Vor dem heißen Draht zittern ihm die Knie. Der deutsche Meister im Gabelstaplerfahrer, Jörg Klößinger, beobachtet genau, wie seine Konkurrenten den Parcours bewältigen. Mit ruhiger Hand müssen sie einen Ring am Gabelstapler entlang eines Metalldrahtes führen. Für jede Berührung gibt es zehn Strafsekunden. Nur die Schnellsten kommen eine Runde weiter.
Schließlich setzt sich Klößinger hinters Steuer: Er fährt den Parcours in seiner persönlichen Bestzeit. Die anderen Fahrer brauchen zum Teil eine halbe Minute länger. Alle sind Profis. Ihr tägliches Brot ist die Logistik in Unternehmen – auf den Zentimeter genau. Denn in den zum Teil engen Ladebereichen in Werkstätten oder Brauereien müssen Gabelstaplerfahrer präzise arbeiten.
"Das ist ein anspruchsvoller Job, denn die Fahrer stehen den ganzen Tag unter Druck", sagt Andreas Wening. Der technische Leiter beim Kabelwerk Helukabel in Windsbach ist stolz auf seinen Mitarbeiter Klößinger. "Bei uns stehen häufiger drei bis fünf LKWs auf dem Hof, die gleichzeitig geladen werden wollen. Da gehört schon Gelassenheit dazu, das jeden Tag mit Sorgfalt zu tun, damit nichts kaputtgeht", erklärt Wening, der jedem Unternehmen empfiehlt, seine Mitarbeiter zur Teilnahme am bundesweiten Stapler-Cup zu ermutigen.
Für Sicherheit sensibilisieren
Die deutschen Meisterschaften unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums geben den rund 350.000 Staplerfahrern in Deutschland die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Die regionalen Vorentscheide sind als Feste für die Familie organisiert. Die Wettkämpfe selbst sollen für die Sicherheit beim Staplerfahren sensibilisieren. Denn einige Betriebe lassen ihre Mitarbeiter ohne entsprechenden Führerschein das Logistikgerät lenken – zum Teil mit schweren Unfallfolgen. Ein Führerschein ist für die bundesweit rund 2.000 Fahrer beim Stapler-Cup dagegen eine Teilnahmevoraussetzung. Das Fachwissen brauchen sie für den Wettkampf auch. Denn schon in der Vorrunde müssen sie einen schriftlichen Test mit Fragen aus der Führerscheinprüfung beantworten. Dabei berechnen die Fahrer zum Beispiel die zulässige Traglast in bestimmten Situationen.
Logistik DHZ 15 IIAuch bei den praktischen Übungen steht die Sicherheit im Vordergrund. Bei den Übungen wie Torwandschießen per Stapler oder Gitterbox-Rondell müssen Lasten in unterschiedlicher Stabilität und Schwere über einen Parcours zu einem bestimmten Punkt transportiert werden. Wer die Sicherheitsvorschriften miss-achtet, wird mit Zeitstrafen im Ranking nach hinten geworfen. Verliert ein Stapler beim Basketball den Ball, muss er erst parken, die Gabel runterfahren und den Motor abstellen, bevor er ihn wieder holen darf. Auch das Fahren ohne Sicherheitsgurt oder außerhalb der markierten Bereiche wird nicht toleriert – für jedes Vergehen gibt es zehn Strafsekunden und nur die Schnellsten kommen in die nächste Runde.
Jörg Klößinger aus Petersaurach bei Nürnberg schaffte es schon in der Vorrunde, seine Zeiten aus dem Vorjahr deutlich zu unterbieten. Gesondert trainiert für den Wettbewerb hat der Titelverteidiger dafür nicht – sein Arbeitsalltag mit einer relativ niedrigen Lagerhalle sei anspruchsvoll genug. Den Führerschein als Gabelstaplerfahrer machte Klößinger während seiner Lehre als Schlosser. Schnell entdeckte er, wie viel Spaß ihm das Verladen macht: "Staplerfahren liegt mir." Mit den 60 besten Fahrern aus den regionalen Vorentscheidungen wird er vom 20. bis 22. September 2012 in Aschaffenburg um den Titel des deutschen Meisters kämpfen.
