Preise drücken Löhne

Realeinkommen der Zahntechniker um rund 30 Prozent gesunken. Nachwuchs bleibt aus

Frank Muck

Zahntechnische Labore kämpfen mit dem Preisdruck. Die teilweise sehr schlechte Bezahlung hält den Nachwuchs davon ab, eine Ausbildung als Zahntechniker zu absolvieren. Foto: imago

Preise drücken Löhne

Inzwischen ist Markus Bongartz mit seinem Gehalt zufrieden. Der 30-jährige Zahntechniker hat gerade seine Meisterprüfung abgelegt und für den praktischen Teil seiner Arbeit den Klaus-Kanter-Preis ein Förderpreis für Jungmeister bekommen. In seinem Lehrbetrieb verdient er jetzt 3.500 Euro brutto. Bongartz weiß aber auch, dass es längst nicht alle Zahntechniker so gut haben. „Meine Kollegen kriegen teilweise 1.200 Euro netto“, sagt er. Obwohl sie schon fünf Jahre Gesellen sind.

Eine Folge staatlicher Eingriffe

Bongartz’ Erfahrungen bestätigen einen von der Zeitschrift „stern“ veröffentlichten Einkommensvergleich für die 100 gängigsten Berufe. Die Reallöhne der Zahntechniker sind demnach in den Jahren zwischen 1980 und 2008 um 32 Prozent gesunken. Mit 1.930 Euro liege der Monatsverdienst im Jahr 2008 sogar um 10 Euro niedriger als 1990. Das berichtet der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI). Die Entwicklung deckt sich mit Erhebungen des Verbandes. Der VDZI hat für 2008 einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 1.981 Euro ermittelt. Das entspreche einem Anstieg der Monatslöhne von jährlich 0,5 Prozent in den vergangenen 15 Jahren. Inflationsbereinigt wäre damit der reale Monatslohn der Zahntechniker um 25 Prozent gesunken.

Der VDZI weiß um das Problem der Lohnentwicklung. Sie sei die Folge staatlicher Eingriffe in die „Anbindung der zahntechnischen Preisentwicklung an branchenfremde Vorgaben“, so der VDZI. Die Preise der Zahntechnik hätten sich seit 1992 kaum verändert. Dadurch sei es der Branche wirtschaftlich nicht möglich gewesen, angemessene Lohnerhöhungen vorzunehmen. Der Druck auf die Preise lasse durch ausländische Konkurrenz, den Wettbewerb untereinander und Selektivverträge der Krankenkassen mit bestimmten Zahnärzten nicht nach.

Bei einem solch niedrigen Lohnniveau werde es für die Betriebe immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu halten und Auszubildende zu gewinnen. Nach Angaben des Referats Betriebswirtschaft beim VDZI ist die Zahl der Lehrlinge in der Zeit von 1997 bis 2008 von 13.782 auf 6.104 zurückgegangen und hat sich damit mehr als halbiert. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe von 7.200 auf 8.000 gestiegen. Viele Angestellte mit Meisterbrief machten sich selbstständig, auch um auf diesem Weg ihren Verdienst aufzubessern.

Aufgrund des Preisdrucks versuchen die Betriebe, ihre Lohnkosten entsprechend niedrig zu halten. Der Anteil der Personalkosten liege immerhin bei 55 bis 60 Prozent. Erschwerend für die angestellten Gesellen und Meister kommt hinzu, dass es keine Arbeitnehmervertretung gibt, die verbindliche Löhne aushandelt. Löhne sind also für Chef und Mitarbeiter frei verhandelbar. Infolgedessen ist das Lohngefüge in der Branche sehr heterogen. Umgekehrt sei ein Mindestlohn oder ein tariflich vereinbarter Lohn für viele Betriebe der sichere Tod.

Neuorientierung gefordert

Der Verband gibt lediglich Richtwerte für eine angemessene Bezahlung aus. In einem Positionspapier zur Zahnersatzversorgung setzt sich der VDZI außerdem für eine Orientierung der Preise an der Inflation und der Kostenentwickling der Branche ein. Bisher ergeben sich die Preise nach den §§ 57 und 71 im Sozialgesetzbuch V, die bundeseinheitliche Durchschnittswerte zugrundelegen. Die Labore sollen durch eine Neuausrichtung der Leistungsvergütung wieder in die Lage versetzt werden, konkurrenzfähige Löhne zu zahlen.

Markus Bongartz hätte sich für seine Lehre oder seine Gesellenzeit schon gerne mal eine Arbeitnehmervertretung gewünscht, wie er sagt. Mittlerweile wisse er jedoch, was er kann. Und als ausgezeichnete Fachkraft kann er ohnehin eine gewünschte Bezahlung viel einfacher vereinbaren.