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NRD berichtete über "Tricks bei Bau und Handwerk" Pfusch am Bau? Handwerker mit versteckter Kamera getestet

Der NDR wollte den Tricks bei Bau und Handwerk auf die Schliche kommen. Der große Skandal blieb aus, stattdessen überzeugten die meisten Handwerker mit solider Arbeit. Was die Sendung auch zeigte: Manche Handwerker erfüllen leider immer noch Klischees, was das Gesamtbild der Branche trübt.

Es gibt Sendungen, über deren Titel man sich nach dem Ansehen wundern muss. "Die Tricks bei Bau und Handwerk" im NDR war so eine. Der geneigte Zuschauer vermutete zunächst hinterlistige Volten, Lug und Betrug. Doch was Reporter Jo Hiller in der 45-minütigen Sendung begegnete, war entweder schlicht Pfusch, oder aber sogar gute Arbeit, letztere vor allem bei einem durchgeführten Handwerkertest. Da war es nur folgerichtig, dass die Stimme aus dem Off gleich zu Beginn davon sprach, dass "manche Baufirmen" so unzuverlässig und "einige Handwerker" so mies seien. So richtig aufs textliche Gaspedal traute man sich dann wohl doch nicht zu steigen.

Die Spurensuche beginnt in einer Neubausiedlung in Schleswig-Holstein. Dort begegnet Hiller einigen Bauherren und deren Problemen. Ein Haus steht zu tief, in einem anderen musste die Gästetoilette neu gebaut werden, weil sie versetzt angebracht worden war. Ein dritter Bauherr wurde durch die Insolvenz der Baufirma in den Gartenarbeiten gebremst, hohe Mehrkosten inklusive.

Die heftige "Sanierungs-Falle"

Weil der richtige Skandal aber offenbar noch fehlt, macht sich der Reporter unter dem Motto "Die Neubau-Falle" auf nach Sarstedt bei Hannover. Dort wurde der Traum vom Haus für eine junge Familie zum Alptraum. Anstatt angepeilter sieben Monate wartet die Familie schon zwei Jahre darauf, dass alles fertig wird. Es sei immer wieder zu Verzögerungen gekommen, der Anwalt der Familie vermutet, dies sei dadurch bedingt, dass die Firma und die beauftragten Handwerker in zwei Stunden Entfernung vom Bauort säßen. Doch das bleibt Spekulation, und die Firma beteuert ihrerseits, dass die Verzögerungen durch Änderungswünsche der Bauherren zustande kamen. Am Ende bleibt offen, wer nun die Schuld trägt, und der Zuschauer zuckt nur mit den Schultern. Auch einige Baumängel, die noch aufgeführt werden, machen nicht klar, worin die Misere generell begründet liegt.

Nach ein paar Tipps zur Vertragskündigung bei Bauverträgen geht es also weiter zum nächsten Fall, einer Bestandimmobilie, die renoviert werden sollte, der "Sanierungs-Falle" - und die ist heftig. 180 Eisenstützen im Haus eines Ehepaars am Plöner See in Schleswig-Holstein zeugen von gravierenden Mängeln, die Statik ist bedroht, der wundervolle Ausblick wirkt schon fast zynisch. Mehr als 300 Baumängel gibt es, aufgeschlagene tragende Wände, fünfeinhalb Jahre Stillstand. Doch vor Gericht tut sich nichts, weil die Baufirma querschießt und das Verfahren verzögert. Angesichts der Vielzahl gravierender Probleme wundert man sich, wie es dazu kommen konnte, es scheint unmöglich, dass das Zufall ist. Aber eine stichhaltige Erklärung gibt es erneut nicht. Der Fall bleibt für sich stehen, wird nicht eingebettet in weitere Recherchen, etwa bei der Baufirma. So reiht sich Einzelfall an Einzelfall.

Pfusch am Bau? Handwerker werden getestet

Für Reporter Hiller allerdings Grund genug, jetzt Handwerker mit versteckter Kamera zu testen, er nennt das vollmundig "Die Handwerker-Falle". Der konkrete Bezug zu den Baumängeln bleibt zwar relativ unklar, doch Handwerkertests gehen ja bekanntlich immer. Also ruft der Reporter, nachdem er noch schnell die gängigen Handwerker-Vorurteile bei Passanten in der Fußgängerzone eingeholt hat - "unpünktlich", "schlechte Arbeiten" - bei Handwerkern aus der Region und Vermittlungsdiensten an.

Zuerst sind die Dachdecker dran. Mithilfe des Landesinnungsmeisters der Dachdeckerinnung Niedersachsen werden sie unter die Lupe genommen. Das Fallrohr wird verstopft, eine Dachpfanne zerstört. Der erste gerufene Dachdecker verspätet sich, und als er auch Stunden nach dem ausgemachten Termin nicht kommt, gibt Hiller auf. Peinlicher Start. Doch der zweite, ein Meister aus dem Nachbardorf, braucht nur Sekunden, um die Fehler sogar von unten zu erkennen und Abhilfe zu versprechen. Das Urteil des Experten: "Super, Glückwunsch". Zwei weitere gerufene Dachdecker allerdings erscheinen ebenfalls nicht, was der Experte kritisiert. Da fehlten ihm die Worte. Fazit: Der Meisterbetrieb ist in diesem Fall das Maß aller Dinge, aber die Termintreue trübt das Gesamtbild.

Nun lässt Hiller eine Terrassentür präparieren - der Flügel wird abgesenkt - und ruft Tischler an, die diese durch einfaches Einstellen reparieren sollen. Und siehe da: Zwei der drei Handwerker erledigen das im Handumdrehen, nur einer hat sowohl das falsche Werkzeug als auch offenkundig wenig Ahnung. Einer der Erfolgreichen freut sich sogar, dass er seine Kunst im Fernsehen zeigen konnte. Der Experte diesmal, Obermeister der Tischlerinnung im Kreis Segeberg, ist ebenfalls ganz angetan. Der planlose Handwerker sorge zwar für einen schlechten Ruf - aber insgesamt ist der Obermeister "sehr zufrieden". Und er gibt einen Tipp: Man solle der Mund-zu-Mund-Propaganda vertrauen, Nachbarn fragen, wenn man einen guten Handwerker finden wolle. Da ist was dran.

Erkenntnisarme Sendung

Und weil dann noch etwas Sendezeit übrig ist, geht es in den letzten sieben Minuten noch um Formaldehyd in Spanplatten. Hohe Werte gebe es da, nach neuen Messverfahren sogar deutlich über den Grenzwerten. Was dies nun mit den Baumängeln und den Handwerker-Tests zu tun hat - auch diese Frage bleibt am Ende offen, wie so viele im Verlauf dieser Sendung, der ein Roter Faden nicht geschadet hätte. Immerhin: Die Handwerker, die beim Test erschienen, beherrschten zum größten Teil ihr Metier - und das ist ja schon mal eine nicht ganz unwichtige Erkenntnis einer ansonsten eher erkenntnisarmen Sendung mit nur wenig Tiefgang.

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