Commerzbank-Chef Blessing muss sich bei der Hauptversammlung teils wüste Beschimpfungen anhören "Phrasendrescher und Faktenverdreher"

"Personifizierte Wertevernichtung", "Hütchenspielertricks", "Phrasendrescher und Faktenverdreher" - Commerzbank-Chef Martin Blessing musste sich bei Hauptversammlung der Commerzbank auch in diesem Jahr teils wüste Beschimpfungen anhören.

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"Phrasendrescher und Faktenverdreher"

Frankfurt/Main (dapd). "Personifizierte Wertevernichtung", "Hütchenspielertricks", "Phrasendrescher und Faktenverdreher" - Commerzbank-Chef Martin Blessing musste sich bei Hauptversammlung der Commerzbank auch in diesem Jahr teils wüste Beschimpfungen anhören. Dabei konnte der Banker am Freitag in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst doch stolz darauf verweisen, dass sein Institut ein Jahr früher wieder in die Gewinnzone gekommen ist als vorgesehen.

Doch weder das minderte die Wut zahlreicher Aktionäre, noch die guten Zahlen aus dem ersten Quartal 2011 oder die Aussicht, dass die Bank nach einer gigantischen Kapitalerhöhung den allergrößten Teil der Stillen Einlagen des Bundes zurückzahlen kann und damit wieder mehr Bewegungsfreiheit gewinnt. Der Mehrheit der zahlreichen Redner äußerte sich kritisch bis höchst ablehnend.

Nur wenige Aktionäre freilich drückten sich so drastisch aus wie der Münchner Richard Mayer, der Blessing als "totale Null" betitelte und als "Totengräber der Commerzbank-Aktionäre" und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller gleich mit einschloss. "Scheren Sie sich zum Teufel", wünschte Mayer.

Mehrere Redner forderten, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen und zweifelten auch die guten Zahlen vom Jahresbeginn an. Sie seien durch Bilanztricks geschönt, meinte Karl-Walter Freitag. "Sie werden nie ein erfolgreicher Vorstand sein", hielt er Blessing vor. Blessings Wissen um Aktien und Aktionärspsychologie "passt wahrscheinlich auf das Format einer Briefmarke", sagte der Vertreter einer Gruppe von Einzelaktionären.

Die Wut der Commerzbank-Kleinaktionäre speist sich immer noch aus der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008. Diesen Schritt machten die Redner dafür verantwortlich, dass die Commerzbank in der Finanzmarktkrise unter die Räder kam und sie bei abstürzenden Aktienkursen massive Verluste einstecken mussten.

Da machte die Rückzahlung der Stillen Einlagen die Aktionäre nicht glücklicher: Die Ausgabe von mehreren Milliarden neuer Aktien verwässert den Wert ihrer Papiere - schließlich müssen künftige Gewinne unter mehr Anteilseigner aufgeteilt werden. Zudem vermuteten einige Redner als wichtigste Motivation für den Schritt, dass Blessing und seine Vorstandskollegen damit vor allem die Kappung ihrer Gehälter auf 500.000 Euro im Jahr loswerden wollten.

Doch es gab auch kritische Zustimmung. Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf Klaus Nieding der Commerzbank-Führung zwar kollektiv Managementfehler vor, weil alle Mitglieder dem Kauf der Dresdner Bank zugestimmt hätten. Und da der Bund auch nach Rückführung der Stillen Einlage die Sperrminorität halte, werde die Bank "auch weiter nach Herrn Schäubles Pfeife tanzen müssen".

Dennoch stimme die DSW der Kapitalerhöhung zu. "Wir haben keine andere Wahl", sagte Nieding. Angesichts der Beteiligungsverhältnisse sie die Mehrheit ohnehin sicher.

Bei einer Anwesenheitsquote von 47,42 Prozent waren die Verhältnisse klar: Der Bund als größter Einzelaktionär und die Allianz, die ebenfalls Zustimmung angekündigt hatte, konnten die Kapitalmaßnahmen absegnen.

dapd