Der 32. Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Prinz Poldi - und er läuft doch

"Jetzt fängt er sogar noch an zu laufen", lobte Jupp Heynckes den Prinz ohne Untertanen, Lukas Podolski, nach dem Spiel gegen Leverkusen - ein eher ungewöhnliches Kompliment für einen Stürmer. Weitere Erkenntnisse zum 32. Spieltag fasst Stefan Galler in seiner Kolumne zusammen.

Prinz Poldi - und er läuft doch

Meisterbetrieb: Der Monarch ohne Untertanen startet durch

Soso, kaum hat er wieder Oberwasser, plant der Prinz bereits die Thronfolge: Seine Durchlaucht Lukas Podolski, im Königreich Bayern bislang zumeist ein Monarch ohne Untertanen, wittert ausgerechnet in den letzten Tagen seiner Regentschaft Morgenluft. Beim 3:0 gegen Leverkusen legte er zwei Treffer auf und machte den dritten selbst, in den drei Partien unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes war Prinz Poldi an sechs der insgesamt acht Tore beteiligt.

Kein Wunder dass der Bald-Wieder-Kölner deshalb um keinen kecken Spruch verlegen ist. Auf die Frage eines Reporters, ob er noch einen Bruder hätte, den er in Bayern lassen könne, während er in die rheinische Heimat zurückkehrt, sagte Podolski cool: "Mein Sohn ist noch zu klein, aber in ein paar Jahren schicke ich ihn hierher.“ Na, da werden sich die Münchner Klubbosse aber freuen, wenn sie wieder so ein adliges Hätschelkind bekommen.

Poldis Hauptproblem unter Jürgen Klinsmann, seinem ehemaligen Mentor bei der Nationalelf, war nämlich vor allem, dass ihm keiner das Bäuchlein streichelte. Der Schwaben-Reformator war viel zu sehr mit sich und der Kritik an seiner Amtsführung beschäftigt. Don Jupp dagegen verfügt über deutlich mehr pädagogische Fähigkeiten, er umsorgt sein zartes Sturmpflänzchen wie ein umsichtiger Gärtner und lobte ihn nach dem Leverkusen-Spiel mit einem ungewöhnlichen Kompliment: "Jetzt fängt er sogar noch an zu laufen.“ Dass er sich nicht im Schneckentempo fortbewegt, setzt man bei einem Fußballspieler eigentlich voraus. Doch die launische Diva vom Rhein ist in vielen Punkten einfach anders.

Gesellenstück: Zwei Minuten Arbeit, sechs Punkte

Die Gladbacher wussten ja seit Sonntag und dem Spiel gegen Schalke wie das mit den Last-Minute-Siegen geht. Und deshalb haben sie am Mittwoch in Cottbus gleich noch einen nachgelegt und avancierten damit zum großen Sieger des Spieltags im Kampf um den Klassenerhalt. Abwehrspieler Brouwers hatte für das Dilletanten-Duell einen "schmutzigen Sieg“ gefordert und lag mit seiner Forderung prompt richtig: Dieses 1:0 war so verdreckt, dass selbst eine ganze Armee von Meister Propers keinen Glanz mehr ins Stadion der Freundschaft bekommen hätte.

Ein über weite Strecken dröger Kick zweier Teams, deren Liga-Tauglichkeit nur ein Sachverständiger mit Sehschwäche feststellen würde. Am Ende schert die Qualität des Matches im Gladbacher Lager keinen, nimmt man die beiden Schlussminuten am Sonntag und am Mittwoch, dann hat man mit 120 Sekunden Arbeitszeit die Punktemarke von 24 auf 30 geschraubt und besitzt nun eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die letzten beiden Spiele. Borussen-Trainer Hans Meyer hatte ja schon am Sonntag kundgetan, dass diejenigen, die auf sein Team im Abstiegskampf wetten, alles richtig machen würden. Wer wettet, dass Gladbach auch am Samstag in Leverkusen durch ein Last-Minute-Tor gewinnt, könnte ein reicher Mann werden.

Erstes Lehrjahr: Klopps Navi führt nicht nach Europa

Der eine Prinz ist plötzlich wieder voll im Geschäft – der andere muss schon zwei Spieltage vor Saisonschluss ins Exil. Kevin-Prince Boateng, schwer erziehbarer Schüler von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund, leistete sich beim 0:3 gegen die meisterlichen Wölfe eines der übelsten Fouls der Saison. Mit den Stollen seines rechten Schuhs traf er den Japaner Hasebe voll am Kopf, sah völlig zurecht Rot und wurde gleich mal für vier Spiele gesperrt.

Fraglich nur, ob er die überhaupt komplett abbüßen muss, denn es ist kaum anzunehmen, dass der BVB ihn auch im neuen Spieljahr weiterbeschäftigt und die von Tottenham geforderten fünf Millionen Euro Ablöse für den ausgeliehenen Problem-Balltreter berappen wird. Eher dürfte Boatengs zweites Bundesliga-Gastspiel nach einem halben Jahr schon wieder beendet sein. Und damit eine ganze Reihe von Verfehlungen ihren Abschluss finden: Fiese Tritte gegen Bayerns Klose und Schalkes Kristajic, dann die nächtliche Zechtour mit seinem früheren Hertha-Teamkollegen Patrick Ebert inklusive 13 abgetretener Autospiegel und nun auch noch dieser Kung-Fu-Tritt – Boatengs Polizeiliches Führungszeugnis platzt aus allen Nähten. Fragt sich nur, warum er nach dem Platzverweis in Klopps Armen bittere Tränen vergoss.

Und warum der Trainer nicht gleich mitweinte, schließlich endete in Wolfsburg eine sieben Siege lang anhaltende Erfolgsserie des BVB – und die Schwarz-Gelben verloren den Anschluss zu den internationalen Plätzen. Sozusagen kurz vor Europa falsch abgebogen. Mal sehen ob Klopp ein gutes Navi hat, um das zu korrigieren, schließlich geht’s auch für ihn um eine Menge: Im Fall der UEFA-Cup-Qualifikation soll er 100.000 Euro Prämie erhalten.

Zwei linke Hände: Passionsspieler ohne heilende Hände

In Bochum und zu Hause gegen den HSV müssen die Frankfurter Kicker in dieser Saison noch ran. Und diese beiden Partien könnten für die Hessen nochmal richtig hässlich werden, nachdem sie die Saison eigentlich schon abgehakt hatten. Denn irgendwie läuft bei der Eintracht im Ligaendspurt gar nix mehr, das zeigte sich beim 0:5-Scheibenschießen gegen Bremen am Mittwoch: Die höchste Heimniederlage seit 1991 kassierte das Funkel-Team, da das Hinspiel mit dem gleichen Ergebnis geendet hatte, hat man gegen Werder ein schlankes Gesamtresultat von 0:10 in dieser Spielzeit erwirtschaftet.

Das wird nur noch von Sporting Lissabons Doppel-Demontage in der Champions League gegen Bayern überboten. Da half auch nichts, dass die Frankfurter ihren Kapitän Amanatidis erstmals nach siebenmonatiger Verletzungspause auf die Bank setzten. Der könnte zwar optisch beim Passionsspiel den Jesus geben, Heilen durch Handauflegen hat er jedoch nicht im Repertoire. Und so muss die Eintracht hoffen, dass die Kellerkinder der Liga nicht noch aufbegehren in den letzten beiden Runden. Coach Funkel ist vom Klassenerhalt überzeugt. Woher er den Glauben nimmt? Hat sicher auch irgendetwas mit dem Passionsspiel zu tun.