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Pisa-Test 2018 Pisa-Studie offenbart große Leseschwächen bei Jugendlichen

Zum zweiten Mal in Folge gehen die Leistungen deutscher Schüler beim Pisa-Test zurück. Deutschland kann sich zwar international im oberen Mittelfeld behaupten, doch der Abstand zur Weltspitze ist groß. Mit Sorge blickt das Handwerk auf den wachsenden Anteil leseschwacher Schüler.

Fast zwei Jahrzehnte nach dem großen "Pisa-Schock" und dem anschließenden Aufwärtstrend zeigt die Leistungskurve der deutschen Schüler wieder eindeutig nach unten. Im internationalen Pisa-Vergleichstest schnitten die Deutschen in allen drei Testbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter ab als drei Jahre zuvor. Schon damals hatten sich die Werte in zwei Bereichen verschlechtert. Deutschland liegt zwar weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. "Mittelmaß kann aber nicht unser Anspruch sein", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Handwerk fordert engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern

Es sei zwar positiv, dass sich die Leistungen deutscher Schüler über dem Niveau des OECD-Durchschnitts stabilisiert haben, kommentierte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Ergebnisse. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Fünftel der Fünfzehnjährigen in Deutschland höchstens die Kompetenzstufe 1 im Lesen erreicht, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Mit Sorge blickt er auf den wachsenden Anteil leseschwacher Schüler an nicht gymnasialen Schularten. "Eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern ist zwingend geboten, um bereits in der allgemeinbildenden Schule die Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildung und weitere Bildungskarriere zu legen."

Beim Lesen gerade einmal Grundschulniveau

Der Pisa-Test machte erneut deutlich, dass es in Deutschland einen besonders starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Erfolg in der Schule gibt. Jeder fünfte 15-Jährige erreicht beim Lesen gerade einmal Grundschulniveau oder scheitert in Mathematik und Naturwissenschaften an einfachen Aufgaben. Die neuen Zahlen wurden 2018 erhoben und jetzt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgestellt.

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Seit dem Jahr 2000 werden dafür alle drei Jahre weltweit hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. Dieses Mal nahmen rund 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern teil, in Deutschland knapp 5.500. Es war die mittlerweile siebte Runde.

Pisa-Studie 2018: Das wurde getestet

Im aktuellen Pisa-Test ging es schwerpunktmäßig um die Lesekompetenz. In Deutschland - so wie auch in allen anderen OECD-Staaten - schnitten die Mädchen dabei deutlich besser ab als die Jungen. In Mathe sind die Jungen vorne. Bei den Naturwissenschaften sehen die Autoren in Deutschland keine Unterschiede. Jeder fünfte 15-Jährige in der Bundesrepublik erreicht beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.

Estland und Finnland schneiden am besten ab

Die deutschen Schüler erzielten in den drei Teilbereichen jeweils etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Untersuchung, die 2016 veröffentlicht worden war. Die Pisa-Verantwortlichen der OECD verwiesen zwar darauf, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin auf einem guten Niveau lägen. In Mathematik und Naturwissenschaften sei Deutschland sogar deutlich besser als der Durchschnitt der OECD-Länder. Dennoch müsse die Bundesrepublik ihre Begeisterung für Bildung und Kompetenzen erneuern und ihren Reformgeist wieder auf den Weg bringen, sagte OECD-Vizegeneralsekretär Ludger Schuknecht.

Unverändert groß bleibt Deutschlands Abstand zur Spitzengruppe. Dort haben sich europäische Länder wie Estland und Finnland festgesetzt - und vor allem asiatische Länder und Metropolregionen. dpa/fre

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