Pflegeverbände haben ein neues Konzept zur Messung und Bewertung der Pflegequalität vorgelegt. Das bestehende Notensystem soll nach dem Willen des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) und des Arbeitgeber- und Berufsverbands Privater Pflege (ABVP) durch Qualitätsberichte ersetzt werden, die von den Pflegeeinrichtungen selbst erarbeitet werden.
Pflegeverbände fordern neues Prüfsystem für Qualität in der Pflege
Berlin (dapd). Pflegeverbände haben ein neues Konzept zur Messung und Bewertung der Pflegequalität vorgelegt. Das bestehende Notensystem soll nach dem Willen des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) und des Arbeitgeber- und Berufsverbands Privater Pflege (ABVP) durch Qualitätsberichte ersetzt werden, die von den Pflegeeinrichtungen selbst erarbeitet werden. Die Berichte der Einrichtungen sollen stichprobenartig überprüft werden.
Seit 2009 gibt es in Deutschland ein Notensystem zur Bewertung von Pflegeeinrichtungen. Es geriet aber in die Kritik, weil gute Noten für ein hübsches Zimmer oder lesbare Essenspläne schlimme Mängel bei der eigentlichen Pflege und bei der Ernährung der Patienten auf dem Papier wettmachen können. Eine Einigung auf ein besseres System scheiterte im vergangenen Jahr, weil VDAB und ABPV aus den Verhandlungen ausstiegen, Einstimmigkeit aber erforderlich gewesen wäre.
Bonato: Pflegerealität zu komplex für Noten
Die Verbände halten das aktuelle Prüfsystem nicht für geeignet, das zu messen, was es messen solle. "Die Realität ist so komplex, dass man das nicht in Noten darstellen kann", sagte der Pflegewissenschaftler Marcellus Bonato am Mittwoch in Berlin. Er hatte in den vergangenen Monaten eine Kommission der beiden Verbände sowie unabhängiger Experten zur Erarbeitung von Pflegegütekriterien geleitet. Auch die stellvertretende Bundesvorsitzende des VDAB, Petra Schülke, beklagte, es gehe bei dem bestehenden System vorrangig darum, die Prüfer zufriedenzustellen.
Die Bonato-Kommission schlägt nun vor, ein Prüfsystem zu etablieren, das sich an Methoden orientieren solle, die bereits im Krankenhaus- und im Rehabereich etabliert seien. Die Kriterien sollen einem Modellprojekt folgen, das Klaus Wingenfeld vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld erarbeitet hat. Diese sollen jedoch nur eine Grundlage bilden und weiterentwickelt werden. "Wofür wir jetzt den Grundstein legen wollen, ist ein lernendes System", sagte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling.
Nach den Vorschlägen der Pflegeverbände sollen die Pflegeeinrichtungen zu einem bestimmten Stichtag Daten liefern. Wer dem nicht Folge leiste, müsse mit einem Bußgeld rechnen, sagte Bonato. Schülke regte eine Berichtspflicht alle drei Jahre an. Zusätzlich soll ein bestimmter Prozentsatz der Einrichtungen stichprobenartig von einem externen Institut überprüft werden. Bonato sprach von zehn Prozent. Für ambulante Pflegeeinrichtungen soll das Verfahren genauso gelten wie für stationäre.
Bundestag und Bundesrat hatten erst vor wenigen Wochen eine gesetzliche Neuregelung auf den Weg gebracht, die den Streit über den Pflege-TÜV endgültig beilegen soll. Hierfür ist ein Schiedsverfahren eingeführt worden.
Weiter Streit über Pflegereform
Unterdessen gibt es weiter Streit über die geplante Pflegereform. Der Gesundheitsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU), kritisierte das kürzlich von der SPD vorgelegte Konzept als unbezahlbar. Die SPD mache Pflegepolitik nach dem "Wünsch Dir was'-Prinzip", sagte Spahn der "Bild"-Zeitung. Die Arbeitsgruppe Gesundheit der Unionsfraktion habe den SPD-Entwurf durchgerechnet und sei dabei auf mindestens 10,6 Milliarden Euro Mehrkosten gekommen.
Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte indes, bevor über die Finanzierung einer Pflegereform diskutiert werden könne, müssten zunächst die inhaltlichen Eckpunkte vorliegen. "Denn wir brauchen nicht mehr Geld für schlechte Pflege, sondern ein tragfähiges Konzept für die Zukunft", sagte der Geschäftsführende Vorstand der Organisation, Eugen Brysch. Dazu habe Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bisher nichts vorgelegt.
dapd
