Der 25. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Prinz Poldi macht wieder Peng

Als am Sonntagnachmittag um 17.20 Uhr die 2:3-Pleite von Leverkusen in Nürnberg amtlich war, stand fest, dass das Unentschieden zwischen Köln und den Bayern tags zuvor gleich eine ganze Reihe von Siegern hervorgebracht hatte. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

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Prinz Poldi macht wieder Peng

Meisterbetrieb: Der Prinz macht wieder Peng

Als am Sonntagnachmittag um 17.20 Uhr die 2:3-Pleite von Leverkusen in Nürnberg amtlich war, stand fest, dass das Unentschieden zwischen Köln und den Bayern tags zuvor gleich eine ganze Reihe von Siegern hervorgebracht hatte. Nicht nur den plötzlich wieder von ganz Fußball-Deutschland geherzten Lukas Podolski. Jener Poldi, den noch am Freitag eine seriöse Nachrichtenagentur als "Prinz Peinlich" bezeichnet hatte, weil er seiner Hauptaufgabe, dem Tore schießen, schon seit Monaten nicht mehr nachgekommen war und nach seiner unterirdischen Leistung im Länderspiel am Mittwoch gegen Argentinien gegenüber einem frotzelnden TV-Journalisten beinahe handgreiflich geworden wäre. Doch der Kölner Hoffnungsträger meldete sich ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub zurück, traf erstmals nach 1.425 torlosen Minuten und brachte die Bayern mit seinem Treffer an den Rand einer Niederlage.

Dass auch Bastian Schweinsteiger ein Gewinner der Punkteteilung sein würde, hatte der nach dem Spiel noch nicht ahnen können, als ihm fast jeder Reporter die nur bedingt intelligente Frage stellte, ob er sich für Kumpel Poldi recht doll freuen würde. Der stets höfliche Schweini hatte zwar weniger Mühe, nicht handgreiflich zu werden als Podolski am Mittwoch, aber er wirkte beileibe nicht wie einer, der gerade ein wichtiges Tor, nämlich jenes zum 1:1-Endstand, erzielt hatte. Die Bayern waren die gefühlten Verlierer – aber eben nur bis Sonntag, 17.20 Uhr.

Gesellenstück: Endlich verloren!

Ganz Leverkusen kann aufatmen: Durch die Niederlage vom Sonntag beim 1. FC Nürnberg steht fest, dass der als "Vizekusen" verspotteten Werkself die ganz große Demütigung erspart bleibt: Nämlich eine komplette Saison lang ungeschlagen zu bleiben – und am Ende doch nur Zweiter zu werden. Stattdessen haben die Bayer-Profis gleich noch den Vize-Platz geräumt und sich hinter Schalke auf Rang drei eingereiht – und zwar nur, damit nicht weiter blöde Sprüche kommen. Außerdem hat ein Psychologe schon vor 15 Jahren herausgefunden, dass olympische Bronzemedaillengewinner glücklicher sind als mit Silber dekorierte Athleten. Fairerweise muss den Leverkusenern aber doch noch einer sagen, dass nur Meister und Vize direkt für die Champions League qualifiziert sind. Sie haben es aber auch wirklich nicht leicht, die Rheinländer. In der vergangenen Saison noch am internationalen Geschäft vorbeigeschrammt und zudem Verlierer im Pokalfinale, spielt Bayer in diesem Spieljahr eine ungleich stärkere Rolle.

Dennoch hacken alle auf der Heynckes-Elf herum, der designierte Nationaltorwart heißt im Volksmund nur noch "Flatter-Adler" und Stephan Kießling, dessen Trefferquote zuletzt deutlich nachgelassen hat, wird als "Trifft-Nix-Mehr" verspottet, dabei führt er die Liste der besten Liga-Torjäger immer noch an. Also einfach cool bleiben, liebe Leverkusener, und volle Kraft voraus zur Vizemeisterschaft. Und bei allem Spott an folgendes denken: 16 Konkurrenten würden sich über Rang zwei freuen. Wenn ihr’s nicht glaubt, fragt doch mal nach – zum Beispiel bei Hertha BSC.

Erstes Lehrjahr: Senegalese im Schneesturm

Der arme Papiss Demba Cissé! Beim Spiel zwischen zwei der schlechtesten Mannschaften der Liga war er der schlechteste – nämlich derjenige, der das Spiel entschied – durch ein Eigentor hinten und zwei vergebene Tausendprozentige vorne. Das klingt nach einem, der bei der Mannschaftswahl auf dem Schulhof immer als Letzter genommen wird, doch in Wahrheit ist der Neu-Freiburger ein richtig guter Kicker: Nationalspieler Senegals, in dieser Saison in 27 Pflichtspielen für Metz und Freiburg schon elffacher Torschütze. Vielleicht lag es aber auch am Wetter, denn bis in Durchgang zwei ein heftiger Schneesturm einsetzte, war beim Kellerduell zwischen den Breisgauern und Hannover 96 nicht viel los. Erst als es an der Dreisam ein bisschen nach Weltuntergang aussah, fingen die dem Untergang Geweihten endlich an, Fußball zu spielen. Dass dann ausgerechnet ein Senegalese, der den Winter früher nur aus Büchern kannte, zum Loser des Tages wurde, war vielleicht gar kein Zufall.

96-Trainer Mirko Slomka konnte sein Glück jedenfalls kaum fassen, schließlich hatte er seine ersten sechs Spiele mit den Niedersachsen allesamt verloren, weshalb seine Ablösung angeblich schon unmittelbar bevorstand. Die Spieler wussten teilweise schon gar nicht mehr, wie es ist zu gewinnen, seit dem elften Spieltag wartete Hannover auf einen Sieg. Ein Glück für Slomka und seine Roten, dass es Papiss Demba Cissé gibt.

Zwei linke Hände: Jung-Pfeife unter Druck

Uiuiui, jetzt wird’s aber richtig brenzlig im DFB-Hauptquartier: Die Nationalmannschaft präsentiert sich drei Monate vor der WM in unterirdischem Zustand, Bundestrainer Löw samt Entourage und der Führungszirkel des Verbandes haben sich nach gescheiterten Vertrags­verhandlungen nichts mehr zu sagen – und nun droht dem bereits ziemlich ins Straucheln geratenen Präsidenten Zwanziger auch noch eine spektakuläre Wende im unappetitlichen "Sex-Skandal" um Jung-Pfeife Kempter und seinen ehemaligen Förderer Amerell. Es sieht nämlich mehr und mehr danach aus, als ob die Avancen mitnichten einseitig vom Senior ausgegangen sind, sondern vielmehr das Schiri-Talent ziemlich empfänglich auf das Werben seines Ausbilders reagiert hat. Sie scheinen, wenn man der Echtheit der von Amerell veröffentlichten Mails glaubt, ja auch einige gemeinsame Interessen zu haben, die beiden skandalösen Herren: Etwa schwarze Tangaslips unter weißen Sporthosen – das mag nicht jedermanns Sache sein, in gewissen Kreisen ist es offenbar der letzte Schrei.

Und dann gibt es da noch etwas, worin sich Kempter und sein väterlicher Ex-Freund einig zu sein scheinen: Beide zählen offenbar zur großen Gruppe der Bayern-Hasser, anders ist die ebenfalls per Mail ausgedrückte Hoffnung Kempters, die Münchner mögen gegen Milan aus der Champions League fliegen, kaum zu deuten. Darauf wollte der angeblich bedrängte Pfifferling mit dem rotgelockten Mentor anstoßen. Das dürfte es dann endgültig mit der Karriere des Jünglings gewesen sein: Wenn einer für Gerechtigkeit auf dem Fußballplatz zuständig ist, darf keine Antipathie gegen einen Verein öffentlich werden, schon gar nicht gegen die Bayern. Und so hat Amerell wohl recht, wenn er sagt, dass Kempter der erste Fifa-Schiedsrichter sein wird, der kein einziges internationales Spiel pfeift. "Er kann das Fifa-Emblem nur auf seinem Schlafanzug tragen." Es drängt sich der Verdacht auf, dass Amerell eine genaue Vorstellung davon hat, wie dieser Pyjama aussieht.