Preiswert, aber mit Einschränkungen

Einsteigertarife in die private Krankenversicherung können eine günstige Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung sein. Vollversicherung sind sie jedoch nicht

Von Elke Pohl

Heilpraktiken und andere Sonderleistungen sind oft nicht im Leistungskatalog der Einsteigertarife enthalten.Foto: ddp

Preiswert, aber mit Einschränkungen

Private Krankenkassen gelten häufig als teuer, was besonders für Existenzgründer und Selbstständige anfangs durchaus problematisch ist. Allerdings gibt es bei den Privatversicherern günstige Einsteigertarife, die oft mehr Leistungen bieten als die gesetzlichen Krankenkassen.

Option auf Wechsel in Vollversicherung ist wichtig

Trotz gleicher oder zum Teil besserer Leistungen liegt der monatliche Beitrag für sogenannte Einsteiger- oder Grundschutztarife bei privaten Krankenkassen (PKV) häufig deutlich unter denen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Vor allem Freiberufler und Selbstständige, die die Beiträge zur Gesundheitsvorsorge allein tragen müssen, können davon profitieren, da sie als freiwillige Mitglieder in der GKV deutlich mehr als Pflichtversicherte bezahlen.

Derzeit gilt: Der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung als selbstständig Tätiger berechnet sich anhand der durchschnittlichen monatlichen Einnahmen und beträgt 14,3 Prozent, bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze von 3.750 Euro. Wer über weniger als 1.916,25 Euro Monatseinkommen verfügt, hat besonders das Nachsehen, weil diese Summe als beitragspflichtige Mindesteinnahme angesetzt wird. Für Selbstständige gibt es zudem keine Zugangsbeschränkung zur PKV, das heißt, sie müssen mit ihrem Einkommen nicht oberhalb der Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 4.162,50 Euro wie Angestellte liegen. Während Beiträge in der GKV auf der Basis des Einkommens berechnet werden, orientiert sich die PKV an dem persönlichen Risikoprofil. Abhängig vom Eintrittsalter und Gesundheitszustand kann der berechnete monatlich fällige Betrag durchaus unter dem der gesetzlichen Krankenversicherung liegen. Das spricht natürlich für einen möglichst frühzeitigen Einstieg in jungen Jahren und bei guter Gesundheit.

Die privaten Versicherer bieten entweder abgespeckte Vollversicherungstarife für Kunden, die sofort einsteigen können, oder Zusatzversicherungstarife für all jene, die derzeit noch im gesetzlichen System verbleiben müssen, aber gern schon den ersten Schritt in Richtung private Absicherung machen möchten. In beiden Fällen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass eine Option geboten wird, die eine spätere Erweiterung der Leistungen bzw. den Einstieg in die Vollversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung ermöglicht. Das ist wichtig, da man zum einen bis dahin älter wird und sich zudem der Gesundheitszustand verschlechtern kann, was normalerweise zu Risikozuschlägen beim Beitrag führt.

Wer einen Grundschutz wählt, sollte sich darauf einstellen, dass er zwar Privatpatient ist, aber eben doch kein vollwertiger. Denn die Krankenversicherer haben natürlich nichts zu verschenken. Der geringere Preis schlägt sich entsprechend in Einschränkungen auf der Leistungsseite nieder. Anders als in echten Vollversicherungstarifen sind vor allem Heilpraktiken und Psychotherapien in der Regel nicht versichert. Außerdem beinhalten sie häufig das Primärarztprinzip - nur bei Ernstkonsultation des Hausarztes gibt es vollständigen Ersatz der Leistungen - und einen niedrigeren Erstattungssatz. Hinzu kommen Abstriche im stationären Bereich - Stichworte Chefarztbehandlung und Einbettzimmer - und geringere Leistungen bei Zahnersatz, die aber dennoch meist über denen der gesetzlichen Versicherer liegen, weil auch hochwertiger Zahnersatz erstattet wird. Wunder können von diesen Tarifen also nicht erwartet werden, aber als Einstieg und vor allem wegen ihrer Optionen sind sie dennoch eine Überlegung wert.

Durch Bonifikationen den
Preis drücken

Ein Beispiel für einen Optionstarif für noch gesetzlich Krankenversicherte ist der Tarif „Joker“ der Hallesche Krankenversicherung. Hier kann der Kunde aus verschiedenen „Schutzbriefen“ - Krankenhauswahl, Pflegetagegeld, Zahnersatz, Gesundheit (Brille, Zahnersatz, Ausland u.a.) - auswählen. Zusätzlich kann er für 5 Euro monatlich die Option einkaufen, den Vertrag innerhalb von zehn Jahren, spätestens bis zum 49. Geburtstag, in eine Vollversicherung umzustellen - ohne erneute Gesundheitsprüfung. Die Signal Iduna bietet im Rahmen ihrer Produktlinie „Privat“ die klassischen Einsteigertarife „Start“ und „Start-Plus“. Heilpraktiker- und Psychotherapiebehandlung sind bei beiden ausgeschlossen, „StartPlus“-Kunden können - allerdings nur nach einem Unfall - ein Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung beanspruchen. Zahnersatz ist bei „Start“ bis 75 Prozent, bei „Start Plus“ bis 90 Prozent der Kosten mitversichert. Der Selbstbehalt pro Jahr beträgt 480 Euro, für unter 20-jährige 240 Euro. Beide Tarife beinhalten ein Umstellungsrecht in höherwertigere Vollversicherungen, das der Kunde 36 oder 72 Monate nach Versicherungsbeginn wahrnehmen kann, ohne erneute Gesundheitsprüfung. Für Start muss ein 30-jähriger Mann gut 150 Euro, eine gleichaltrige Frau knapp 193 Euro monatlich bezahlen.

Bereits diese Beispiele zeigen, dass die Bedingungen und Leistungen der Tarife sich doch erheblich voneinander unterscheiden. Daher sollte genau geprüft werden, welche Leistungen für den Versicherten wichtig sind und auf welche er verzichten kann und möchte. Ein Blick in die „Bedingungswerke“ (Versicherungsbedingungen) ist daher unumgänglich.