Ob Demografie, Nachhaltigkeit oder Smart Home – viele Themen werden auf der BAU 2015 vorgestellt. Beton wird immer weiter entwickelt und ist längst nicht mehr der einzige Baustoff. Die spannendsten Neuigkeiten lesen Sie hier.
Jessica Baker

Die Weltweite Leitmesse der Baubranche zeigt, was Rohstoffhändler, Handwerker und die Forschung bewegt. Von höhenverstellbaren Küchen bis zu Dämmsystemen aus Hanf ist alles präsent. Barrierefreies Wohnen, intelligente Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit sind einige der spannendsten Themen in diesem Jahr.
1. Energie und Ressourceneffizienz
Der Umgang mit Energie und Ressourcen ist eines der großen Zukunftsthemen, auch im Baubereich. Nachhaltige Baustoffe, innovative Technologien für das Recycling von Materialien oder intelligenten Softwaretools für die Planung energieeffizienter Gebäude spielen eine immer größere Rolle.
Carbon als effizienter Bauwerkstoff
Ein Beispiel für einen effizienten Baustoff ist Carbon. Beim neuen Verbundwerkstoff Carbonbeton werden anstelle von Stahl feste hochsteife und dabei leichte Carbonfasern zur Verstärkung des Betons verwendet. Carbonbeton ist nicht nur langlebiger als Stahlbeton, sondern auch effizienter, weil die starken Betonaußenschichten zum Schutz der Stahlbewehrung nicht mehr notwendig sind. Durch die hohe Festigkeit können die Bauteile aus Carbonbeton wesentlich filigraner gestaltet werden.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Carbon auch nach Jahren nicht an Festigkeit verliert. Aufgrund der guten Temperaturbeständigkeit lassen sich Bauteile herstellen, die widerstandsfähiger gegen hohe Temperaturen sind als Bauteile mit anderen Bewehrungsmaterialien.Der Preis für Carbonfasern ist allerdings vergleichsweise hoch.
In den nächsten zehn Jahren sollen mindestens 20 Prozent der Stahlbewehrung durch Carbonbewehrung bei Neubauten ersetzt werden kann. In Asien gibt es bereits Gebäude aus Carbonbeton.
Carbon für robuste Oberflächen

Drei Unternehmen, die mit Carbon arbeiten, sind Caparol, alsecco und Lithodecor. Ihre Fassadendämmsysteme sind extrem robust und die Oberflächen, nach eigenen Angaben, bis zu 70 Joule belastbar. Dies zeigten sie auch mit einer Hagelschussmaschine am Stand unter Beweis. Aber auch andere Materialien, wie Hanf, werden hier zu Dammwänden verarbeitet.
Ein weiteres Beispiel sind Türen aus Thermo-Carbon. Die Firma Hörmann stellt diese her. Sie sind leicht, bietet hohen Wärmeschutz und hohe Einbruchsicherheit. Das flächenbündige Aluminium-Türblatt der Thermcarbon Haustür hat eine Stärke von 100 mm und ist damit dicker als ein Aktenordner. Trotz dieser großen Masse ist die Tür ganz leicht zu bewegen, denn die Leichtbaustoffe Aluminium und Carbon-Glasfaser sorgen für eine hohe Wärmedämmung und Stabilität bei minimalem Gewicht.
Neue Potenziale für Beton
Wegen seiner Formbarkeit, seiner Beständigkeit und seine Verarbeitungseigenschaften ist Beton beliebt. In ihm steckt aber noch viel mehr Potential, wie einige Aussteller auf der BAU zeigen.
Intelligenter Beton
Beim "Smart Beton" werden ganze Betonflächen zu einem riesigen interaktiven Touchscreen, mit dem man Licht und andere elektronische Geräte steuern kann.Der Beton erkennt und lokalisiert intuitive Gesten wie Wischen oder Tippen, eine Kontrolleinheit verarbeitet diese zu Steuerbefehlen.
Dass die Kombination aus hartem Beton und sensible Elektronik funktioniert, zeigt ToucheCrete. In dem Forschungsprojekt werden Kombinationen von Materialien wie Holz, Gips, Papier und Beton mit Sensor-Aktor-Systemen untersucht. TouchCrete erlaubt die Ausbildung ganzer Wand- und Bodenflächen mit diesem Prinzip. So lässt sich beispielsweise Licht- und Steuerungstechnik vollständig in Boden und Wände integrieren.
Grüner Beton
Wird Beton mit Zusätzen, wie Flugasche und Hochofenschlacke oder speziellen Zusatzmitteln wie beispielsweise Glenium versehen, entsteht daraus „Grüner Beton“. Den Greens Sense Concret hat die BASF entwickelt. Dieser Beton ist deutlich umweltfreundlicher als herkömmlicher Beton.
Da dieser Beton in der Produktion etwas teurer ist als herkömmliche Baustoffe, wird er bisher nur selten eingesetzt. Dabei benötigt Green Sense Concrete, laut Hersteller, bei der Herstellung 30 Prozent weniger Energie, verursacht 37 Prozent weniger Kohlendioxid und verbraucht 35 Prozent weniger Rohstoffe. Eines der bekanntesten Bauwerker, in dem dieser Beton bereits verbaut wurde, ist das One World Trade Center in New York.
2. Intelligente Stadtentwicklung
Bereits im Jahr 2025 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Deren Planung, Bau und Betrieb ist für alle Beteiligten eine Herausforderung, die gemeinsam angegangen werden muss.
Nano im Bau
Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Stadtbild von morgen. Wie werden Gebäudehüllen aussehen und welches Potenzial hat „Intelligente Urbanisierung“? Mehrere Fraunhofer Institute arbeitet in zahlreichen Projekten an diesem Themengebiet.
Eines der Projekte beschäftigt sich mit Nanotechnologie. Sie ermöglicht eine saubere und "selbstreinigende" Oberfläche auf Fassaden-, Dächern- und im Fensterbau. Selbst die Hygiene kann, laut den Wissenschaftlern, durch Nanotechnologie verbessert werden: Nanosilberpartikel als Beimischung zu Gebäudefarben können Oberflächen dauerhaft antimikrobiell ausrüsten.
Auch das Wachstum von Schimmelpilzen, Algen und Bakterien wird mit Nanotechnologie verhindert. Auf den Einsatz von Bioziden kann dadurch verzichtet werden. Unangenehme Gerüche und Schadstoffe lassen sich durch nanoporöse Materialien reduzieren. In Gips- oder Holzspanplatten eingebracht, verbessert Nanomaterial die Raumluft.
Textile Architektur
Nicht nur traditionelle Baumaterialien, wie Stein, Holz oder Beton werden auf der BAU vorgestellt. Auch mit Membranen wird gebaut. Sie sind einer der Trendbaustoff der Zukunft. Mit ihnen lassen sich leichte und freitragende Bauten umsetzen, die vergleichbaren Glaskonstruktionen in Preis und Flexibilität überlegen sind. Bekannt sind die Allianz-Arena in München oder das National Aquatics Center (»Water Cube«) in Peking.

Wie textile Architektur praktische umgesetzt werden kann, zeigt die Sonderschaue "Textile Architektur", die in einem transparenten Zelt zwischen den Messehallen aufgebaut ist. Einer der Aussteller ist Mehler Texnologies. Das Unternehmen hat gerade das Konya Stadion in der Türkei fertiggestellt. Die Fassade besteht aus großen grünen und weißen Membran-Dreiecken.
3. Menschen und Gebäude
Wie kann komfortables und generationengerechtes Bauen für Jung und Alt mit energieeffizienten zukunftsorientierten Lösungen kombiniert werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) schon seit Jahren. In einem extra angefertigten Haus stellen Marcus Sauer und seine Kollegen vor, was heutzutage an barrierefreien und intelligenten Bauweisen möglich ist.
Im ersten Raum steht eine Küche mit höhenverstellbaren Schrankelementen. Auf einem kleinen Touchpad lässt sich der Schrank mit der Spüle nach oben fahren und wieder nach unten, je nachdem, wie groß die Person ist, die aktuell kochen möchte. Per Smartphone oder Tablet-PC lassen sich auch die Musik und die Rollläden bedienen.
Intelligente Betten und Lampen

Im Schlafzimmer steht ein Bett, dass automatisch registriert, wann der Mensch aufwacht und das Licht einschaltet. Dies geschieht über einen intelligenten Drucksensor, der merkt, wenn sich die Gewichtsbelastung ändert. So können durch ein Funksignal unter anderem Licht, Heizung, Klimaanlage oder der Fernseher gesteuert werden. "Das ist hilft zum Beispiel älteren Menschen, die nachts kein Licht anmachen, wenn sie auf Toilette gehen. So wird es automatisch hell", sagt Sauer.
Nebenan, im Arbeitszimmer, steht eine Lampe mit sogenanntem "biologischem Licht". Sie verströmt unterschiedliches Licht über den Tag verteilt, morgens und abends rot und in der Powerphase blau. Das Licht kann durch eine App reguliert werden und passt sich dem individuellen Tages- und Nachtrhythmus an.
Großer Bedarf an barrierefreien Wohnungen
„All dies, was wir hier zeigen, ist bereits technisch umsetzbar“, erklärt Sauer. Oft scheitere es jedoch noch am Verkäufer. Ein Schreiner verstehe beispielsweise manchmal nicht, wie die Technik in einer intelligenten Wohnungstür funktioniert.Der Elektriker schon, aber der könne keine Türe schreinern. Ferner sei die Technik momentan auch noch recht teuer für private Wohnungsbesitzer, so Sauer.
570.000 barrierefreie Wohnungen gibt es momentan in Deutschland. Der Bedarf liegt aber, laut Sauer, bei etwa zehn Millionen. Interessant seien die Anwendungen aber auch für Pflegeheime und andere Einrichtungen, in denen ältere Menschen wohnen.
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