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Regelungen im Überblick Praktikanten einstellen: Das gilt rechtlich

Ein Praktikum - viele Jugendliche nützen jedes Jahr diese Möglichkeit, einige Wochen in einen Beruf reinzuschnuppern. Doch bevor es soweit ist, stellt sich häufig die Frage nach den rechtlichen Regelungen - von Ansprüchen des Praktikanten über den Vertrag bis zur Sozialversicherung.

Viele Handwerksbetriebe ermöglichen es Jugendlichen, in ihr Gewerk reinzuschnuppern. Gerade Jugendliche mit schlechten Noten haben so die Möglichkeit, sich in der Praxis zu beweisen. Und nicht wenige Unternehmen haben dadurch selbst schon einen Auszubildenden gefunden. Doch welche Formalitäten sind bei Praktika einzuhalten?

Wann sollte man einen Praktikumsvertrag abschließen?

Egal ob Pflicht- oder freiwilliges Praktikum – eine gesetzliche Verpflichtung einen schriftlichen Praktikumsvertrag aufzusetzen, haben Arbeitgeber nicht. Dennoch ist er immer empfehlenswert, da er Klarheit über Aufgaben, Rechte und Pflichten schafft. "Die Erfahrung zeigt: Beide Seiten fahren mit einem Praktikumsvertrag in der Regel besser", sagt Christopher Nolte, Rechtsberater bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Was sollte im Praktikumsvertrag stehen?

Arbeitgeber sollten im Vertrag zunächst die Praktikumsdauer und die wöchentliche Arbeitszeit festlegen. Auch die Vergütung und den Urlaubsanspruch sollten sie dort regeln. "Damit keine Unklarheiten entstehen, macht es außerdem Sinn, schon in den Vertrag mitaufzunehmen, wie sich die Praktikanten verhalten sollen, wenn sie krank sind", rät Nolte. Außerdem sei eine Zusatzklausel sinnvoll, die festschreibt, dass das Praktikum nach dem vereinbarten Zeitraum automatisch endet.

Praktika dienen meist dem Zweck, einen bestimmten Beruf oder Betrieb kennenzulernen. Daher sollte im Vertrag stehen, in welchen Bereichen der Praktikant eingesetzt werden und welche Fähigkeiten er während des Praktikums erlernen soll. So bekommt der Praktikant jedoch im Normalfall durch seine Arbeit auch Betriebsinterna mit. Rechtsberater Nolte empfiehlt daher, eine Verschwiegenheitsklausel einzufügen.

Auf was hat ein Praktikant Anspruch?

Gerade in Handwerksbetrieben sind viele Praktikanten noch unter 18 Jahren. Für sie gilt grundsätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz. Auf was ein Praktikant darüber hinaus Anspruch hat, ergibt sich aus der Form des jeweiligen Praktikums.  Unterschieden wird dabei zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika.

Bei freiwilligen Praktika gilt:

  • Bezahlung: Praktikanten, die ein freiwilliges Praktikum machen, haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. Die ist definiert als "eine finanzielle Hilfe zum Bestreiten des Lebensunterhaltes". Ausgenommen davon ist nur, wer ein sehr kurzes Praktikum macht – in der Regel also weniger als einen Monat. Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns haben Praktikanten, die länger als drei Monate in einem Betrieb arbeiten Recht auf einen Stundenlohn von 8,50 Euro.
  • Urlaub: Bei freiwilligen Praktika haben Jugendliche zudem Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub. Derzeit liegt er bei 20 Tagen im Jahr, wenn der Praktikant an fünf Tagen die Woche arbeitet. Da Praktikanten in der Regel weniger als zwölf Monate im Betrieb arbeiten, wird ihr Urlaubsanspruch anteilig berechnet – für jeden Monat also ein Zwölftel. Auch hier gilt: Ist der Praktikant nur sehr kurz im Betrieb, entfällt sein Anspruch auf bezahlten Urlaub.
  • Kündigen: Eine Besonderheit gibt es bei den Regelungen zur Kündigung. Während der Praktikant mit Mindestfrist von vier Wochen kündigen kann, darf das der Arbeitgeber nur aus wichtigem Grund.
  • Praktikumszeugnis: Am Ende des Praktikums haben Jugendliche Anspruch auf ein einfaches Zeugnis . Zwar ist der Arbeitgeber nicht in der Pflicht auch ein qualifiziertes Praktikumszeugnis auszustellen, doch nur das bringt auch dem Jugendlichen etwas.

Gute Pratikanten finden

Praktika bieten Schülern die Chance, sich über Berufe zu informieren und einen ersten Einblick in die Arbeitswelt zu gewinnen. Für Unternehmen sind die Praktika eine Gelegenheit sich und ihre Arbeit zu präsentieren und Kontakte zu möglichen Nachwuchskräften zu knüpfen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt jetzt als Partner das Portal Schuelerpraktium.de, mit dessen Hilfe interessierte Schüler und Unternehmen zueinander finden. Aktuell bietet das Portal 9.000 Praktikumsplätze an, pro Tag greifen im Schnitt 4.000 Besucher auf das Portal zu.

Unternehmer können sich kostenlos auf der Seite registrieren und Ihre Praktikumsstellen anbieten.

Weitere Informationen: www.schuelerpraktikum.de.

Pflichtpraktika

Bei Pflichtpraktika hat der Jugendliche solche Ansprüche nicht. Weder ist gesetzlich vorgeschrieben, dass er Lohn bekommen muss, noch hat er Anspruch auf Urlaub. Falls Betriebsinhaber Praktikanten dennoch etwas zahlen und diese krank werden, haben sie keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Vorgeschrieben ist lediglich, dass sie eine Praktikumsbescheinigung für Schule oder Universität erhalten müssen.

Welche Versicherungspflichten bestehen?

Auch hier unterschiedet der Gesetzgeber nach freiwilligen und Pflichtpraktika. Ob Sozialversicherungspflicht besteht oder nicht, entscheidet sich außerdem danach, ob das Praktikum vergütet und wie hoch die Vergütung ist. Die Regelungen dazu sind jedoch teils komplex. "Eigentlich ist bei der Frage, ob Sozialversicherungspflicht besteht, immer eine Einzelfallprüfung nötig", sagt Nolte.

Bei Pflichtpraktika besteht grundsätzlich jedoch zunächst keine Versicherungspflicht für Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung. Erhält der Praktikant aber eine Vergütung von mehr als 450 Euro monatlich, kann sich das ändern. Alle Praktikanten müssen zudem unfallversichert sein – entweder über die Schule, wenn das Praktikum in Verantwortungsbereich der Schule liegt oder durch den Arbeitgeber.

Rat von Kammern und Krankenkassen holen

Bei freiwilligen Praktika muss der Arbeitgeber die Jugendlichen vor allem dann bei der Sozialversicherung melden, wenn das Praktikum vergütet ist. Von der Arbeitslosenversicherung sind Praktikanten allerdings befreit. Für die Zahlung der Beiträge gibt es die gleichen Regelungen wie für andere Arbeitnehmer.

Anderes gilt für Ferienpraktika: Ein vollzeitschulpflichtiger Jugendlicher darf maximal vier Wochen im Jahr ein Praktikum machen. Er ist daher nicht versicherungspflichtig, selbst wenn er vom Betrieb bezahlt wird. Doch auch hier können die Regelungen mit der Höhe der Vergütung variieren. Wenn der Praktikant älter als 18 ist und innerhalb eines Jahres  länger als zwei Monate in Betrieben mitarbeitet, ist er häufig ebenfalls versicherungspflichtig.

"Hier kann man nur raten", sagt Nolte jedoch, "wenn sich Betriebsinhaber nicht sicher sind, sollten sie sich an die Krankenkasse oder die Handwerkskammer wenden".

Praktikanten und Arbeitsschutz

Wenn Schüler während ihrer Ferien ein Praktikum absolvieren, um Erkenntnisse und Erfahrungen für eine spätere Berufswahl zu sammeln, sind sie während dieser Zeit bei der Berufsgenossenschaft gesetzlich unfallversichert. Wie die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) mitteilt, ist die BG aber nicht zuständig, wenn es sich um ein Schüler-Pflichtpraktikum handelt. Auch hier bestehe ein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz. Zuständig sei dann aber die Unfallkasse des Bundeslandes, in dem die Schule liegt, so die BGN.

Aus Gründen des Arbeitsschutzes gelten für Minderjährige folgende Regeln: Jugendliche sollten täglich nicht mehr als acht Stunden beziehungsweise zehn Schichtstunden und maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten.

Es gilt grundsätzlich die Fünf-Tage- Woche. Samstag und Sonntag sind arbeitsfrei. Ausgenommen sind Branchen mit besonderem Arbeitsrhythmus wie z. B. das Gastgewerbe.

Grundsätzlich dürfen die Jugendlichen nur zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten. Auch hier gelten für Branchen mit besonderem Arbeitsrhythmus andere Maßstäbe. So dürfen im Bäckerhandwerk 16-Jährige bereits um 5 Uhr, 17-Jährige bereits um 4 Uhr mit der Arbeit anfangen.

Einen Überblick, wer bei betrieblichen Praktika für den Versicherungsschutz zuständig ist, bietet die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in der Broschüre Leitlinie Bildungsmaßnahmen auf den Seiten 24 und 25.

sch/bst

Dieser Artikel wurde am 24. Oktober 2016 aktualisiert.

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