Ifo-Chef Sinn Politik nimmt Bankenkrise nicht ernst genug

Der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, warnt vor einer Unterschätzung der Bankenprobleme. "Die Politik nimmt dieses Thema nicht ernst genug."

Politik nimmt Bankenkrise nicht ernst genug

Sinn betonte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Banken bräuchten Soforthilfen in Form von staatlichem Eigenkapital. Er verwies auf Untersuchungen und Prognosen, nach denen weltweit erst ein Viertel der notwendigen Abschreibungen auf Finanzprodukte realisiert worden seien. "Das heißt: Wir haben den größten Teil des Weges noch vor uns."

Die Banken schraubten ihr Geschäftsvolumen immer weiter hinunter, damit es in der richtigen Proportion zum Eigenkapital stehe. Dadurch werde die Kreditklemme immer intensiver. Über 50 Prozent der Großunternehmen erklären nach den Worten von Sinn bereits, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiv sei.

Der Finanzwissenschaftler mahnte, Deutschland könne dieses Problem nicht dadurch lösen, "dass jetzt der Staat die Kredite vergibt, sondern nur dadurch, dass der Staat die Banken wieder funktionsfähig macht". Die Banken benötigten staatliche Eigenkapitalhilfen, für die es zwei Wege gebe. Entweder man schenke den Banken das Geld, oder der Staat erhalte als Ausgleich Aktien. "Meines Erachtens kommt nur der zweite Weg in Frage" sagte Sinn und forderte "offene und ehrliche temporäre Beteiligungen des Staates".

ddp