Täuschend echte Plagiate Plagiarius 2016: Negativ-Preis für dreisteste Produktfälschungen

Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen ist ebenso lukrativ wie erfolgreich. Wie dreist die Fälscher dabei vom Diebstahl geistigen Eigentums profitieren zeigt der Schmähpreis Plagiarius.

Platz 1 geht an die Brillenfassung "ARLES". Links das Original der Meyer Brillenmanufaktur aus Saarbrücken. Rechts die Fälschung, ebenfalls aus Deutschland. Die Fassung der MOM GmbH aus Rathenow sieht dem Original täuschend ähnlich. - © Aktion Plagiarius e.V.

Das Geschäft mit Plagiaten boomt. Und die Dreistigkeit der Fälscher kennt dabei fast keine Grenzen. Original und Fälschung sind beinahe nicht voneinander zu unterscheiden. Auch beim ersten Platz des Plagiarius ist auf den ersten Blick alles gleich. Die Brillenfassung "ARLES" wurde 2016 mit dem Schmähpreis ausgezeichnet.

Original und Fälschung aus einem Ort

Im Falle des zweitplatzierten Produkts – einer Verschlusstechnik für Tore - kommen Hersteller von Original und Kopie sogar aus derselben Gemeinde. Dies sei nicht ungewöhnlich, heißt es bei der Aktion Plagiarius, die den Negativ-Preis seit 1977 vergibt. Denn häufig seien Firmen aus einer Branche auch in einer bestimmten Region ansässig. Auch beim drittplatzierten Plagiat haben die Fälscher "ganze Arbeit" geleistet. Der in China kopierte Pfannkuchen-Wender einer tschechischen Firma unterscheidet sich lediglich durch ein kleines Logo auf der Verpackung vom Original.

Die Schäden die den Originalherstellern durch die Fälschungen jährlich entstehen sind enorm. Deshalb soll der Negativ-Preis "Plagiarius“ dabei helfen, die Schäden durch Fälschungen in das öffentliche Licht zu rücken. Denn die Produkt- und Markenpiraterie hat sich zu einer der gravierendsten Formen der Wirtschafskriminalität entwickelt. Allein 2014 haben die EU-Zollbehörden knapp 36 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von mehr als 617 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt.

Bereits zum 40. Mal wurde 2016 deshalb der gefürchtete Schmähpreis an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen und Fälschungen verliehen.

Auch die Verbraucher sind gefragt

Allerdings sind nicht zuletzt auch die Kunden für den Erfolg von Plagiaten mitverantwortlich. In einer im Dezember 2015 veröffentlichten Studie befragte die Beratungsgesellschaft Ernst & Young deutsche Unternehmer und Verbraucher zum Thema Produkt- und Markenpiraterie. Demnach scheinen bei Verbrauchern Plagiate und Fälschungen akzeptiert. Fast jeder zweite Konsument gab an, bereits ein gefälschtes Produkt gekauft zu haben. 55 Prozent der Befragten wusste beim Kauf sogar, dass es sich um ein Plagiat handelte. Vor allem der niedrige Preis im Vergleich zum Original lässt die meisten Kunden zugreifen.

Allerdings sind Original und Fälschung nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich. "Verbraucher dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben. Denn viele Fälscher setzen nach wie vor auf schnelle Gewinnmaximierung, verwenden deshalb minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitäts- und Sicherheitskontrollen und produzieren unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen“, so die Aktion Plagiarius dhz