Schon als Kind war Sascha Bauer von Holz fasziniert – eine Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet. Gemeinsam mit Daniel Pauli brachte er im Oktober 2024 das Nachschlagewerk "The Joinery Compendium" heraus – eine Hommage an die Handwerkskunst und die Geschichte der Holzverbindungen.

"Das Buch ist das Ergebnis von mehr als zwei Jahrzehnten Beobachtung, Praxis und Forschung", sagt Bauer. "Wir wollten eine Brücke schlagen zwischen Tradition und der Notwendigkeit, nachhaltiger zu bauen und zu leben."
Vom Schreiner zum Architekten
Bauer kam 1985 in Stuttgart zur Welt und wuchs in einer Handwerkerfamilie auf. Sein Vater leitete einen Betrieb für Sanitär- und Heizungsbau, und schon früh entdeckte Sascha seine Freude am Reparieren und Tüfteln. "In unserem Haushalt galt immer: Was kaputtgeht, wird repariert und nicht einfach weggeworfen", erinnert er sich. Nach dem Abitur entschied er sich für eine Schreinerlehre. "Ich wollte die Grundlagen des Handwerks wirklich verstehen, bevor ich mich intensiver mit der Theorie beschäftige", sagt Bauer.
Verständnis für Materialien und Technik
Diese Ausbildung legte den Grundstein für seine spätere Karriere als Architekt und als Inhaber des Architektenbüros Studio Cross Scale in Stuttgart. Besonders prägend war die interdisziplinäre Zusammenarbeit: "Als Architekt hilft mir das Handwerkswissen heute enorm. Ich kann die Herausforderungen der Gewerke besser verstehen und von Anfang an partnerschaftlich mit ihnen arbeiten." Ein weiterer Schwerpunkt in Bauers Arbeit ist die Denkmalpflege. Projekte wie die Sanierung eines denkmalgeschützten Verlagsgebäudes am Stuttgarter Feuersee erfordern nicht nur städtebauliches und architektonisches Geschick, sondern auch ein tiefes Verständnis für historische Materialien und Techniken. "Denkmalpflege ist für mich eine spannende Herausforderung. Es geht darum, alte Strukturen in die Gegenwart zu holen und ihnen gleichzeitig eine Zukunft zu geben", erklärt Bauer.

Vom Handwerksbetrieb in die Welt
Bauers Begeisterung für die Vielfalt der Holzverbindungen wurde auf seinen Weltreisen weiter genährt. Nach seiner Schreinerlehre zog es ihn nach Neuseeland, wo er als Schreiner arbeitete und erlebte, wie regionalspezifisch Techniken und Materialien sind. "Die Werkzeuge und Methoden passen sich an die Umgebung an. Genau das macht die Arbeit mit Holz so spannend", erzählt er. 2014 unternahm Bauer eine zweite Weltreise, diesmal auf dem Landweg von Sankt Petersburg bis Singapur und weiter nach Australien. Dort absolvierte er mit einem Stipendium einen zweiten Masterabschluss in "Urban and Cultural Heritage". "Diese Reise hat meinen Blick auf Stadt, Architektur und Handwerk grundlegend verändert. Sie hat mir gezeigt, wie eng Gebäude, Menschen und ihre Kultur miteinander verbunden sind", sagt er.
In Englisch, Japanisch und Deutsch
Mit "The Joinery Compendium" schufen Bauer und Pauli eine beeindruckende Sammlung von über 400 Holzverbindungen aus aller Welt, mit einer erstmaligen Terminologie in Englisch, Japanisch und Deutsch. Das Besondere: Diese Verbindungen kommen ohne Schrauben oder Klebstoff aus. "Das macht sie nicht nur funktional, sondern auch nachhaltig und inspirierend", erklärt Pauli. Bauer ergänzt: "Die traditionelle Bauweise zeigt, wie ressourcenschonend man arbeiten kann, ohne auf Stabilität oder Ästhetik zu verzichten." Das Buch bietet neben technischen Zeichnungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen Raum für eigene Notizen. Es dient als Inspiration für Handwerker, Designer und Architekten gleichermaßen.
Überall erhältlich, wo es Bücher zu kaufen gibt: ISBN: 978-3-944074-52-8