Arbeitsmarkt Politik glaubt an Vollbeschäftigung

Angesichts der weiteren Entspannung am deutschen Arbeitsmarkt halten immer mehr Politiker Vollbeschäftigung für möglich. Grund ist die positive Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt im März.

Politik glaubt an Vollbeschäftigung

"Ich möchte, dass kein Bürger im Land länger als ein Jahr arbeitslos ist. Vollbeschäftigung wäre damit erreicht", sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) und kündigte eine Optimierung der Jobvermittlung an.

"Arbeitsmarktreformen tragen Früchte"

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) führte die gute Entwicklung auf die zurückliegenden Reformen zurück. "Die Arbeitsmarktreformen der Vergangenheit tragen jetzt Früchte", sagte Glos. Sie hätten neben der wirtschaftlichen Dynamik und den günstigen Witterungsbedingungen ganz maßgeblichen Anteil am Beschäftigungsaufschwung. Auch er sieht Deutschland auf dem Weg zur Vollbeschäftigung, wie er am Wochenende in einem Interview gesagt hatte. Schließlich entstünden täglich rund 1.400 neue Arbeitsplätze.

3,5 Millionen Arbeitslose im März

Die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen sank im März gegenüber Februar um rund 110.000 auf 3,507 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresmonat sei das ein Rückgang um 617.000. Die Arbeitslosenquote fiel gegenüber Februar von 8,6 Prozent auf 8,4 Prozent. "Die Arbeitsmarktentwicklung wird weiter von der guten Konjunktur getragen", begründete BA-Chef Frank-Jürgen Weise den weiteren Rückgang. Die Beschäftigung wachse weiter und die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften bleibe auf hohem Niveau. Eine Entspannung sei im März aufgrund der einsetzenden Frühjahrsbelebung üblich. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Rückgang der Arbeitslosen wegen des insgesamt milden Winters jedoch etwas schwächer aus, hieß es. Dass die Zahl im März trotzdem so deutlich gesunken sei, sei ein Beleg dafür, dass der Arbeitsmarkt weiter von der konjunkturellen Entwicklung getragen werde.

Weise bekräftigte seine Prognose, wonach im Jahresdurchschnitt mit einer Arbeitslosenzahl von 3,5 Millionen zu rechnen ist. Ob eine Vollbeschäftigung erreichbar sei, hänge von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab. "Statistisch könnte man sagen, Vollbeschäftigung ist ein Ziel, das ins Auge kommt", sagte Weise. So könnte rechnerisch im September, Oktober oder November die Drei-Millionen-Grenze erreicht werden. Für 2009 erwarte Weise eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes. So werde es weder dramatische Rückgänge an Arbeitslosigkeit noch einen hohen Aufbau an Beschäftigung geben.

Rückenwind erhielt die Politik von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Ich begrüße und unterstütze ausdrücklich, dass auch die Politik das Ziel 'Vollbeschäftigung' wieder als realisierbar anerkennt und verfolgt", sagte BDA-Präsident Dieter Hundt.

Frank Gundermann, Ralf Beunink/ddp