Rund 200 Kernkraftgegner beteiligten sich an Protestaktion Polizei räumt Blockaden am AKW Brokdorf

Die Polizei hat am späten Samstagnachmittag Blockaden von Umweltschützern am Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein geräumt. Beamte trugen oder drängten die rund 200 Demonstranten von der Straße und nahmen anschließend ihre Personalien auf. Festnahmen oder Verletzungen habe es nicht gegeben, sagte Polizeisprecher Michael Baudzus der Nachrichtenagentur dapd.

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Polizei räumt Blockaden am AKW Brokdorf

Brokdorf (dapd). Die Polizei hat am späten Samstagnachmittag Blockaden von Umweltschützern am Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein geräumt. Beamte trugen oder drängten die rund 200 Demonstranten von der Straße und nahmen anschließend ihre Personalien auf. Festnahmen oder Verletzungen habe es nicht gegeben, sagte Polizeisprecher Michael Baudzus der Nachrichtenagentur dapd. Nach seinen Angaben waren zwei Hundertschaften an dem Einsatz vor den AKW-Toren beteiligt.

Nach der Räumung verließen Beschäftigte in Bussen das Kraftwerksgelände, eine neue Schicht fuhr in das Kraftwerk ein. Das AKW Brokdorf ist seit Mittwoch vorübergehend zur Jahresrevision abgeschaltet. Für die Arbeiten, die knapp drei Wochen dauern sollen, hat der Betreiber E.ON auch zahlreiche Arbeitskräfte von außerhalb verpflichtet.

Die Atomkraftgegner waren am Samstagmorgen von ihrem Protestcamp nahe der Ortschaft Wewelsfleth zum Atomkraftwerk gezogen und hatten vor beiden Toren Sitzblockaden gebildet. An einer Zufahrt stellten die Demonstranten zudem eine Pyramide aus drei Stangen auf die Straße, eine Aktivistin hängte sich in die rund fünf Meter hohe Konstruktion.

Baudzus sagte, die Blockaden seien zunächst als Versammlung gewertet und geduldet worden. Erst nachdem absehbar geworden sei, dass Beschäftigte am Betreten oder Verlassen des Kraftwerksgeländes gehindert werden sollten, seien die Beamten eingeschritten. Der Polizeisprecher bewertete das Verhalten der Demonstranten insgesamt als "sehr friedlich".

Zu der Blockade hatte die Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer" aufgerufen. Sie begründete die Protestaktion mit den ihrer Ansicht nach unzureichenden Beschlüssen der Bundesregierung zum Atomausstieg. Danach sollten sechs Atomkraftwerke, darunter auch Brokdorf, erst in zehn oder elf Jahren abgeschaltet werden. Dies sei "viel zu spät".

"X-tausendmal quer" hatte die zunächst für Pfingsten angekündigte Blockade in Brokdorf um eine Woche verschoben, nachdem der AKW-Betreiber E.ON den Beginn der Revision nach hinten verlegt hatte. Das Bündnis "Block Brokdorf", das ebenfalls für das Pfingstwochenende zu Blockaden aufgerufen hatte, sagte seine Protestaktion dagegen ganz ab. Am Pfingstsonntag hatten stattdessen etwa 400 Kernkraftgegner das AKW Brokdorf symbolisch umzingelt. Die Demonstranten wollten am Abend darüber beraten, ob die Blockaden am Sonntag fortgesetzt werden sollen.

dapd