risikolebensversicherung: Privat und beruflich eine gute Absicherung

Es ist kein schönes Thema, aber ein wichtiges. Im Handwerk lauern mehr Gefahren als in anderen Berufen. Vorsorge für den Ernstfall ist unverzichtbar, zum Beispiel mit einer Risikolebensversicherung.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Safety first: Wer seine Familie schützen oder Vorsorge auch im Betrieb treffen will, sollte eine Risikolebensversicherung abschließen. - © remus20/Fotolia.com

Die Risikolebensversicherung (RLV) ist im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung in vielen Bereichen unverzichtbar – darin sind sich Finanzexperten und Verbraucherschützer einig. Wer sich als Handwerker selbstständig macht und/oder eine Familie gründet, stellt Karin Roller, Versicherungsberaterin bei der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg, klar, "der muss Vorsorge treffen" – und hier ist die RLV fast immer geeignet.

Unterschieden werden zwei Bereiche, die aber durchaus ineinander übergreifen können: Zum einen der private, wenn es darum geht, für den Todesfall die eigene Familie abzusichern, zum anderen der geschäftliche. Im Privaten ist es wichtig, das betonen alle Experten, nicht nur an den Haupt- oder Alleinverdiener zu denken, sondern auch an den Partner, der ganz oder überwiegend die Kinder versorgt.

Ein klassischer Denkfehler, der sehr oft passiert. "Denn auch und gerade wenn die Betreuungsperson ausfällt, entstehen Kosten", erläutert Klaus Himmel, Abteilungsleiter Produktmanagement bei der Versicherungsgruppe Münchener Verein, "zum Beispiel für externe Kinderbetreuung." Oder dadurch, dass der Hauptverdiener reduzieren muss.

Kosten laufen im Ernstfall ­weiter

Der zweite Bereich ist der betriebliche. Egal, ob es sich um einen Ein-Mann-Betrieb handelt, ob es mehrere Gesellschafter gibt oder Mitarbeiter beschäftigt werden. In allen Fällen laufen im Ernstfall erst einmal Kosten weiter. So kann es in größeren Betrieben beispielsweise notwendig sein, vorübergehend eine externe Geschäftsführung zu etablieren, in kleinen Betrieben geht es dagegen vielleicht eher darum, kreditfinanzierte Maschinen abzusichern.

Auch hierfür kann der Abschluss einer normalen RLV deutlich günstiger sein als eine klassische Ausfallversicherung, wie sie oft von Leasinggesellschaften und Banken gleich mitangeboten werden. Himmel: "Ein Konditionsvergleich lohnt sich in jedem Fall."

Police auf tatsächlichen Bedarf zuschneiden

Doch egal, ob es darum geht, für den privaten oder den beruflichen Bereich vorzusorgen. Wichtig ist immer, die Police exakt auf den tatsächlichen Bedarf zuzuschneiden, so noch einmal Verbraucherschützerin Roller. Das heißt, es müssen sowohl die richtige Versicherungssumme und Versicherungsform ermittelt werden als auch die passende Laufzeit.

Vor allem im Internet, weiß Roller, gibt es immer wieder Anbieter, die mit superbilligen Konditionen locken. Der Haken sei dann aber zumeist eine kurze Laufzeit. Das Problem dabei: Wer jung und gesund eine Versicherung abschließt, bekommt überall gute Konditionen. Ein etwa 30-jähriger Handwerker mit viel körperlicher Arbeit, der seine Familie über 25 Jahre mit 200.000 Euro absichern will, zahlt im günstigen Fall zwischen zehn und elf Euro, wie die Verbraucherzentrale ermittelt hat. Schwierig wird es, wenn erste Beschwerden auftreten. Wer dann überhaupt noch genommen wird, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Unverheiratete Paare sollten immer überkreuz abschließen

Dies ist auch der Grund, warum Roller Ehepaaren abrät, einen gemeinsamen Vertrag abzuschließen, der im Todesfall den jeweils anderen begünstigt. Stirbt ein Partner, endet dieser. Für den anderen kann dies dann aber bedeuten, dass er keine RLV mehr bekommt oder eben nur zu sehr schlechten Konditionen. Auch unverheiratete Paare müssen aufpassen: Aus steuer- und erbrechtlichen Gründen sollten sie immer überkreuz abschließen. Das heißt, Versicherungsnehmer und versicherte Person dürfen nicht identisch sein.

Allgemein gilt: Wer mit Familiengründung eine RLV abschließt, dem empfiehlt Roller für den Hauptverdiener eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren. Versicherungsmann Himmel rät zum Abschluss bis zum 60. Lebensjahr. Die Police für den Partner, die beispielsweise die Kinderbetreuung absichern soll, kann dagegen durchaus kürzer laufen. "Sind die Kinder aus dem Gröbsten raus, ist der Betreuungsbedarf deutlich geringer – und die Kosten sind es damit auch", so Roller.

Splitten ist oftmals angebracht

Und nicht zuletzt muss auch die Frage geklärt werden, ob alle Eventualitäten mit einer Police abgesichert werden können oder mehrere notwendig sind. Grundsätzlich, erläutert Roller, sei es durchaus möglich, mehrere Personen, also beispielsweise Geschäfts- und Ehepartner, mit einem Vertrag abzusichern. Da es aber verschiedene Policenformen gibt und beispielsweise für Kreditabsicherungen andere Konstrukte sinnvoller sind als für die Familie, ist eine Splittung jedoch oftmals angebracht. Hilfreich in jedem Fall: eine mit Vertragsabschluss vereinbarte Nachversicherungsoption. Steigt der Geldbedarf, wird dann keine gesonderte Gesundheitsprüfung mehr notwendig.

Wichtig bei allen Abschlüssen – auch dies betonen beide Experten: Die Gesundheitsfragen unbedingt ernst nehmen und im Zweifel noch einmal beim Hausarzt nachfragen. Wer hier absichtlich oder auch unabsichtlich falsche Angaben macht, geht im Ernstfall leer aus.

Die Risikolebensversicherung im Überblick

Anders als bei der Kapitallebensversicherung geht es bei der Risikolebensversicherung ausschließlich darum, für den Todesfall vorzusorgen. Die Versicherungssumme richtet sich nach der Summe, die im Ernstfall benötigt wird, um den Alltag sicherzustellen und mögliche Schulden begleichen zu können.

Wie ermittele ich die Versicherungssumme?
Bei Arbeitnehmern beträgt der Mindestbedarf drei Jahresnettoeinkommen des Erwerbstätigen. Mit dieser Summe ist sichergestellt, dass Geld für die Beerdigung da ist und zunächst das normale Leben weitergeführt werden kann. Wird privat ein Haus gebaut oder wurde Geld in den Betrieb investiert, muss die Summe entsprechend aufgestockt werden.
Selbständige machen eine Aufstellung der laufenden Kosten und eruieren, was im Ernstfall passiert: Welche Kosten lassen sich reduzieren, welche nicht. Was kostet es, wenn kurzfristig ein Spezialist beschäftigt oder Aufträge zurückgegeben werden müssen etc.

Welche Versicherungsform sollte ich wählen?
Für die normale Absicherung der Familie die klassische Police, bei der die Versicherungssumme über die Laufzeit gleich bleibt. Geht es um die Absicherung eines Darlehens, empfiehlt sich eine mit fallender Versicherungssumme.

Was kostet eine Risikolebensversicherung?
Die Beiträge der Risikolebensversicherung bestimmen sich nach der Form der Versicherung und den individuellen Risikofaktoren des Versicherungsnehmers. Neben beruflichen Risiken werden auch gesundheitliche berücksichtigt. Raucher oder Motoradfahrer zahlen höhere Bei­träge.

Wer erhält das Geld?
Der Empfänger kann frei bestimmt werden. Auch eine Splittung ist möglich.

Was, wenn ich die Beiträge nicht mehr zahlen kann. Kann ich kündigen?
Eine Kündigung ist immer zum Jahresende möglich. Bei monatlicher oder vierteljährlicher Zahlweise immer mit Frist von einem Monat zum nächsten Zahlungszeitraum. Möglich ist auch eine Betragsfreistellung, dann verringert sich zwar die Versicherungssumme, aber zumindest ein Teil bleibt erhalten.